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Musik

Feinfühlige Songs in vielen Sprachen

Mit mehreren Zugaben beendet das Florian-Peters-Trio in der MZ-Kantine vor begeisterten Zuhörern seine aktuelle Tour.
Von Michael Scheiner

Ein eingespieltes Trio: Schlagzeuger Roland Duckarm (links), Bandleader Florian Peters (vorn) und Bassist Gunther Rissmann Foto: Scheiner
Ein eingespieltes Trio: Schlagzeuger Roland Duckarm (links), Bandleader Florian Peters (vorn) und Bassist Gunther Rissmann Foto: Scheiner

Regensburg.„Florian Peters ist ein Familienunternehmen…“, stichelt Roland Duckarm, „als nächstes vertont er die Briefe seiner Mutter!“ In der Kantine des Verlagshauses der Mittelbayerischen Zeitung überbrückte der Schlagzeuger des Florian Peters Trios die Zeit mit kleinen Geschichten aus dem Bandleben, wenn der Namensgeber seine Gitarre stimmen musste. Bei einigen Songs, welche das Trio an dem entspannten Abend vorstellte, hatten der Vater und die Schwester des Bandleaders Texte beigesteuert. Das nahm Duckarm zum Anlass, um ein wenig zu frotzeln und Peters zu fragen, ob denn seine Mama auch schon Texte geschrieben habe, die er dann in seinen Liedern verarbeitet habe.

„Brotherly Love“, Bruderliebe, hat der Gitarrist und Sänger den zärtlichen Schwestern-Song genannt, der auf „11 Waves“ enthalten ist, dem aktuellen Album der Band. Es ist eine Liebeserklärung, die Peters mit sonorer Baritonstimme in eine warme, samtweiche Stimmung tauchte. Mit Liebesliedern, erzählte er, habe er es „sonst nicht so“.

Text von junger Dichterin

Dennoch ist auch in „Tell Me“ deutlich von nächtlichem Liebeswerben die Rede. Dazu muss man wissen, dass der Text dieses sanften, poppigen Liedes auch nicht aus Peters eigener Feder, sondern von einer jungen Dichterin stammt. Die hatte er während eines Jobs in einem Regensburger Cafe kennengelernt. Weil sie wollte, dass ihr Gedicht zu den Leuten kommt, habe sie ihm „angeboten es zu vertonen“.

Die weitaus meisten Lieder des Best-of-Programms aber hat Peters selbst geschrieben. Sie handeln von Erfahrungen, die er auf Reisen gemacht hat, von schmerzlichen Erlebnissen, Zweifeln und von tiefen menschlichen Fragen, mit denen sich der Musiker immer wieder beschäftigt. Meist singt er auf englisch, gelegentlich auch auf französisch, italienisch oder deutsch, wenn er fragt „Sind das wir?“.

Musikalisch versieht er diese anrührenden und bewegenden Texte mit schönen Melodien, die mal lateinamerikanisch-beschwingt, melancholisch-swingend oder als satte, angeraute Bluesnummern daher kommen. In gewisser Weise ist die Musik, die alle Versuche einer klaren Einordnung selbstbewusst durchkreuzt, ein Bild davon, was Peters erlebt hat und was ihn heute ausmacht.

Harmonische Raffinesse

Neben Peters, der akustische Gitarre und E-Piano spielt, und dem traumhaft unaufdringlichen Drummer rundet Bassist Gunther Rissmann das Trio ab. Mit ihm erlebte das aufmerksame und spürbar dankbare Publikum eine kleine Premiere in der rundum verglasten Kantine. Beim pathetischen, vom Klavier geprägten „Sind das wir?“ griff Rissmann zur elektrischen Bassgitarre, „erstmals bei einem Liveauftritt“, wie er betonte. Sonst bevorzugte er meist den warmen Klang des Kontrabasses, den er mit viel Feingefühl und harmonischer Raffinesse bearbeitete.

In etlichen Liedern betätigen sich Peters Musiker-Kollegen auch als Sänger, indem sie Refrains mitsangen und die Musik damit noch ein klein wenig zugänglicher erscheinen ließen. Dazu trug auch der Tontechniker seinen Teil bei, der in dem akustisch schwierigen Raum für einen hervorragend ausbalancierten Sound sorgte.

Zwischen die Songs setzte Peters ein paar wenige Instrumentals und schuf damit Raum für Soli von Rissmann und Duckarm, den diese eindrucksvoll zu nutzen wussten. Nach einer alten Freunden gewidmeten Ballade brandete begeisterter Beifall auf und signalisierte den leicht erschöpften, aber beglückten Musikern, dass noch lange nicht Schluss sein kann.

Mit dem herrlich selbstironischen „Nice Guy“ und einer weiteren Zugabe verabschiedete sich das Trio in die schon länger geplante kreative Pause vom Livebetrieb. Peters wird sein Projekt aber weiter intensiv vorantreiben. Er habe bereits viele neue Ideen, verriet der vielseitige Instrumentalist, Komponist und Sänger, wann aber daraus ein neues Album werden, könne er derzeit noch nicht sagen.

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