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Werkschau

Filme mit Hypnose-Wirkung

Am Mittwoch beginnt die Kurzfilmwoche. Takashi Makino ist international einer der interessantesten Experimentalfilmer.
Von Fred Filkorn

Er versuche, alle japanischen Trends in seiner Filmkunst zu ignorieren, sagt der japanische Experimentalfilmemacher Takashi Makino. Er kommt am Sonntag, 17. März, 21 Uhr, ins Kino Wintergarten im Andreasstadel. Foto: Takashi Makino
Er versuche, alle japanischen Trends in seiner Filmkunst zu ignorieren, sagt der japanische Experimentalfilmemacher Takashi Makino. Er kommt am Sonntag, 17. März, 21 Uhr, ins Kino Wintergarten im Andreasstadel. Foto: Takashi Makino

Regensburg.Ihr Film „On Generation and Corruption“ wirkt wie eine sich stetig fortentwickelnde Bilderreise durch das Blutzirkulationssystem in die Tiefsee, vom Weltall in einen Schneesturm. Was war Ihre Idee dahinter? Was bedeutet der Titel?

Der Titel stammt von einem gleichnamigen Buch von Aristoteles, das mich sehr inspiriert hat. Dieses wunderbare Buch besteht aus umsichtigen Beobachtungen zu verschiedenen Naturphänomenen. Seine Gedanken waren nicht korrumpiert von Religion oder ähnlichem, sondern erfüllt von reiner Poesie. In diesem Film versuche ich, dem Zyklus des Lebens näherzukommen: Etwas verschwindet in der Dunkelheit des Nichts, etwas anderes wird gleichzeitig neu geboren. Das Leben ist wunderschön, aber auch grausam.

Ihre Filme sind perfekt geeignet, um die Zuschauer in einen meditativen Zustand zu versetzen. Meditieren Sie selbst?

Ich meditiere nicht wie ein Buddhist. Da Meditation für mich eine sehr natürliche Angelegenheit ist, missfällt mir die bewusst hergestellte Situation einer Yogasitzung. Ich kann jederzeit und überall meditieren, so eine Art Freestyle-Meditation. Ich vertraue einfach meinem Sinn für Poesie und folge ihm. Um mich auf meine Kunstprojekte konzentrieren zu können, meditiere ich und erstelle Collagen. Das ist meine Art, eine Verbindung zur Welt herzustellen.

Schauen Sie sich auch konventionell erzählte Filme mit einer Story an? Haben Sie einen Lieblingsregisseur?

Ich schaue mir jede Art von Film an, im Jahr über 500 Stück. Am liebsten sind mir solche, die schwer einzuordnen sind. Ich liebe die frühen Filme von Derek Jarman, Andrei Tarkovsky, Chris Marker, Ozu, Mizoguchi, Godard, Tony Conrad und viele mehr. Zurzeit sehe ich am liebsten Filme von Regisseuren aus meiner Generation: Bertrand Mandico, Ben Russell, Laida Lertxundi, Basma Alsharif, Rei Hayama und einige mehr. Sie probieren neue Dinge aus und mir gefällt ihre herausfordernde Art.

Takashi Makino und das Japan-Programm

  • Vita:

    Takashi Makino graduierte am Nihon University College of Art in Tokio in Filmwissenschaften und Tontechnik, bevor er ab 2001 in London bei den amerikanischen Stop-Motion-Künstlern Stephen und Timothy Quay Film, Musikkomposition und Beleuchtung studierte. Praktische Erfahrungen sammelte er anschließend als Kolorist bei diversen Filmprojekten und Musikvideoproduktionen. 2004 begann er eigene Arbeiten zu veröffentlichen.

  • Werk:

    Makinos Werk steht in der Tradition von Avantgarde-Künstlern wie Jordan Belson und Stan Brakhage, die ihre abstrakten Animationen noch mit handwerklichen Methoden realisierten. Mit mehrfachen Schichtungen, erhöhten Frame Rates und digitalen Übertragungen bringt er die Digitaltechnologie an die Grenze ihrer derzeitigen Möglichkeiten. Der 40-jährige Makino, der wieder in Japan lebt, hat auf zahllosen Filmfestivals wie Rotterdam, Hamburg und Moskau Preise gewonnen. Seine Arbeiten waren auf der documenta in Athen, in der Whitechapel Gallery in London und im New Yorker MoMA zu sehen.

