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Kirchenkonzert

Feinste dynamische Differenzierungen

„Calme des nuits“: Der Kammerchor der Chorphilharmonie Regensburg überzeugte in der Neupfarrkirche durch Homogenität und präzise gesetzte Akzente.
Von Gerhard Heldt

Rund 30 Sänger und Sängerinnen aus Regensbug, Nürnberg und München haben sich im Kammerchor vocapella zusammengefunden und präsentieren A-capella-Werke auf hohem Niveau..

Regensburg.2009 gründete Horst Frohn, Leiter der Chorphilharmonie Regensburg, den Kammerchor vocapella. Knapp 30 Sängerinnen und Sänger mit meist professioneller Stimmbildung aus den Räumen Regensburg, Nürnberg und München singen regional und überregional A-capella-Programme mit Musik von der Renaissance bis zur Gegenwart. Ob neben dem Vokalensemble Cantabile und dem Regensburger Kammerchor hier ein weiterer Kammerchor sein Publikum finden kann, sollte das gut besuchte Konzert am Sonntagnachmittag in der Neupfarrkirche erweisen.

Die vorgestellten Werke erfordern, sofern es um solche der Romantik und Spätromantik geht, in erster Linie hohe chorische Qualitäten wie Homogenität im Klang, Textverständlichkeit und feinste dynamische Gestaltung, präzise gesetzte Akzente. Diese Anforderungen erfüllte der Chor in Chorsätzen von Johannes Brahms, Max Reger, Hugo Wolf, Jean Sibelius, Camille Saint-Saëns und Joseph Rheinberger auf hohem Niveau. Wenn bei Hugo Wolfs „Einkehr“ und „Resignation“ Irritationen, was die Intonationssicherheit des Chores angeht, entstanden, liegt das an der äußerst schwer zu singenden harmonischen Faktur der Chorsätze. Ganz in seinem Element war der Chor dort, wo er seine Stärken einbringen konnte: klangliches Volumen bei homogenem, durchhörbarem Klangbild, klare Diktion und dynamisch feinste Differenzierungen vom Pianissimo bis zum Fortissimo (Brahms „In stiller Nacht“).

Die Neupfarrkirche bietet für Chöre dieser Größenordnung eine geradezu ideale Akustik. Sie trug ihren Teil zum Gelingen des Konzerts bei, denn hier konnten sich die vier- und mehrstimmigen Chorsätze bestens entfalten.

In „Aftnen er stille“ („Abend ist immer noch“) der schwedischen Komponistin Agata Backer-Grøndahl (1847-1907), das für den zweiten Vers ein Solistenquartett erfordert, überwog der ausgewogene Gleichklang zwischen Soli und Chor. Die Zeitgenossen Goffredo Petrassi (1904-2003) und György Ligeti (1923-2006) zeigten ihren individuellen Standort im Musikleben der Nachkriegszeit. Petrassis „Nonsense“ schildert mit Auf- und Abwärts-Glissandi die Instabilität seines Jahrhunderts.

Ligetis „Nacht“ setzt auf die Kraft des durchgehenden Rhythmus ebenso wie auf Schlichtheit im Satz unter Beibehaltung komplizierter Rhythmen. Joseph Rheinbergers dreistrophiges „Abendlied“ „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ op. 69,3 wurde geradezu zelebriert. Das titelgebende Werk „Calme des nuits“ von Camille Saint-Saëns ging neben anderen gewichtigeren Kompositionen etwas unter. Der Chor hatte seine stärksten Momente im romantischen Bereich, konnte aber auch bei der zeitgenössischen Chorliteratur punkten. Zum Schluss sang er zusammen mit den Zuhörern die zum Volkslied gewordene Vertonung „Der Mond ist aufgegangen“ (Text von Matthias Claudius) von Johann Abraham Peter Schulz. Als Zugabe hatte man „Waldesnacht, du wunderkühle“ (Text Paul Heyse) von Johannes Brahms gewählt.

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