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Klassik

Extreme Gegensätze ausgekostet

Das Brentano String Quartet gastierte beim Musikverein Regensburg, im Zentrum: Ein Streichquartett von Mario Davidovsky.
Von Claudia Böckel

Das Brentano String Quartet gastierte beim Musikverein RegensburgFoto: Ch. Steiner/Musikverein
Das Brentano String Quartet gastierte beim Musikverein RegensburgFoto: Ch. Steiner/Musikverein

Regensburg.Das Brentano String Quartet kommt aus USA, genauer gesagt aus New York. Zum zweiten Mal war es beim Musikverein in Regensburg zu Gast. Besonders am Herzen liegt den vier MusikerInnen Mark Steinberg, Serena Canin, Misha Amory und Nina Maria Lee die zeitgenössische Musik. Das Streichquartett des argentinisch-stämmigen Komponisten Mario Davidovsky war denn auch der Höhepunkt des Konzertes.

Davidovsky, 1934 geboren, studierte in USA, war Schüler Aaron Coplands, entwickelte Interesse für elektronische Musik. 1971 bekam er für eine seiner Kompositionen den Pulitzerpreis für Musik verliehen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt zwar auf dem Gebiet der elektronischen Musik, aber es gibt auch fünf Streichquartette.

Das vierte aus dem Jahr 1980 kam hier zu Aufführung und überzeugte mit seinen breit gezogenen Klangräumen, mit den klanglichen Verstärkungseffekten durch unisono-Spiel, mit einem Ende fast in der Unhörbarkeit. Extreme Gegensätze finden hier zusammen, nicht dialogisierend, sondern in Extrempositionen gegenübergestellt. Begriffe wie kantig und glatt, zerrissen und still, unruhig und bewegungslos fallen einem dazu ein und lassen Denkräume entstehen. Der Primarius sagt zu diesem Stück: „Es sucht und findet einen Raum, in welchem dieses labile Gemisch von Zuständen vibrieren und pulsieren kann.“ Äußerst konzentrierte Musik war das, in all ihren Facetten ausgelotet von den Interpreten.

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Mozarts Dissonanzenquartett bestach in der ebenfalls sehr konzentrierten Einleitung, die mit für die Zeit - 1785 - unglaublich modern anmutenden Akkorden einsetzt. Insgesamt setzte man auch bei Mozart auf analytische Spielweise, was allerdings manchmal etwas affektiert geriet, wohlgemerkt, nicht affektgeladen. Primarius Mark Steinberg verwendete ein sehr opulentes Vibrato, das nicht so recht zum Spielstil der anderen, vor allem der schlank agierenden Cellistin passen wollte.

Ausgewogen und rund interpretierte man dann noch Brahms´ Streichquartett op. 51,1. Auch hier war der Ansatz durchaus analytisch, klar gegliedert und intensiv. Nicht die große klangliche Opulenz stand im Vordergrund, sondern die dunklen Farben, besonders in der melancholischen Romanze. Die Zugaben erstaunten: Musik von Monteverdi und Josquin, in der Bearbeitung für Streichquartett, in der Tongebung wie Brahms. Das mag man wohl in USA, in Europa weniger.

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