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Filmgeschichte, neu erfunden

Zur Regensburger Kurzfilmwoche gibt es Ausstellungen, Workshops und einen Vortrag. Das Thema „Starke Frauen“ steht im Fokus.
Von Katharina Kellner

So könnte das offizielle Filmplakat von „Snow White“ aussehen, hätte eine Frau den Film gemacht: Es zeigt ein androgynes Schneewittchen mit ihren Zwerginnen. Die Ausstellung mit alternativen Filmplakaten hat Michael Fleig, Organisator der Kurzfilmwoche, aus Spanien nach Regensburg geholt. Foto: Kellner
So könnte das offizielle Filmplakat von „Snow White“ aussehen, hätte eine Frau den Film gemacht: Es zeigt ein androgynes Schneewittchen mit ihren Zwerginnen. Die Ausstellung mit alternativen Filmplakaten hat Michael Fleig, Organisator der Kurzfilmwoche, aus Spanien nach Regensburg geholt. Foto: Kellner

Regensburg.Das große Paket im Büro der Kurzfilmwoche im Leeren Beutel sieht ganz harmlos aus. Als Michael Fleig, Organisator der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg die Sendung auspackt, kommt nicht weniger zum Vorschein als die Neuerfindung der Filmgeschichte.

Michael Fleig war kürzlich beim Partner-Filmfestival im spanischen Alcine, dem „Festival de Cine de Alcalá de Henares“. Dort sah er die Ausstellung „Alice Guys Töchter“. Sie zeigt alternative Filmplakate, die sich mit der Frage beschäftigen, welche Filme herausgekommen wären, hätten Regisseurinnen sie gemacht. Die Illustratorinnen der Plakate spielten mit der Idee, Filmklassikern aus verschiedenen Epochen wie „Die zwölf Geschworenen“ („Twelve angry man“) oder „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ nachträglich eine weibliche Handschrift unterzujubeln. Die verheißt mehr Vielfalt: Fleig zeigt ein Plakat mit androgynem Schneewittchen und Zwerginnen.

In unserer Map haben wir das Programm der Kurzfilmwoche zusammengestellt:

Fleig erklärt, warum er die Plakate nach Regensburg holte: „Die leichten Veränderungen schaffen ein Bewusstsein dafür, dass der Weg, den die Filmgeschichte eingeschlagen hat, nicht zwingend war. Es hätte auch anders laufen können, wären die sozialen Umstände und Machtverhältnisse andere gewesen.“ Der Titel der Ausstellung „Alice Guys Töchter“ spielt auf Alice Guy-Blaché an, die erste Regisseurin. Ihr erster Film, La Fée aux Choux (1896) war einer der ersten fiktionalen Filme überhaupt. Guy-Blaché drehte eine beachtliche Zahl von Filmen. Ihre Pionierleistung war jedoch lange Zeit vergessen worden, weil männliche Filmhistoriker ihre frühen Filme Männern zuschrieben. In der bis heute von Männern dominierten Filmbranche ist Guy-Blaché damit nicht alleine.

„Auch Jungs können Prinzessin“

Zum Festivalthema „Starke Frauen“ passt auch der zweite Teil der Ausstellung im W1-Kulturzentrum. „Pink stinkt! Echt jetzt?“ zeigt politische und hintergründig-witzige Foto-Statements zu Rollenklischees und Sexismus. Ein Foto zeigt Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Regensburger Bürgermeisterin und Schirmpatin der Kampagne. „Auch Jungs können Prinzessin“, hat sie auf ihre pinke Sprechblase geschrieben. Ein Mann mit Baby auf dem Arm verkündet: „Auch Papa wechselt die Windel.“ Die Fotos entstanden im Rahmen der Jahreskampagne „Uns geht’s ums Ganze“, initiiert vom Amt für kommunale Jungendarbeit der Stadt Regensburg in Kooperation mit dem Verband für Popkultur in Bayern.

Der dritte Teil der Ausstellung „The Knits“ ist der kanadischen Künstlerin Lisa Birke gewidmet. Ihr Werk bewegt sich zwischen Malerei, digitaler Videokunst und Performance. Die Ausstellung basiert auf ihrem aktuellen gleichnamigen Kurzfilm, der auch in ihrer Werkschau am 15. März, 19 Uhr, im W1-Theatersaal zu sehen ist.

Mutter und Kind entfernen sich

Mit ihren Arbeiten wolle Birke aufdecken, „was unter der Oberfläche von Weiblichkeit liegt“, heißt es im Programm der Kurzfilmwoche, das Birkes Videoperformances als absurd und aufschlussreich beschreibt. Die Ausstellung besteht aus einer Installation aus drei Kanälen. Der Film „The Knits“ zeigt die Künstlerin, die ihre Heimat Kanada durchwandert. Sie trägt einen riesigen Wollpullover, den ihre Mutter gestrickt hat. Die Mutter hält einen Faden in der Hand, der Pullover löst sich immer weiter auf, je weiter Mutter und Tochter sich entfernen. Spielerisch erforscht die Arbeit die Komplexität von familiärer Bindung, Geschlechtervorstellungen und das Verhältnis zwischen Handwerk und Kunst, als auch das Gefüge eines filmischen Raums. Die drei Ausstellungen sind von 15. bis 21. März im W1-Kulturzentrum zu sehen (geöffnet wochentags 17 bis 22 Uhr und Sa. und So., 16 bis 22 Uhr).

Dass Frauen in vielen Bereichen der Filmproduktion unterrepräsentiert sind, ist Thema beim Vortragsabend „Starke Frauen“ am 18. März, 18 Uhr, im W1-Café. 2017 sorgte der Blockbuster „Wonder Woman“ für Aufsehen. Ungewöhnlich war die starke weibliche Filmfigur und die Tatsache, dass eine Frau Regie führte. Die Referenten Michael Fleig, Cristina Alonso-Villa und Dr. Annette Scholz setzen sich exemplarisch mit der schwierigen Repräsentation von Frauen im und beim Film auseinander und geben weitere Gegenbeispiele „starker Frauen“.

Zwei Workshops zum Festival

  • In der Tablet-Filmwerkstatt

    drehen Kinder (7 bis 11 Jahre) ihr eigenes Filmabenteuer. Die Medienfachberatung für den Bezirk Oberpfalz führt den kostenlosen Workshop durch. Anmeldung: lins@medienfachberatung.de

  • Beim Workshop Storytelling

    suchen die max. 20 Teilnehmer mit den Dozenten Constantin Weber und Benjamin Feiner nach Figuren mit Charisma und Authentizität. Sie entwickeln eine komplexe Storyworld. Anmeldung: Anmeldung@ forum-kreativwirtschaft.de

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