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Kultur
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Kunst

Florenz ehrt den Bildhauer Fritz Koenig

Fritz Koenig gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit. Während in Florenz eine umfangreiche Retrospektive die Geltung des Künstlers unterstreicht, gibt es in seiner bayerischen Heimat weiter Streit um sein Erbe.
Von Ute Wessels, dpa

Bildhauer Fritz Koenig 2002 in Landshut. Foto: Armin Weigel
Bildhauer Fritz Koenig 2002 in Landshut. Foto: Armin Weigel

Landshut.Florenz widmet dem niederbayerischen Bildhauer Fritz Koenig (1924-2017) eine Ausstellung. Und zwar die größte Skulpturenausstellung, die es in der italienischen Kulturmetropole je gab, wie Eike Schmidt, Direktor des Museums der Uffizien, sagt.

Ein Ritterschlag für den Künstler, um den in seiner Heimat Landshut ein bitterer Streit herrscht. Es geht um Macht und Kompetenzen, um alte Feindschaften und einen kulturellen Schatz internationalen Ranges.

In den Uffizien wird am 20. Juni eine umfangreiche Werkschau eröffnet. Parallel dazu beginnt in den berühmten Boboli-Gärten der Stadt eine zweite Ausstellung von Koenigs Skulpturen. Auch in Landshut gibt es derzeit zwei Koenig-Schauen. Diese aber, so meinen Kritiker, stellten nicht die internationale Bedeutung des Bildhauers heraus, sondern degradierten ihn zu einem Provinzkünstler.

Verantwortlich für die Landshuter Schauen ist nicht die langjährige Leiterin des von Koenig 1998 für sein Werk errichteten Skulpturenmuseums, Stefanje Weinmayr. Sondern Franz Niehoff, der Direktor der Städtischen Museen, denen Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) das Skulpturenmuseum vor knapp einem Jahr zugeordnet hat.

Niehoff ist seitdem der Vorgesetzte Weinmayrs, die als Vertraute Koenigs und Kennerin seines Werks gilt. Sie hatte sich der Künstler als Museumsleiterin gewünscht. Koenig und Niehoff galten dagegen als heillos zerstritten.

Weinmayr hat gegen die Stadt Landshut geklagt. Sie will wieder ihrem Arbeitsvertrag entsprechend arbeiten können. Vor wenigen Tagen hat die Stadt nach Angaben von Weinmayrs Anwalt Benno Ziegler auch einen zweiten, vom Arbeitsgericht vorgeschlagenen Gütetermin abgelehnt. Die Ausstellung in Florenz und eine weitere in Flossenbürg seien die letzten Projekte, die Weinmayr noch betreuen dürfe. „Meine Mandantin soll kaputt gemacht werden“, meint Ziegler. Sie habe Anspruch darauf, vertragsgemäß beschäftigt zu werden. Stattdessen habe ihr die Stadt einen Job im Archiv angeboten.

Eike Schmidt, der Direktor der Uffizien, ist dagegen froh, Weinmayr als Kuratorin in Florenz zu haben. „Das ist eine fantastische Gelegenheit“, sagt er. Koenigs Skulpturen passten perfekt in die Boboli-Gärten. „Wer da besteht, der besteht überall.“

In der von Niehoff konzipierten und heftig umstrittenen Ausstellung „Dialoge im Labyrinth“ im Skulpturenmuseum sieht die „Süddeutsche Zeitung“ den Beweis dafür, dass Niehoff „mit Koenigs Art zu denken und zu gestalten wenig anzufangen weiß“. In der „Landshuter Zeitung“ war angesichts der Ausstellung von „Koenigs zweitem Tod“ die Rede. Bei einem Rundgang durch die Schauen betont Niehoff den künstlerischen Wert Koenigs, äußert aber auch spöttische Kommentare.

Angeblich sind einige Skulpturen aus dem Besitz der „Stiftung Maria und Fritz Koenig“, der der Künstler sein Werk vermacht hat, verschwunden. Niehoff sagt dazu, Bronze sei wertvoll und es gebe eben Vandalen, die auch Kunstwerke klauen. Nachfragen zur Zahl der möglicherweise gestohlenen Skulpturen und zu deren Wert sind bisher unbeantwortet geblieben.

OB Putz erklärt mit Blick auf die juristische Auseinandersetzung mit Weinmayr, er erwarte, „dass die Leute ihren Job machen“. Und er hoffe, dass bald Ruhe einkehre. Landshut würdige Koenig, einen Künstler von Weltrang, in diesem Jahr mit mehreren Ausstellungen. Die Umstrukturierung der Museen habe Unruhe erzeugt, habe aber „nichts damit zu tun, dass wir den Künstler nicht wertschätzen“.

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