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Kulturtage

Eine Zeit, die vor den Augen zerrinnt

Acht Künstler beschäftigten sich mit dem Begriff Heimat.
Von Bettina Gröber

Ursula und Oswald Zitzelsberger bei der Eröffnung Foto: Gröber
Ursula und Oswald Zitzelsberger bei der Eröffnung Foto: Gröber

Regensburg.Heimat: Das ist etwas, das zwischen zwei Polen, zwei Extremen existiert – oder nicht existiert. Heimat, das kann ein Ort oder ein Raum sein, in dem man sich (gern) aufhält, wo man „zu Hause“ ist. Heimat kann aber auch geflohen werden, aus freien Stücken, meist jedoch getrieben, vertrieben, verstoßen. „Heimat?“ Dieser Frage näherten sich die 14. Kulturtage der Oswald Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung im Künstlerhaus Andreas-Stadel.

Sieben Künstlerinnen und ein Künstler zeigten in einer Gruppenausstellung ihre ganz eigenen Zugänge zum Topos, wie auch zum mit ihm verbundenen Fragezeichen. Die Wahl des Themas sei getroffen worden, da der Begriff „Heimat“ gerade in unserer Zeit allgegenwärtig sei, erläuterte Falko Gaulke, Leiter des Künstlerhauses, bei der Eröffnung. Dies sei auch „mit einem weinenden Auge“ zu konstatieren, wenn man auf die rechten Ränder der Gesellschaft blicke. Als politischer Begriff sei „Heimat“ unbrauchbar, weil die damit verbundenen Emotionen individuell sind, so Peter Lang vom „Kulturjournal“. Lang definierte Heimat als etwas, das „immer mit Verlust zu tun“ habe, Heimatgefühl entstehe, „wenn wir an Entferntes erinnert werden“. Zudem sei Heimat „viel häufiger eine Zeit als ein Ort“, sie „zerrinnt förmlich vor unseren Augen“.

Die Betonung des Individuellen ist das Charakteristikum, das alle acht Kunstschaffenden einte. Dass die Werke mit unterschiedlichen Techniken gestaltet wurden – von Malerei und Illustration über Fotografie bis zu Installation und Objektkunst –, unterstrich die Botschaft: Heimat ist vielfältig, die Auseinandersetzung mit ihr etwas Herausforderndes. Vielstimmig lauteten entsprechend jene Töne und Untertöne, die aus den Werken der Künstler zu vernehmen waren.

Wenn etwa Barbara Muhr unter dem Titel „Pre-History (Let there be Tohuwabohu)“ die leidende Christusfigur ohne Kreuz auf die figural, formal und farblich hoch assoziativ gestaltete Leinwand bringt, zwingt sie den Betrachter, sich aus den gewohnten Kontexten zu lösen. Der Blick geht über den bekannten Horizont hinaus, öffnet ihn für andere geistige, auch politische Deutungen. Ebenfalls als Einladung zur Beschäftigung mit sich selbst, dem eigenen Selbst-, Welt-, Heimatverständnis kann die Serie „Tage auf dem Mond“ von Luzie Gerb gelesen werden: Eine Reihe kleinformatiger Zeichnungen wird zum Diarium gruppiert, das Schlaglichter wirft, aber auch als Projektionsfläche genutzt werden kann.

Der Ansatz, auf individuellen künstlerischen Wegen hin zur oder weg von der Heimat zu führen, ist den Machern der Kulturtage gelungen. „Heimat“ als etwas, das immer wieder und immer neu erkannt, erarbeitet werden will.

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