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Eine Vision in Kuba wächst

Zum 7. Mal fanden die Kirchenmusiktage in Havanna statt. Danach verstummten auch in Kuba Musiker und Künstler.
Von Andreas Meixner

Die „Semana de Música Sacra de La Habana“ bringt Musiker aus Havanna und Regensburg zusammen. Foto: Christoph Schäfer
Die „Semana de Música Sacra de La Habana“ bringt Musiker aus Havanna und Regensburg zusammen. Foto: Christoph Schäfer

Havanna.Die erste Märzhälfte in der karibischen Metropole war ungewöhnlich mild, eigentlich ideale Bedingungen für die „Semana de Música Sacra de La Habana“, die zum siebten Mal in Folge ihre Tore öffnete. Anfangs zeichnete sich noch nicht ab, dass das Corona-Virus auch bald das Leben der Menschen in Kuba bestimmen sollte. Das Abschlusskonzert der Kirchenmusikwoche im Herzen von Havanna wurde schon zu einer der letzten Veranstaltungen, die noch von den Behörden zugelassen wurde.

Die Kirchenmusikwoche lockte kubanische Vokalensembles, Sängersolisten, Instrumentalgruppen und Kinderchöre in das erst vor wenigen Jahren gegründete kirchliche Institut Superior Felix Varela, um Musik von Brahms, Bach, Buchenberg, Scarlatti oder Rutter zu erarbeiten, Gesangsworkshops zu besuchen und Unterricht an der Orgel sowie in Kompositionstechniken zu erhalten.

Als Dozenten aus Regensburg waren diesmal dabei: Markus Rupprecht und Stefan Baier (Orgel), Katja Stuber (Gesang), Claudia Gerauer (historische Aufführungspraxis), Kunibert Schäfer (Chorleitung), Eva-Maria Leeb (Kinderchorleitung) und Steven Heelein (Komposition). Kunibert Schäfer verbrachte die Kurstage in der Franziskuskirche, in der auch viele der Abendkonzerte stattfinden.

Junge Musiker mit Potenzial

Im Stundentakt kamen die Chöre zu ihm, lauschten konzentriert seinen klaren Interpretationsanweisungen und Impulsen. Europäische Chorkunst fällt hier auf fruchtbaren Boden, viele der Chorleiter haben in sozialistischen Bruderländern studiert, einige sogar in Weimar. Die Mitglieder des neuen Kammerchors der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik assistieren dabei, mischen sich unter die kubanischen Sänger, helfen bei Aussprache und Übersetzungsschwierigkeiten. Ein paar Häuserblocks weiter steht in der Kirche „Parroquia del Espiritu Santo“ eine kleine Orgel, an der Markus Rupprecht und Stefan Baier ihre Studenten unterrichten.

Música Sacra

  • Ursprung:

    Ihren Ursprung hat die Kooperation zwischen Regensburg und Havanna vor 15 Jahren, als Stefan Baier zusammen mit der renommierten Blockflötistin Claudia Gerauer zum „Esteban Salas Festival“ für Alte Musik nach Havanna eingeladen wurden.

  • Folgen:

    Daraus entwickelten sich in der Folge regelmäßige Aufenthalte für Workshops, die 2014 in die Idee einer ganzen Kirchenmusikwoche mündeten.

Da sind keine Anfänger zu hören, sondern junge Musiker mit dem Potenzial, später einmal mit Hilfe eines Stipendiums der Hochschule und des Bistums in Regensburg zu studieren. Bischof Rudolf Voderholzer machte sich diesmal selbst ein Bild über die Kooperation, mit einer Pilgergruppe bereiste er Kuba und war auch einige Tage zu Gast in Havanna. Er besucht Konzerte, lässt sich das kirchliche Kulturzentrum zeigen. Ein Ort voller Musik und Leben, auch Dank der Hilfe aus Regensburg.

Zentrum für Mittelamerika

Rektor Stefan Baier hält an seiner Vision fest: Das Instituto Superior Felix Varela ebenda soll einmal das Kirchenmusikzentrum für Mittelamerika werden, als ein wertvoller und eigenständiger Partner der weltweit bedeutendsten Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg. Nur, wann sich die Musiker aus Kuba und Bayern wiedersehen werden, ist noch völlig ungewiss. Das Virus macht auch hier viele Pläne zunichte.

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