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Ausstellung

Eine „Spätlese“, reich an Bildsprachen

Die Galerie Knyrim Regensburg widmet Lena Bosch eine Werkschau: mit Collagen, Malerei, Papierschnitten und Objets trouvées.
Von Matthias Kampmann, MZ

Lena Bosch vor „Sri Lanka“ in der Galerie Knyrim in Regensburg
Lena Bosch vor „Sri Lanka“ in der Galerie Knyrim in Regensburg Foto: Kampmann

Regensburg.Mit spitzem Kinn schaut eine weibliche Figur aus dem Bild heraus. Schwarz ist sie, aber keine Silhouette. Lena Bosch, 70, Malerin, aufgewachsen in Regensburg, vermischt in jüngster Zeit die Bildsprachen. In ihrer Ausstellung „Spätlese“ in der Galerie Knyrim mit 37 Werken aus 30 Jahren lässt sich das nachvollziehen. Collagen, Objet trouvées, Materialbilder, Papierschnitte, Mischtechniken sowie Öl- und Acrylmalereien aus 30 Jahren zeigen das weite Spektrum der Künstlerin.

„Sri Lanka“ ist ein jüngeres Werk; es zeigt die Verbindung mit dem folienhaften Scherenschnitt, eine Technik, die in Boschs neueren Arbeiten dominiert. Man bekommt den Eindruck, als sei die späte Phase der Künstlerin eine, in der verschiedene Arbeitsweisen zusammenkommen. „Eigentlich ist es mir nicht besonders wichtig, ob ich in Öl male oder auf Papier arbeite. Es kommt bei der Wahl der Technik und des Materials immer auf den angemessenen Ausdruck dessen, was ich darstellen will, an“, beschreibt die als Autodidaktin gestartete Künstlerin, die heute in Salzburg und im Chiemgau lebt. Schaut man sich daher in den intimen Räumen der Galerie Hinter der Pfannenschmiede 3 um, entdeckt man eine ganze Menge Mischtechniken.

Zwei seltsame Fahrzeuge aufmontiert

In „Fluchtgedanken“ herrscht der reine Papierschnitt. Links ein Frauenprofil, das aus dem Weiß des Hintergrunds und dem Grüngrau des Bildträgers geschnitten ist. Aufmontiert sieht man noch zwei seltsame Fahrzeuge. Eines fährt nach links, eines nach rechts. Nun könnte man angeregt sein, sich die heutige Situation vieler Menschen aus geografischen Gegenden früherer Hochkulturen ins Gedächtnis zu rufen. Doch um diese neue Zeit der Völkerwanderung heute geht es Lena Bosch wohl nicht.

Etwas scheint die Figur am Boden zu halten. Oder hat sich die männliche Figur bereits befreien können? Sie ringt sich aus dem gelben Ufer. Ist es Schlick, der die Beine umfasst hält und nicht freigibt? Schwer zu entscheiden. Das Bild heißt „Später Flugversuch“, und bei solchen Arbeiten sieht man dann einen wie auch immer gearteten persönlichen Bezug. Doch wie der genau ausschaut, ist vielleicht ganz egal.

Immer ist der Betrachter, der Leser oder Hörer geneigt, den Menschen hinter den Werken zu entdecken. Dass aber Künstler meistens damit spielen, verstehen wir nicht. Denn eigentlich kommt es zumindest bei einem großen Teil zeitgenössischer Kunst auf uns selbst an, darauf, was wir wie wahrnehmen.

Die richtigere Frage lautet also: Was sagt uns das? Und nicht: Was sagt das über Lena Bosch? Die lacht herzlich und beschreibt, dass sie schon immer von Collagen fasziniert war. Ihr allererstes Buch über Kunst, da studierte sie noch Medizin, handelte von Kurt Schwitters Dada-Arbeiten. Doch mittlerweile hat sich das Interesse in verschiedene Richtungen entwickelt. Da war der Einfluss von Wassily Kandinskys Malerei beispielsweise.

Über die Bilder allgemein, oder speziell, warum der Flugversuch wie auf den Kopf gestellt erscheint, sagen diese Informationen erst einmal wenig aus. Da muss man schon genauer hinschauen.

„Lena Bosch: Spätlese“ ist bis 17. Oktober zu sehen: Galerie Brigitte Knyrim, Hinter der Pfannenschmiede 3, Montag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr und Samstag 11 bis 14 Uhr.

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