MyMz

Premiere

Eine Oper wie ein modernes Märchen

„Hans Heiling“ eröffnet die neue Theaterspielzeit in Regensburg. Regisseur Florian Lutz schickt die Sänger in die Loge.
Von Claudia Böckel, MZ

  • Zuschauer und Sänger tauschen in „Hans Heiling“ Platz: Theodora Varga in der Fürstenloge. Foto: Jochen Quast
  • Matthias Ziegler und Theodora Varga in einer Szene von „Hans Heiling“: Die Inszenierung hinterfragt Sehgewohnheiten. Foto: Jochen Quast
  • Adam Kruzel und Opernchor und der Opernchor in „Hans Heiling“: Am Samstag ist Premiere im Theater am Bismarckplatz. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Florian Lutz ist demnächst nicht nur freier Regisseur, sondern in Halle Opernintendant. Doch zuvor inszeniert er in Regensburg die Oper „Hans Heiling“. Er spricht begeistert von dem Projekt, mit dem das Theater Regensburg die Saison eröffnet.

Eine romantische Oper in drei Aufzügen ist Marschners selten gespielte Oper, mit Prolog und Ouvertüre voran, mit Sprechtexten zwischen den Musiknummern, was allerdings schon zur Entstehungszeit 1833 ein wenig altmodisch schien. Die Originaltexte habe man auf etwa ein Drittel gekürzt, auch verändert, es gebe ein Art Pressesprecher der Königin der Erdgeister, der für den Ablauf ganz wichtig sei.

Stilistisch steht die Oper zwischen Webers „Freischütz“ und „Euryanthe“ und Wagners „Fliegendem Holländer“. Wagner kannte Marschners Oper und machte im Holländer selbst einen Bariton zum Titelhelden. Librettist Eduard Devrient hatte den Stoff einer böhmischen Volkssage adaptiert und dann auch gleich die Titelrolle in der Uraufführung 1833 in Berlin selbst übernommen.

Eine Gesellschaft voller Ressentiments

Lutz findet das Werk ideengeschichtlich interessant: Bauern und Jäger zeigten den Zustand der Gesellschaft nach dem 30-jährigen Krieg, ein altes Gesellschaftsmodell liege hier zugrunde. Im Prolog, einer großen romantischen Schauermusik, bauen Erdgeister Edelmetalle ab, häufen abstrakten Reichtum an, wie es später auch in Wagners Rheingold geschieht. Sie sind den Bauern und Jägern gegenübergestellt wie zwei Teile einer Gesellschaft, die alle große Ressentiments haben, gegeneinander hetzen. Die Bauern und Jäger arbeiten hart, verstehen es aber auch, Feste zu feiern. Die Erdgeister schürfen unterirdisch.

Das Stück funktioniere wie ein Märchen, so Lutz, aber in sinnbildhafter Erzählweise. 1:1 könne man das nicht in die heutige Zeit übertragen, das wäre zu simpel. Die Fragestellung sei eher gewesen: Wie können Zuschauer und Mitwirkende Teil gesellschaftlicher Identitäten werden? Daraus entstand die Idee, den Zuschauer nicht nur im Sessel sitzen zu lassen, sondern ihm die Möglichkeit zur Interaktion zu geben. Im Zuschauerraum sei eher die Unterwelt untergebracht, auf der Bühne die menschliche Sphäre. Lutz will vorab nicht viel verraten, meint aber: Die Perspektiven ändern sich, wenn man auf der anderen Seite steht, in diesem Fall: der Zuschauer auf der Bühne. „So ein opulentes Bühnenbild können wir hier gar nicht bauen, wie es dieses Theater schon ist.“

Romantische Oper: Hans Heiling

Das Theater Regensburg hat sich an ein Stück aus dem 19. Jahrhundert herangewagt - mit einer Inszenierung, die so manche Besucher sprichwörtlich von den Stühlen reißen wird.

Posted by tvaktuell on Thursday, September 17, 2015

Die Oper spielt in Regensburg im Jahr 2015

Mit der Geschichte von Hans Heiling, der auszog, eine Menschenfrau zu lieben, der fürs Herz die Krone aufgab und seine Mutter, die Königin der Erdgeister, verließ, mit dem Bauernmädchen Anna aber nicht glücklich wird, weil er ihr zu düster ist und weil ihr der Jäger Konrad dann doch näher steht, tut sich die Frage nach Gruppenidentitäten auf. Die Mechanismen der Ausgrenzung greifen. Schichten und Bevölkerungsgruppen stehen gegeneinander, die einen arbeiten, die anderen schürfen unterirdisch geldwertes Material zu Tage.

Lutz will mit Marschners Oper ein modernes Märchen erzählen, eine neue Art des Erlebnisses ermöglichen, das durchaus auch Geisterbahn-Züge tragen kann. In welcher Zeit die Oper spielt? „In Regensburg 2015, sie zeigt aber viele zeitlose Wahrheiten auf.“

Premiere am Bismarckplatz

  • Die Oper:

    „Hans Heiling“, Oper in drei Aufzügen und einem Vorspiel, hat Heinrich Marschner (1795–1861) komponiert, das Libretto stammt von Eduard Devrient. Die Produktion kommt als Regensburger Erstaufführung auf die Bühne, Premiere: am Samstag, 19. September, 19.30 Uhr, im Theater am Bismarckplatz. Regie führt Florian Lutz, die musikalische Leitung hat Tom Woods.

  • Der Regisseur:

    Florian Lutz, der gerade neu ernannte zukünftige Opernintendant der Oper Halle, ist bekannt dafür, Opernkonventionen und Sehgewohnheiten zu hinterfragen und dem Althergebrachten überraschend neue Perspektiven abzugewinnen. „Hans Heiling“ inszeniert er in Regensburg als interaktives Theatererlebnis, bei dem der Zuschauer Teil der Aufführung werden kann.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht