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Jubiläum

Erlesene Synergie von Musik und Ort

Ein spannendes Programm feierte die kleine Konzerttradition.
Von Andreas Meixner

Das Ensemble für Alte Musik La Sfera vor dem Regensburger Schottenportal  Foto: Andreas Meixner
Das Ensemble für Alte Musik La Sfera vor dem Regensburger Schottenportal Foto: Andreas Meixner

Regensburg.„Erloschen ist die Leuchte, die weit über Europa hin strahlte! Weine! Weine Wanderer! Doch mit Maß. Nicht ganz ist er der Totengöttin anheimgefallen. In seinem edleren Teil lebt er ewig, die Krone der Musik.“ Das Epitaph zu Ehren von Johann Rosenmüller in Wolfenbüttel schwelgt geradezu in der Erinnerung an einen bemerkenswerten Komponisten und Musiker, der über zwei Jahrzehnte in Venedig wirkte, erst als Posaunist an San Marco, später als Hauskomponist am Ospedale della Pietà. Bekannt ist bis heute seine geistliche Vokalmusik, sowie die bedeutende Sammlung von zwölf Sonaten für verschiedenstes Instrumentarium.

Das Ensemble für Alte Musik La Sfera beging in seinem 20. Konzert vor dem rätselhaften Portal der Regensburger Schottenkirche den 400. Geburtstag des Tonschöpfers aus dem Vogtland, umsäumt von erlesener Musik seiner nicht minder begabten Zeitgenossen. Darunter Claudio Monteverdi, Girolamo Frescobaldi, Giovanni Picci und zu Anfangs Marco Uccellini, mit dessen Aria Quinta sopra „La Bergamasca“ für zwei Violinen und Basso continuo das Konzert stilvoll auf einem profunden Bass-Ostinato eröffnet wurde. Überhaupt hat sich das Ensemble für das kleine Jubiläum schick gemacht, überzeugt über den ganzen Abend nicht nur mit einem feingestrickten Zusammenspiel, sondern auch mit technisch blitzsauberer Artikulation. Musik als Klangrede – diese weitreichende Begrifflichkeit des musikalischen Form- und Gestaltungsprinzips zelebrieren die vier Instrumentalisten in diesen zwei Stunden mit hoher Intensität und Leidenschaft, zudem in neuer Besetzung an der 2. Violine (Ophelia Flassig).

Dazu gesellt sich die Sopranistin Mechthild Kiendl, die sich mit viel Energie den hohen Anforderungen von Monteverdis Marienklage „Pianto della Madonna“ stellt, später mit eleganter Stimmgebung den Abend mit Rosenmüllers Konzert „Das ist meine Freude“ beendet. Dazwischen kaum bekannte Werke und Sonaten, teils in solistischer Besetzung. Fred Flassig brilliert dabei ebenso mit seinem souveränen Gambenspiel wie Hans Pritschet am Cembalo. Claudia Böckel vermochte einmal mehr mit ihrem wohl durchdachten Gestaltungswillen an der Barockvioline zu überzeugen, besonders in der Sonata Terza à 2 d-moll aus der Feder des Jubilars Rosenmüller.

Gepaart mit dem stimmungsvollen Ort der prall gefüllten Vorhalle des Schottenportals entstanden Momente großer Dichte und Beseeltheit. Das kammermusikalische Kleinod ist es, das die musikalische Kulturlandschaft der Stadt so immens bereichert. Daran hat der alljährliche Termin am Vorabend von Mariä Himmelfahrt seinen großen Anteil.

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