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Konzert

Fanfaren eröffnen neue Saison

Den Auftakt der Odeon-Konzerte gestalteten die Festival Strings Lucerne sowie Hornist Felix Klieser.
Von Gerhard Dietel

Felix Klieser und die „Festival Strings Lucerne“ musizieren bei der Eröffnung der neuen Odeon-Saison Hornkonzerte Mozarts Foto: Dietel
Felix Klieser und die „Festival Strings Lucerne“ musizieren bei der Eröffnung der neuen Odeon-Saison Hornkonzerte Mozarts Foto: Dietel

Regensburg.Der Solist betritt das Podium, nimmt Platz, streift die Schuhe ab und führt den linken Fuß an die Ventile seines Instruments, das vor ihm auf einem Stativ fixiert ist. Auch wenn man den ohne Arme geborenen Hornisten Felix Klieser im Rahmen der „Museumsserenaden“ schon einmal in Regensburg erlebt hat, ist man beim Saison-Auftakt der „Odeon“-Konzerte“ im Regensburger Audimax erst einmal wieder von diesem ungewohnten Anblick fasziniert und abgelenkt.

Es braucht einige Zeit, bis es einem gelingt, sich ganz von der Optik zu lösen und sich auf Kliesers Musizieren zu konzentrieren. Gleich zweimal darf ihn das Publikum erleben: In den beiden Es-Dur-Hornkonzerten Nr. 2 und Nr. 4, die Wolfgang Amadeus Mozart einst als künstlerische Herausforderung für seinen Freund Joseph Leutgeb komponierte. Als Triumph des Willens über die vermeintlich unzulänglichen Mittel kann man es bezeichnen, was Felix Klieser bei der Interpretation dieser beiden Konzerte dem Audimax-Publikum bietet.

Einen sanften Klangteppich rollen ihm die begleitenden Festival Strings Lucerne aus, wenn er solistisch hervortritt, Töne ganz weich ansetzt, dann schwellen lässt und anschließend zu größeren melodischen Bögen entfaltet. Zum Höhepunkt in dieser sanglichen Richtung des Hornspiels wird die „Romanze“ aus Mozarts Konzert Nr. 4, die wie ein traumhaft weltentrückter Gesang die Hörer verzaubert, so dass man schier das Atmen vergessen möchte.

Virtuose Hornpassagen

Doch andernorts, in den schnellen Sätzen gibt es auch höchst virtuose Hornpassagen zu erleben, in denen es Felix Kliesers Spiel mit der Beweglichkeit eines Koloratursoprans aufnehmen kann. Dann wieder, nämlich in Mozarts Final-Rondos, lässt Klieser den Signal- und Jagdcharakter seines Instruments in den Vordergrund treten: schärfer, geradezu knatternd erschallt hier sein Horn in munteren Fanfarentönen.

Ihre interpretatorische Klasse beweisen die Festival Strings Lucerne bereits hier, jedoch noch deutlicher mit ihren eigenen, den Abend umrahmenden Programmbeiträgen. Im Stehen (bis auf die Cellisten) musizieren sie, dirigentenlos und nur vom ersten Violinpult aus durch Daniel Doods sanft gelenkt. Elegisch, doch sich bald mit klanglicher Intensität aufladend formen sie eingangs das „Präludium“ aus der Suite für Streicher op. 1 des dänischen Komponisten Carl Nielsen, lassen im folgenden „Intermezzo“ grazil dahinschwebende, doch auch einmal kräftiger aufstampfende Walzer-Wendungen vernehmen, und entwickeln viel Vorwärtsdrang im beschließenden „Allegro con brio“.

Ebenso charmant wie brillant wirkt später die Interpretation von Mozarts 1774 entstandener Sinfonie Nr. 29 in A-Dur KV 201. Wie auf Samtpfoten eintretend lassen die Streicher der Festival Strings Lucerne die Anfangstakte des Werks erklingen, bevor sie erste Forte-Akzente setzen und ihr graziles, kammermusikalisch zurückhaltendes Spiel mit kraftvollen, durch Hörner und Oboen verstärkten Tutti abwechselt.

Temperamentvoller Ausklang

Im sanften Schlenderschritt hebt nach dem Kopfsatz Mozarts „Andante“ an, bevor ein leicht tänzelndes, dann schnell an rhythmischem Profil gewinnendes „Menuetto“ folgt. Wie ein ausgelassenes, bacchantisches Fest wirkt das Finale, in dem die Musikerinnen und Musiker des Orchesters geradezu überschäumende Energien entwickeln. Viel Beifall des Publikums im Audimax gibt es für die Leistungen aller Ausführenden, die zum Dank dafür mit Zugaben nicht geizen.

Den Signalcharakter des Horns unterstreicht Felix Klieser abermals in Gioacchino Rossinis „Le rendez-vous de chasse“, und die „Festival Strings Lucerne“ lassen den Abend nach einer kurzen Mozart-Sinfonie-Zugabe betont temperamentvoll ausklingen: mit den ganz deftig im Vollklang der Streichinstrumente dargebotenen drei letzten „Rumänischen Tänzen“ Béla Bartóks.

Ausblick

  • Beethoven-Jahr:

    Mit der fesselnden Kreutzersonate feiert Odeon Concerte den 250. Geburtstag Beethovens. Einer der berühmtesten und beliebtesten Schauspieler Deutschlands, Sebastian Koch, liest aus Tolstois legendärer Novelle „Kreutzersonate“.

  • Termin:

    Das Konzert findet am Dienstag, 19. November, 20 Uhr, im Audimax der Universität Regensburg statt.

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