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Erstaunliches aus Schierling

Von Gerhard Heldt, MZ

REGENSBURG/SCHIERLING. Seit Kunibert Schäfer, Professor für Dirigieren und Chorleitung an der Kirchenmusikhochschule, 1990 den Kirchenchor von St. Peter und Paul übernahm, ist staunend zu konstatieren, dass in Schierling außerordentliche Konzerte zu erleben sind. Jüngstes Beispiel der Erfolgsgeschichte des Chores war nach den „Jahreszeiten“ nun Haydns „Schöpfung“.

Harte professionelle Arbeit

Chöre, die Werke dieser Kategorie in Angriff nehmen und bravourös bewältigen, sind in Orten mit rund 7000 Einwohnern eine absolute Ausnahme, stets aber Ergebnis harter professioneller Arbeit, verbunden mit dem ehrgeizigen Willen, das Besondere zu leisten. Zur „Schöpfung“ hatten sich die Schierlinger den Chor der Dompfarrkirche Niedermünster hinzu geholt – eine gelungene Symbiose.

Die Aufführungen – am Samstag im Niedermünster, am Sonntag in Schierling – waren sehr gut besucht. In Regensburg hatte Alois Späth die Bass-Partie übernommen, in Schierling sang sie Achim Hoffmann. Die Prager Philharmoniker KSO waren kundig-einfühlsam gestaltende Begleiter.

Rund, voluminös, klangschön

Die vorwiegend für Sportveranstaltungen gebaute Mehrzweckhalle in Schierling ist baulich wie akustisch kompromisslos nüchtern. Die Ausführenden trotzten der trockenen Akustik mit hingebungsvollem Einsatz, und ein paar bunte Bänder symbolisierten die Buntheit der Schöpfung, die es zu erhalten gilt.

Die instrumentale Einleitung (Vorstellung des Chaos) gelang trotz einiger Wackler stimmig. Nach leicht hauchigem Beginn fand der knapp 100köpfige Chor – trotz des Übergewichts an Frauenstimmen homogen im Klang – schnell zu geschlossener Leistung: rund und voluminös im Forte, klangschön tragend in den leiseren Stellen; Artikulation und Diktion waren vorbildlich gearbeitet.

„Der Nachtigallen süße Kehle“

Herausragende Solistin war Mechthild Kiendl, deren strahlend aufblühender Sopran über dem Orchester schwebte und „der Nachtigallen süße Kehle“ Realität werden ließ. Ihr am nächsten kam Johannes Klüser mit leicht ansprechendem, schlank geführtem, lyrisch ausschwingendem Tenor.

Ein Bariton hat es mit der Bass-Partie so schwer wie ein Bass, denn Haydn verlangt eine sowohl höhen- wie tiefenmächtige Stimme. Achim Hoffmann gelang es als dunkel gefärbtem Bariton „mit Höhe“, auch die tiefer liegenden Abschnitte überzeugend zu gestalten. Schäfer musizierte „Die Schöpfung“ als Vermächtnis des tief gläubigen Haydn, der sagte: „Nie war ich so fromm als bei der Komposition der Schöpfung“. Es gelang ihm eine Aufführung von hohem künstlerischen Rang.

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