MyMz

Jazz

Eine Spur härter und direkter

Auf der neuen CD „MusicBoxMusic“ bleibt sich das Trio Elf treu. Am Sonntag gastiert die Formation beim Jazzclub Regensburg.
Von Juan Martin Koch, MZ

Das Trio Elf hat in Bremen einen Coup gelandet.
Das Trio Elf hat in Bremen einen Coup gelandet.Foto: Uli Zrenner-Wolkenstein

Regensburg. Da hat das Trio Elf einen ziemlichen Coup gelandet: Am vergangenen Wochenende entschieden Drummer Gerwin Eisenhauer, Pianist Walter Lang und Bassist Peter Cudek das Finale des Bremer Jazzpreises für sich und durften die mit 10 000 Euro ziemlich stattlich dotierte Auszeichnung mit nach Hause nehmen. Dabei setzten sie sich gegen starke, vom Jazz-Feuilleton hoch gehandelte Konkurrenz durch: Gegen die Pianistin und Sängerin Johanna Borchert mit Band und das Quartett „Tubes & Wires“ rund um den Saxophonisten Niels Klein.

Auch bei der Jury und dem Bremer Publikum scheint also der unverwechselbare Sound bestens angekommen zu sein, den Trio Elf seit über zehn Jahren zelebriert: diese live-elektronisch verfremdete Mischung aus maschinenhaften, vom Drum’n’Bass inspirierten Beats, treibende akustische Bassarbeit und dem auf konventionelle Jazzharmonik weitgehend verzichtendes, zu hymnischer Emphase sich hochschaukelndes Klavierspiel.

Orientalische Anklänge

Auch auf ihrer neuen CD „MusicBoxMusic“ (yellowbird/enja) bleibt das Trio dieser Philosophie treu, nimmt dabei aber leichte Akzentverschiebungen vor, die von der exzellenten Aufnahmetechnik unterstützt werden. Was da im renommierten Nilento Studio in Schweden festgehalten wurde, klingt eine Spur härter und direkter als auf den vorangegangenen Alben. Die früher bisweilen über dem kompletten Ensemble liegenden Effekte sind nun stärker auf Walter Langs Klavierklang fokussiert. Der ist dann bei der letzten Nummer „Suq“ regelrecht verzerrt – neben „Tripolis“ das zweite Stück mit orientalischen Anklängen.

Hypnotisch ist einmal mehr der Einstieg mit Peter Cudeks „Emptiness“, und seinem „The Elf Police“ stellt Lang als „Prélude“ eine wunderbar ruhige Akkordlandschaft voran. Ähnliches gilt für Cudeks „Salutation to the Sun“, das mit einer köstlichen, inventionsartigen Klaviereinleitung beginnt und ebenso subtiles Ohrwurm-Potenzial entwickelt wie das mit Toy-Piano-Anklängen eröffnete „Dança da Fita“.

Etwas heftiger geht es in „Krumm“ und der am ehesten jazzig zu nennenden, hyperaktiven Uptempo-Nummer „Usain“ zur Sache. Und auch der vorletzte, vielleicht stärkste Track „Stadium“ lebt vor allem von der ryhthmischen Energie. Die entsteht hier auf vertrackte Weise durch ein Gerüst aus sturen Tonwiederholungen, das von gegenläufig-triolischen, in der Harmonik immer einen Schritt vorauseilenden Bassfiguren vor sich hergetrieben wird. Intelligente Groove-Musik.

In allen neuen Stücken, die auf der CD eher knapp gehalten sind, steckt somit genügend Substanz für weiter ausgreifende Live-Versionen. Das verheißt einiges für die kommenden Auftritte: am Sonntag, 2. Oktober, im Jazzclub Regensburg und am Dienstag, 11. Oktober, im Amberger Stadttheater.

Weitere Beiträge aus der Kultur finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht