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Musik

Eine Reise ins Mittelalter

Schandmaul kombinieren rockige Klänge mit Dudelsack und Flöte. Ihr neues Album „Artus“ ist auch eine Rückkehr zu den Wurzeln.
Von Louisa Knobloch

Mit „Artus“ haben die Mittelalter-Rocker Schandmaul ihr zehntes Studioalbum vorgelegt. Foto: Robert Eikelpoth
Mit „Artus“ haben die Mittelalter-Rocker Schandmaul ihr zehntes Studioalbum vorgelegt. Foto: Robert Eikelpoth

Regensburg.Schandmaul sind längst kein Geheimtipp mehr. Im vergangenen Herbst feierte die Mittelalter-Rockband aus der Nähe von München vor 10 000 Fans in der Kölner Lanxess Arena ihr 20-jähriges Bestehen. Ihr letztes Album „Leuchtfeuer“ (2016) erreichte die Spitze der Albumcharts und hielt sich dort neun Wochen lang. Die Erwartungen an den Nachfolger „Artus“, der am 3. Mai erschienen ist, waren daher hoch. Mit den zwölf Songs habe man sich „wieder mehr an den musikalischen Wurzeln der Band orientiert“, sagte Schandmaul-Musikerin Birgit Muggenthaler Anfang des Jahres in einem Gespräch mit der Mittelbayerischen. Die Multiinstrumentalistin, die seit 2004 in Regensburg lebt, spielt bei der Band unter anderem Flöte, Schalmei und Dudelsack.

Beim Opener „Der Meisterdieb“ und der frechen Märchenvariante „Froschkönig“ fühlt man sich tatsächlich an frühe Schandmaul-Alben erinnert – die Fans wird es freuen. Bei den anstehenden Konzerten dürften „Vagabunden“ und „Der Kapitän“ mit ihren Mitsing-Refrains zu Live-Krachern werden. Das kraftvoll-melancholische Abschiedslied über einen alten Kapitän lässt zwar textlich kein Seefahrer-Klischee aus, funktioniert aber trotzdem – oder gerade deshalb – sehr gut.

Ein Highlight des Albums ist die überraschend fröhliche, von Flötentönen begleitete Polka „Der Totengräber“. Hier erweisen sich Schandmaul nicht nur als gute Geschichtenerzähler, sondern auch als bissige Gesellschaftskritiker. „Bei deinem letzten Schritt nimmst du nichts mit“, erinnern sie all die Raffkes dieser Welt. Auch die Kirche mit ihrem Prunk bekommt ihr Fett weg: „Sprich von Demut und Verzicht, dich daran halten musst du nicht“. Ein bis zur fiesen Schlusspointe gelungenes Stück.

„Wir haben uns mit den zwölf Songs wieder mehr an den musikalischen Wurzeln der Band orientiert.“

Birgit Muggenthaler, Schandmaul

Überraschend rockig und düster kommt „Die Oboe“ mit Gitarrenriffs und Schlagzeug daher, die aber gut mit den zarten Klängen der titelgebenden Oboe harmonieren. Eine perfekte Symbiose von alten und modernen Klängen bietet das Instrumentalstück „Chevaliers“, das mit seiner wehmütigen Dudelsack-Melodie zum Träumen einlädt. Nun folgen drei Stücke, die Geschichten um König Artus aufgreifen. Wer angesichts des Titels ein Konzeptalbum erwartet hatte, wird enttäuscht sein. Zum einen, weil der Themenkomplex Stoff für weit mehr als drei Stücke hergegeben hätte, zum anderen, weil nur eines der Stücke, das kraftvolle „Die Insel – Ynys Yr Afallon“, auf Anhieb Begeisterung zu wecken weiß. „Die Tafelrunde“ kommt mit Sprechgesang zu Beginn etwas sperrig daher, der Song entfaltet sein Potenzial erst nach mehreren Durchgängen. Bei „Der Gral“ schließlich wirkt der Text des Refrains etwas platt.

Statt „Artus“ hätten Schandmaul auch ein Seefahrer-Motto wählen können, denn nach „Auf und davon“ und „Der Kapitän“ geht es für das letzte Stück des Albums wieder auf hohe See. In „Der Weiße Wal“ setzen die Musiker der Geschichte von „Moby Dick“ ein musikalisches Denkmal. Insgesamt ist „Artus“ ein gutes Album, das teils aber etwas Zeit und mehrfaches Anhören braucht. Was aber fehlt, ist ein richtiger Ohrwurm wie „Herren der Winde“ oder „Dein Anblick“ aus alten Zeiten.

MZ-Serie

Mit Schalmei und Dudelsack

Birgit Muggenthaler ist die Allzweckwaffe von Schandmaul. Die Regensburgerin spricht über Musik, Erfolg und Privates.

Schandmaul auf Tour:

Im Sommer treten Schandmaul bei verschiedenen Festivals in ganz Deutschland auf, unter anderem beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig (8. Juni), auf Burg Wertheim (12. Juli) und beim Sommer am Kiez in Augsburg (10. August).

Im Herbst präsentieren die Musiker ihr neues Album auf einer Tour. Am 3. November gastieren Schandmaul in München (Circus Krone Bau) und am 29. November in Nürnberg (Löwensaal).

Hier geht es zum Ressort Kultur.

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