  • Kurzfilmwoche:

    In Kooperation mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Regensburg gibt es im W1 eine Ausstellung zur japanischen Kultur, einen Vortrag zu japanischer Pop- und Medienkultur von Dr. Herbert Schwaab am Montag, 18. März, 19 Uhr, im W1-Café und eine Karaoke-Party am Montag, 18. März, 23 Uhr, in der Filmgalerie. Der Workshop „Tee und Zen“ ist bereits ausgebucht. Der Länderschwerpunkt Japan wird am Samstag, 16. März, um 17.30 Uhr im W1 mit japanischen Snacks und Fingerfood eröffnet.

Sie sind in Grenzbereichen zu anderen Künsten unterwegs. Warum ist der Film Ihr Hauptbetätigungsfeld?

1997 begann ich, Filme zu drehen. Die Entscheidung war naheliegend, da ich Film nun einmal liebe. Noch während meiner Zeit als Filmstudent in Tokio entwickelte ich jedoch auch Leidenschaft für andere Künste: Bild-Collagen, Installationen, Musik. Disziplinen, die eine innere Verbindung zum Film haben. Für mich ist das Filmemachen allerdings die umfassendste Kunst, weil sie es uns ermöglicht, über die Konstruktion von Bild, Sound und Zeit immer wieder neu nachzudenken.

Sind Ihre Filme typisch japanisch?

In meinem filmischen Ausdruck verwende ich weder Sprache noch irgendeine menschliche Interaktion, auch keine Referenzen an Geschlecht oder Religion. Verweise auf staatliche Zugehörigkeit interessieren mich nicht. Mit meiner Filmkunst will ich die Mauer der Nationalität und des Rassismus überwinden, die versucht, uns zu trennen. Wenn ich etwas über Japan und mich sagen müsste, wäre es, dass ich alle japanischen Trends in Film und Kunst zu ignorieren versuche. Wenn Sie das anders sehen, dann teilen Sie es mir bitte mit! Das interessiert mich, denn letzten Endes kann ich ja meinem Japanisch-Sein nicht entfliehen.

„Ich kann jederzeit und überall meditieren, so eine Art Freestyle-Meditation.“

Takashi Makino

Warum ist der Kurzfilm die passende Form für Ihre künstlerischen Ambitionen?

Wenn ich einen Film mache, ist mir der körperlich wahrnehmbare Sinneseindruck enorm wichtig. Ich schneide und kontrolliere, schneide und kontrolliere, sehr viele Male. Und vertraue dabei voll und ganz meinem eigenen Gespür für körperliche Wahrnehmung. Die Länge eines Films kommt dabei ganz selbstverständlich zustande. Die meisten meiner Filme haben eine Länge von 20 bis 30 Minuten. Erst kürzlich habe ich meinen ersten Langfilm realisiert, Memento Stella.

Wer oder was beeinflusst Sie beim Filmemachen?

Naturereignisse, Kunst, Musik, Literatur, Träume, Tiefenpsychologie und natürlich meine Freunde.

Sie arbeiten regelmäßig mit Musikern zusammen, darunter etwa der namhafte amerikanische Experimentalmusiker Jim O’Rourke, der gegenwärtig in ihrer Heimatstadt Tokio lebt. Warum gehen Sie diese Kooperationen ein?

Normalerweise mache ich die Musik zu meinen Film selbst. Manchmal fällt mir aber auch nichts ein oder ich habe keine Lust, dann frage ich befreundete Musiker. Ich lasse ihnen dabei vollkommen freie Hand. Sie können tun und lassen, was sie wollen. Die Ergebnisse sind oft überraschend und verleihen den Bildern ein ganz neues Feeling. Manchmal möchte ich aber auch Abstand zu meinen Arbeiten gewinnen: Ich möchte sie dann nicht mehr kontrollieren und ihnen ihre Freiheit lassen. Die Musik ändert den Ausdruck eines Filmes jedenfalls gewaltig. Ich habe im Lauf der Jahre mit den verschiedensten Musikern zusammengearbeitet und viel von ihnen gelernt.

Hier finden Sie ein Porträt von Festival-Chefin Insa Wiese, die bei der 25. Internationalen Kurzfilmwoche auch ein persönliches Jubiläum feiert.

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