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Ausstellung

Eine kurze Geschichte der Biederkeit

Der niederbayerische Künstler Alexander Stern zeigt Großes, aber wenig Großartiges in der Galerie Cordonhaus in Cham.
Von Matthias Kampmann, MZ

Alexander Stern zeigt im Chamer Cordonhaus unter anderem die Installation „alles verrat ich nicht“ (verkupferte Holztafel mit Neonlichtinstallation, 2015)
Alexander Stern zeigt im Chamer Cordonhaus unter anderem die Installation „alles verrat ich nicht“ (verkupferte Holztafel mit Neonlichtinstallation, 2015) Foto: Kampmann

Cham.Überall zerknüllte Zeitungen. Ein Großteil des Bodens der Städtischen Galerie Cordonhaus ist damit bedeckt. In den Haufen befinden sich bisweilen recht absonderlich anmutende Objekte. Auf einer Art übermannshohem Hocker dreht sich eine Leuchtschrift, „du mich auch“ betitelt. Oder daneben „everything is growing“ – alles wächst. Was im Übrigen wie eine Verballhornung des Credos der Postmoderne „anything goes“ – alles ist möglich – klingt. Die Frage ist nur, ob und was hier wirklich geht.

Denn so ganz entschieden ist das nicht, was der Betrachter in Cham zu sehen bekommt. Es sind 37 Arbeiten, die seit 2013 entstanden und Ratlosigkeit hervorrufen, denn sie besitzen eine Eigenschaft: unbestimmte graue Mäuse zu sein. Das ist jetzt nicht gerade umwerfend oder intellektuell herausfordernd.

Eine kurze Geschichte der Biederkeit in Form einer überschaubaren Abfolge vergleichbarer Akte. Hier schlägt kein Emotionspendel aus. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der eine oder andere Kollege Anreize bot, sich mit ihm über das gebotene Maß auseinanderzusetzen. Ein bisschen sehen wir Luc Thymans Medienreflexionen, ein bisschen auch von der konzeptuellen Malerei eines Heribert C. Ottersbach, ein wenig scheint der Ratten- und Mausexistenzialismus eines Max Neumann durch.

Kreative Unordnung: Ein Blick in die Ausstellung mit „everything is growing“ (Neoninstallation mit Papierknäueln, 2016)
Kreative Unordnung: Ein Blick in die Ausstellung mit „everything is growing“ (Neoninstallation mit Papierknäueln, 2016) Foto: Kampmann

Während jedoch diese älteren Kollegen den Betrachter am Schopf ergreifen und dessen Hirn ordentlich durchschleudern, mit Unheimlichkeiten berücken und mit Konzepten über Malerei zur Nachdenklichkeit zwingen, fragt man sich betroffen, was denn hier diese doch recht harmlosen Sprüchlein und die stets in matter Palette dargebotenen figürlichen Absonderlichkeiten auszeichnen. Leider ist jene positionsfreie Unbestimmtheit eben keine großartige, herausragende Qualität.

Alexander Stern

  • Der Künstler:

    Alexander Stern ist in Viechtach aufgewachsen, studierte bei Res Ingold, München, sowie bei der Medienkünstlerin Jill Scott und Barbara Nemitz in Weimar. Unter anderem wurde er 2002 mit dem ZDF Kleinplastik-Kunstpreis ausgezeichnet und 2014 mit dem Kulturpreis des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg.

  • Die Werke:

    Der Künstler arbeitet bevorzugt mit gedämpfter Palette, reflektiert dabei Medien und Zeitgeist und benutzt in seinen Installationen Leuchtschrift aus Neonröhren sowie jede Menge zerknülltes Zeitungspapier, das sich wie eine Lawine in den Raum ergießt.

  • Die Ausstellung:

    Alexander Stern zeigt bis zum 6. März 37 Arbeiten, darunter drei Neonwerke im Außenraum. Der 1976 geborene Künstler gestaltete die Räume der Städtischen Galerie Cordonhaus nicht nur mit seinen Gemälden, sondern installierte zudem mehrere raumgreifende Arbeiten.

„du mich auch“, ein Möbelobjekt mit beweglicher Lichtinstallation (2015)
„du mich auch“, ein Möbelobjekt mit beweglicher Lichtinstallation (2015) Foto: Kampmann

Alexander Stern ist in der Oberpfalz kein Unbekannter. Vor zwei Jahren belobigte ihn der Kunst- und Gewerbeverein mit dem hauseigenen Kulturpreis. Das lässt hoffen und erzeugt eine gewisse Erwartungshaltung. Die im Cordonhaus jedoch leider nicht erfüllt wird. Betrachtet man „Nachtwache“, eine galgenartige Leuchte, deren Schirm mattschwarz an einem Metallvierkant mit rechtwinkligem Seitenarm hängt, mag man vielleicht an die Leuchten in unseligen Gefangenenlagern denken, aber all das ist wieder aufgehoben in einer netten Harmlosigkeit, die beileibe keine allzu intensive Verunsicherung produziert. Gerahmt wird die plastische Arbeit von vier Papierarbeiten, zwei links, zwei rechts. Hier ein Haus, ein Interieur, dort zwei verschiedenfarbige Blicke in ein Gehölz.

Es riecht nach frischer Farbe

Ja, wir haben derartige Bilder schon gesehen – zu Beginn der 1990er Jahre. In Cham riechen sie noch frisch nach Tubenfarbe. Es mag ja sein, dass sich Alexander Stern, der 1976 im niederbayerischen Deggendorf geboren wurde und nicht bei Malern, sondern bei Res Ingold, Jill Scott und Barbara Nemitz studierte, auf die Vorläufer, die etwa Jan Hoet zur Documenta 1992 zeigte, bezieht. Aber das jedoch ist eher ein zusammenhangloses Zitieren und kein Kriterium für Qualität. In ihrer beliebigen Anhäufung und merkwürdig entspannten Materialkombinatorik wirken die Arbeiten über das Maß saturiert.

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