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Kultur
Samstag, 22. September 2018 19° 3

Musik

Erdrückende Last der letzten Stunde

Das Gärtnerplatz-Theater inszeniert Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ um die Ermordung von Hans und Sophie Scholl
Von Gerhard Heldt

Liviu Holender als Hans Scholl Foto: Christian Zach/Pogo
Liviu Holender als Hans Scholl Foto: Christian Zach/Pogo

München.1986 hatte die Bayerische Staatsoper Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ in einem Gastspiel der Hamburger Uraufführungs-Inszenierung und -Besetzung zu den Münchner Opernfestspielen in die bayerische Landeshauptstadt geholt. Zur Erinnerung an den 75. Jahrestag der Ermordung von Hans und Sophie Scholl im Februar 1943 stellte nun das Staatstheater am Gärtnerplatz eine eigene Produktion vor. Sie nutzte dazu die neue Probebühne, die erstmals als Studiobühne vorgestellt wurde. Der Raum ist so groß wie die Hauptbühne und bietet als Zentralbühne mit dreiseitiger Bestuhlung und Raum für das kleine Orchester auf der vierten Seite rund 130 Zuschauern Platz.

Zimmermanns „Szenen für zwei Sänger und 15 Instrumentalisten“ wurden in der Uraufführungsfassung von 1986 vorgestellt, die in komprimierter Eindringlichkeit die letzte Stunde der Geschwister Scholl vor ihrer Hinrichtung in der Strafanstalt Stadelheim schildert. Zu hören sind Texte von Brief- und Tagebuchaufzeichnungen der Geschwister, Prosa und Lyrik von Dietrich Bonhoeffer und anderen sowie Psalmworte des Alten Testaments.

Trotz der bisweilen schwierigen Verständlichkeit gewinnt der Text durch immer wieder eingestreute gesprochene Passagen an bedrückender Schärfe. Tröstlich sind vor allem die Passagen mit den Worten des Psalms. Letztlich dominiert jedoch die erdrückende Last der historischen Szene, die Gewissheit, dass Sophie und Hans in den nächsten Stunden sterben werden.

Trost finden beide in Gott, doch davon berichtet die Musik nur wenig; sie ist mit ihren harten, immer wieder unbarmherzig scharf gesetzten Schlägen so gnadenlos wie das Urteil des Volksgerichtshofs. Zimmermanns drei Jahre vor der Wende in zweiter Version vorgestelltes Werk zielt schonungslos aufs Zeitgeschehen von 1942/43, die Zeit nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad und die daraus für viele folgende Erkenntnis, dass der Zweite Weltkrieg nicht mehr zu gewinnen sei.

Wer solches auszusprechen oder gar zu propagieren wagte, war so gut wie tot. Die Bühne (Stephanie Thurmair), ein erdbraunes Schlachtfeld mit Leichen(?)hügeln, erinnerte an die Schlachtfelder von Verdun. In der schlüssigen Regie von Lukas Wachernig gelang den Protagonisten Sophie Mitterhuber und Liviu Holender stimmlich wie darstellerisch eine überzeugende Identifikation mit den von ihnen dargestellten Personen.

Weitere Vorstellungen im Rahmen von „Junges Gärtnerplatztheater“ gibt es am 20. und 22. März sowie am 10., 12. und 16. April, jeweils um 10.30 Uhr.

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