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Gastland Frankreich

Filme mit Handschrift

Heimspiel 4 zeigt: Das französische Kino ist mehr als „Ziemlich beste Freunde“ oder „Amelie“.

Eine Filmszene aus „Holy Motors“ von Leos CaraxFoto: dpa

Regensburg. Komödien aus Frankreich genießen nach wie vor eine ungeheuere Popularität. „Willkommen bei den Sch’tis“ wurde mit über 20 Millionen Kinobesuchern zum Überraschungserfolg und ist seither der erfolgreichste französische Film – womit er in die Fußstapfen von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ getreten ist. Auch das sensationelle Ausmaß der Begeisterung über „Ziemlich beste Freunde“ ist bekannt. „Dass der Oscartriumphator ,The Artist‘ auch von Franzosen stammt, wäre dabei fast untergegangen“, sagt Festivalleiter Sascha Keilholz. Der Erfolg und die hohe Popularität der französischen Blockbuster habe eben auch eine Schattenseite. Deutsche Multiplex-Kinos abonnieren Stars wie Jean Reno und die Programmkinos Topseller wie Filme mit Catherine Deneuve. Für innovative Filmperlen bleibe da nicht mehr viel Platz. Gerade „Ziemlich beste Freunde“ habe „den ein oder anderen Kinostart 2012 zu Grabe getragen“, sagt Sascha Keilholz.

Dabei wäre dem französischen Kino weitaus mehr abzugewinnen, hat es sich doch in den letzten Jahrzehnten rundum erneuert. „Die Nouvelle Vague ist endgültig passé, das Starkino der 60er bis 80er Jahre ebenfalls“, so der Festivallleiter. Dafür verbinde sich heute hochqualitative Genrekost mit pulsierendem, innovativem Autorenkino.

In Frankreich ist der Film anerkannte Kunstform, die Produktionen werden von staatlicher Seite geschützt und unterstützt. Das Kino ist weniger abhängig vom Fernsehen als in Deutschland. In dieser Kinolandschaft entstehen Filme, die sich nicht eindeutig in Mainstream oder Arthaus einteilen lassen. Regisseure wie Xavier Beauvois („Eine fatale Entscheidung“), Jacques Audiard („Ein Prophet“) und Olivier Marchal („36 – Tödliche Rivalen“) drehen herausragende – mal mehr, mal weniger klassische –, immer spannende und in ihrer Handschrift unverkennbare Filme. „Diese Autorenfilme im Bereich etwa des Thrillers und Actionfilms sind hierzulande undenkbar“, mein Keilholz. Radikalen Filmemachern wie Bruno Dumont (L’Humanité) oder Claire Denis (Chocolat) bietet das Filmfestival in Cannes oft eine Plattform und damit eine reelle Chance im kommerziellen Betrieb.

Hierzulande laufen fast alle Filme der genannten Regisseure peripher oder gehen direkt in die Videotheken. Manche erscheinen gar nicht. „Das Heimspielfestival will die Möglichkeit bieten, sich mit diesem sehenswerten und bei uns wenig vertrauten Kino bekannt zu machen“, sagt Keilholz.

Am 22. November startet um 21 Uhr das Heimspiel 4 im Ostentorkino mit dem französischen Ausnahmefilm „Holy Motors“. Neben deutschsprachigen und internationalen Highlights steht in diesem Jahr das Gastland Frankreich im Fokus des Regensburger Filmfests. Am 28. November findet im Anschluss an die Vorführung von Olivier Marchals „Les Lyonnais“ im Kino Wintergarten eine Gesprächsrunde in der Kinolounge statt. Matthias Leitner vom Zündfunk des BR und Michael Fleig von der Regensburger Kurzfilmwoche werden mit Frédéric Jaeger, Chefredakteur von critic.de, über Genrekino in Frankreich und Deutschland diskutieren.

www.heimspiel-filmfest.de

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