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Neuerscheinung

Eine Liebeserklärung an den Nachbarn

Der Regensburger Autor Matthias Kneip verbindet in seinem neuen Buch „111 Gründe, Polen zu lieben“ Profession und Passion.
Von Helmut Hein, MZ

Matthias Kneip ist beides: Berufs- und Herzens-Pole. Jetzt hat er eine Liebeserklärung an Polen verfasst: „111 Gründe, Polen zu lieben“.
Matthias Kneip ist beides: Berufs- und Herzens-Pole. Jetzt hat er eine Liebeserklärung an Polen verfasst: „111 Gründe, Polen zu lieben“. Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Matthias Kneip ist beides: Berufs- und Herzens-Pole. Seit längerem schon arbeitet er am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, reist, liest, kommuniziert und publiziert unermüdlich. Aber jenseits des Brotjobs beginnt erst die wahre Leidenschaft. Der Sohn von Spätaussiedlern aus dem deutschen Oberschlesien hatte nie Ressentiments. Alle Begegnungen mit dem östlichen Nachbarn, so weit wir deren Zeuge sein können, sind Dokumente herzinnigster Zuneigung.

Polen ist für Kneip schlicht „das schönste Land der Welt“, wie der Untertitel seines neuesten Buchs verspricht. In ihm liefert er – warum kleckern, wenn man auch klotzen kann?! – „111 Gründe, Polen zu lieben“. So viel Zuneigung wird manchmal sogar den bekanntermaßen patriotischen Polen zu viel.

Es geht um die kleinen Dinge des Alltags

Wer dem Buch aber zunächst mit Skepsis begegnet, wird äußerst positiv überrascht. Zwar hält man nicht einen objektiven Bericht oder eine routinierte Reportage in Händen, sondern, wie Kneip selbst sagt, eine „Liebeserklärung“. Aber der Leser profitiert in diesem Fall von der Passion, der nichts zu klein und unbedeutend ist, um gewürdigt zu werden. Es geht nämlich nicht so sehr um die Haupt- und Staatsaktionen, um Geschichte und Politik (über die ausführlich zu reden in Polen als unhöflich gilt), sondern um die kleinen Dinge des Alltags, gewissermaßen um Polen als Lebensform.

Man spürt auf jeder Seite, dass Kneip „dabei“ war, dass er uns von seinen persönlichsten Erfahrungen und Abenteuern erzählt: wie nahrhaft und wohlschmeckend etwa die Suppen sind oder wie gefährlich es ist, aufzuessen. Unsere Nachbarn sind nämlich famose Gastgeber, die keine leeren Teller ertragen; es gibt immer sofort Nachschlag.

Kneip stürzt sich mitten hinein in die legendären Feste, die auch schon mal ein paar Tage nonstop gehen können und Körper und Seele, kurz: unsere Kondition bis zum Äußersten beanspruchen. Der bekennende Anti-Alkoholiker Kneip opfert sich unseren Authentizitätsbedürfnissen und kostet sogar am „Wässerchen“, so die wörtliche Übersetzung von Wodka. Kein Fest ohne das Wässerchen. Freilich muss man keine Angst vor Schnapsleichen haben, denn Wodka wird hier aus einem Glas getrunken, das reihum geht. Da dauert es, bis man wieder dran ist.

Die Frau als permanente Gefahrenzone

Kneip scheut keine Gefahr, streift durch den einzigen Urwald Europas in Ostpolen, auf der Suche nach dem Wisent, diesem Tausend-Kilo-Koloss und mischt sich kundig in die Frage ein, was denn die wahre Hauptstadt sei: Warschau oder Krakau. Kneip bemüht sich um informierte Neutralität, aber man spürt natürlich, dass sein Herz für Krakau schlägt. Dort führt er uns auch in sein Lieblings-Kaffeehaus Jama Michalika und unternimmt mit uns eine Zeitreise.

Aber was sind schon die Risiken, die von Wisent und Wodka ausgehen, im Vergleich zur permanenten Gefahrenzone Frau? Die Schönheit der Polinnen ist legendär. Sie haben bei aller Emanzipation, die längst selbstverständlich ist, nicht vergessen, was sie vor allem sind und sein wollen: sexuelle Wesen, Mittelpunkt frei flottierender erotischer Fantasien. Weil Kneip auf vermintem Terrain nicht (nur) mit eigener Stimme sprechen will, beruft er sich auf Heinrich Heine, der schon vor fast 200 Jahren, wenn es um Polinnen ging, poetisch, um nicht zu sagen blumig wurde: „Hätte ich den Pinsel Raffaels, die Melodien Mozarts und die Sprache Calderons, so gelänge es mir vielleicht, Ihnen ein Gefühl in die Brust zu zaubern, das Sie empfinden würden, wenn eine wahre Polin, eine Weichsel-Aphrodite, vor Ihren hochbegnadigten Augen leibhaftig erschiene:“

Info: Matthias Kneip: „111 Gründe, Polen zu lieben“, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 240 Seiten, 9,99 Euro

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