MyMz

Clubkultur

Erfrischend hart, stets erlesen

Wer in Regensburg eine Party mit Profil sucht, sollte es mal mit „Full A Vibez“ in der Suite 15 probieren.
Von Thomas Spitzer, MZ

Biomassa aus der Schweiz war Gast in der Reihe „Full A Vibez“.
Biomassa aus der Schweiz war Gast in der Reihe „Full A Vibez“. Foto: Yardcrime International

Regensburg.Pöbelnde Prolls, aufgetakelte Minderjährige und ein allseits präsenter Alkoholismus: Machen wir uns nichts vor – um die Regensburger Partykultur ist es schlecht bestellt.

In den vergangenen knapp zehn Jahren sah es immer wieder so aus, als würde eine „Partymeile“ entstehen. Immer wieder war die Rede von einer aufkeimenden „Kneipen-Szene“. Doch bis jetzt blieben die Versuche, regelmäßige Partyreihen zu etablieren, bei denen es eben nicht darum geht, sich möglichst schnell billigen Alkohol in den Schlund zu schütten oder, wie man an der Universität nach Klausuren so schön sagt, „die Reset-Taste“ zu drücken, und sich um halb drei auf irgendeinem Tisch zu „Jump Around“ zu blamieren, so selten wie hoffnungslos. Das mag zum einen am mangelnden Angebot liegen: Kaum ein Gastronom setzt sich wirklich damit auseinander, was man seinen Gästen jenseits von Billig-Alkohol so bieten könnte. Zum anderen liegt das eventuell an der mangelnden Nachfrage: Vielleicht wollen die meisten Partygänger wirklich nichts als den schnellen Rausch.

Heterogenes Publikum tanzt hier ab

Eine willkommene Abwechslung jedenfalls bietet – neben den „Loop Sessions“ in der Alten Mälzerei – „Full A Vibez“, die Veranstaltungsreihe des Regensburger Soundsystems Yardcrime International. Sie gastiert seit Herbst 2015 jeden zweiten Samstag im Monat im Wohnzimmer der Suite 15. Bei „Full A Vibez“ kommen regelmäßig zwischen 50 und 200 Gästen zusammen, um von 23 bis 4 Uhr zu jamaikanischer Reggae- und Dancehall-Musik zu tanzen. Dabei ist das Klientel denkbar heterogen: Von eingefleischten Reggae-Hörern, die man meist am ausladenden Haupthaar erkennt, über ältere Musikliebhaber, welche die opportunistischen Genre-Wechsel dahergelaufener Krawall-DJs überfordern, bis hin zu jungen Student*innen, die sich ausnahmsweise mal nicht im Geschmack, sondern im Raum verirrten, versammelt die vierköpfige Gang mit niederbayerischen Wurzeln all jene, für die zu einem guten Abend eben auch gute Musik gehört.

Das Internetmagazin „Zeitjung“ nennt Regensburg eine der unterschätzten Städte in Deutschland – und feiert sein Nachtleben: Lesen Sie hier

Auffallend dabei ist die Stilsicherheit und Authentizität, mit der Yardcrime International ihre Party an den Mann bringt. All zu groß wäre die Versuchung, genretypische Gassenhauer von Bob Marley über Seeed bis Major Lazer zum Besten zu geben und damit aus der Reserve zu kitzeln, was die exotische Kultur nur flüchtig und von der Punica-Werbung kennt. Das Regensburger Soundsystem hingegen lässt sich den Taktstock nie aus der Hand nehmen und bestimmt mit einer erfrischenden Härte, einer charmanten Moderation und stets erlesenen Gast-DJs den Spirit ihrer Party. Kurz: „Full A Vibez“ ist eine Veranstaltung, die – in Regensburg – ihresgleichen sucht. Da bleibt kein Tanzbein trocken.

Nächster Termin von „Full A Vibez“ ist am 9. April in der Suite 15.

Hier geht’s zur Kultur.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de jetzt auch über WhatsApp. Hier können Sie sich anmelden: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht