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Ausstellung

Einstein im Kopf, Wagner im Ohr

Suche nach Eindrücken: Maria Maiers Ausstellung „Zeitraum Farbe“ überrascht mit Fundstücken aus drei Jahrzehnten.
Von Helmut Hein

Hat sich überaus intensiv mit dem Phänomen „Zeitraum“ beschäftigt: Maria Maier Foto: Gerstenberger
Hat sich überaus intensiv mit dem Phänomen „Zeitraum“ beschäftigt: Maria Maier Foto: Gerstenberger

Regensburg.Normalerweise, sagt Maria Maier, muss man ja tot oder zumindest sehr, sehr alt sein, bis Galeristen finden, es sei an der Zeit für eine große Werkschau oder Retrospektive. Bei ihr hat es, Gott sei Dank, nicht so lang gedauert. Noch bis zum 8. Juli sind Arbeiten aus fast drei Jahrzehnten in St. Josef zu sehen; und zwar ausschließlich „farbige“, denn zwischendurch gab es ja auch mal eine fast zehnjährige „farblose“ Phase, die hier nicht repräsentiert ist.

Farbe ist bei Maria Maier niemals nur Oberfläche, gewissermaßen die dünne Außenhaut der Dinge. Die Farbgebung war auch selten bloß ein spontaner Impuls, eher ein Kampf, ein Wieder-und-wieder, ein Prozess des Übermalens und am Ende, vielfach geschichtet, eine komplexe Struktur. Und das kann dauern. Maiers kleine Serie „Zeitraum Farbe I/II/III“, Acryl auf Leinwand, ist mit folgender Zeitangabe versehen: 2000 bis 2018, woraus man schließen kann, dass Maria Maier keine Künstlerin ist, die leicht auf- oder nachgibt.

Gegenständliche Reste

Das Phänomen Zeit beschäftigt sie schon lange, besonders in der Variante „Zeitraum“, als habe sie Einstein im Kopf und Richard Wagner im Ohr: „Die Zeit wird hier zum Raum.“ Bei ihr im Wortsinn: Die Bilder sind nicht „flach“, sondern öffnen sich in eine Tiefe, die man ergründen kann und muss. Wie kommt die Perspektivität in die pure Abstraktion? Nun, einerseits ist die Abstraktion so rein gar nicht, meist finden sich zumindest gegenständliche Reste. Maria Maier erklärt es aber auch mit dem insistenten Malvorgang: „Da kommt Schicht auf Schicht.“ Das sieht der Betrachter. Oder spürt es wenigstens.

Die frühesten Arbeiten sind aus den Nachwende-Jahren 1990 und 1991 und tragen Titel wie „Dialog“ oder auch „Dialog – Vernetzt“. Maria Maier, außerhalb ihres Metiers nicht gerade technikaffin, hat früh gespürt, dass das Internet, das WorldWideWeb vieles verändern und eine neue Welt schaffen wird. Wie verlaufen nun diese Dialoge? Man könnte sagen: paradox.

Empfindliche Licht-Bilder

  • Wenn Maria Maier

    reist, fotografiert die Künstlerin auch, zum Beispiel auf Kuba. Die Fotos sind für sie oftmals Material, das vielfältigen Bearbeitungsprozessen unterworfen wird. Sie haben aber auch einen ästhetischen Eigenwert.

  • Man hätte gern,

    nicht nur zum Vergleich, gerade ihre Kuba-Fotos gesehen. Maier hätte sie gern gezeigt. Aber Licht-Bilder, der Name deutet es schon an, sind empfindlicher als Gemälde; sie zu zeigen und noch dazu so lange, wäre zu riskant gewesen.

Denn bei Maria Maier gibt es beides: den weichen, gestischen Strich und die harte Kante – und zwar in ein und demselben Bild. Da wird der Empfindungsraum mit kräftigen Farben geflutet und dann durch klare Konturen durch- oder sogar zersetzt. In der Bildfindung zeigt sich da, scheinbar unmittelbar, der Rhythmus des Lebens: Wahrnehmung, Reflexion, konstruktive Anstrengung. Noch die heftigste Expression wird dadurch begrenzt, dass Maria Maier immer auch eine Architektin des (Da-)Seins ist.

Große Reisende

Und sie ist auch eine große Reisende. Kuba hat es ihr angetan, vielleicht die Lebensfreude, vor allem aber die Farben und Formen, die sich dort finden. Denn sie ist ja nie als Touristin unterwegs. Sie sucht vielmehr nach Eindrücken, die Blick und Bild verändern. Maria Maier arbeitet oft mit Acryl auf Leinwand, das erlaubt ein bestimmtes Tempo. Gerade bei den Kuba-Bildern aber kombiniert sie Acryl und Öl und benutzt als Basis statt Leinwand Karton. Das ergibt einen Farbton, „als sei man dabei gewesen“. Gerade hier lässt sie die Figur, mehr oder weniger stark „gelöscht“, in den Farbraum wirken.

Die Kunst ist frei. Sie darf sich nicht fremden Imperativen oder Codes fügen. Aber sie braucht auch Anregungen und Auftraggeber. Gerade die Kirche hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten der modernen Kunst geöffnet; das „Ecce homo“ verbindet beide. Die „Friedenstaube“, die hier so aus dem Rahmen fällt, hat Maria Maier für einen Kirchentag geschaffen. Der Gläubige braucht nicht nur starke Texte, sondern auch starke Bilder, denen er sich – Stichwort: Dialog – immer wieder zuwenden kann.

Wenn man mehr über das Bild erfährt, lernt man auch sich selber besser kennen.

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