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Fotos als verführerische Realitätsbilder

Zum Regensburger „Festival fotografischer Bilder“: Acht Filme an 13 Tagen erzählen Geschichten von der Macht der Fotografie.
Von Gabriele Mayer, MZ

„Blow up“ gilt als Film aller Filme zu diesem Thema: Der Starfotograf Thomas (David Hemmings) hat sich zum Schein bereit gefunden, Jane (Vanessa Redgrave) den Film zurück zu geben, auf dem er sie mit ihrem Liebhaber im Park aufgenommen hatte. Foto: ARD/DEGETO
„Blow up“ gilt als Film aller Filme zu diesem Thema: Der Starfotograf Thomas (David Hemmings) hat sich zum Schein bereit gefunden, Jane (Vanessa Redgrave) den Film zurück zu geben, auf dem er sie mit ihrem Liebhaber im Park aufgenommen hatte. Foto: ARD/DEGETO

Regensburg.Das Regensburger „Festival fotografischer Bilder“ vom 26. bis 28. Oktober ist ein prominent besetztes Symposium. Es wird begleitet von einer höchst interessanten Spiel- und Dokumentar-Filmreihe in der Filmgalerie, die schon am Donnerstag beginnt. Acht Filme – vom spannenden Krimi bis zur einfühlsamen Dokumentation, die an 13 Tagen präsentiert werden – erzählen vielerlei, aber vor allem von der Macht und von den Abgründen der Fotografie.

An erster Stelle steht der Film aller Filme zu diesem Thema, Michelangelo Antonionis „Blow up“ (1967), der in die Atmosphäre von Beat-Musik und Flower Power eintaucht. Ein Modefotograf leidet darunter, Produzent einer Wirklichkeit zu sein, die es gar nicht gibt. Sein innigster Wunsch ist es, authentische Bilder zu machen. Eines Tages gelingt ihm unabsichtlich ein solches Foto, er nimmt gar nicht wahr, was er zufällig fotografiert. Bei der Entwicklung des Fotos glaubt er, auf dem Bild zu sehen, dass er unfreiwilliger Zeuge eines Mordes geworden ist. Er vergrößert das Foto: Blow up. Je mehr er die Aufnahme aufbläht, desto mehr entwirklicht sie sich, was er sieht, und wird immer mehr Produkt seiner Deutung. Dies ist die Kehrseite jeder Technik der Abbild-Produktion. Komplizierte Apparate schieben sich, um die Wirklichkeit zu sehen, vor diese Wirklichkeit – auch in der Wissenschaft.

Foto kein Beweis, sondern Verweis

Martin Rosner ist Initiator und Festivalleiter. Foto: Homeier
Martin Rosner ist Initiator und Festivalleiter. Foto: Homeier

„Blow up“ ist ein Krimi, in dem es um die Aufklärung von etwas geht. Durch das Genauer-sehen-wollen verzerrt es sich bis zur Unkenntlichkeit. In „Blow up“ ist das Foto kein Beweis, sondern ein Verweis darauf, dass das, was mit dem Bild bewiesen werden soll, letztlich Interpretation ist.

Das Foto ist das verführerische Bild der Realität. Aber stets ist es perspektivisch, phantasmatisch, ein Ideen-Gebilde. Die Filmdokumentation „Shot in the Dark“ (2016) interessiert sich für drei Künstler, deren erstaunliche Eigenschaft in ihrer Sehschwäche besteht. Etliche Exponenten in der Geschichte der Kunst, deren Augenlicht schwächer wurde, haben gerade dann die reichsten und inspiriertesten Bild-Ideen gemalt. Peter Greenaway ist ein Kultregisseur. In seinen sinnvergnügten, komischen Filmen präsentiert er ernsthafte Figuren, die die Welt auf nichtsinnliche Weise durchschauen möchten: Mathematisch, ordnungsgebend, mit Gerätschaften und Zeichensystemen wollen sie Ereignissen auf die geheime Spur kommen, als wären sie Verschwörungstheoretiker, die fasziniert sind von Verweisungsprozessen. Auch sein Film „Ein Z und zwei Nullen“ (1985) entlarvt die Gebrochenheit in unserer Anschauung der Welt, wobei der Mensch ständig Raster über die Natur und die anderen Menschen legt. Die Fotografie ist eines dieser Medien, mit denen man der Welt nahekommen will, indem man sie isoliert und ihr Mechanismen vorschaltet.

Das Leben des James Dean

In „Life“ (2015) von Anton Corbijn geht es um das Leben des James Dean und die berühmte amerikanische Zeitschrift LIFE mit ihren bahnbrechenden Fotos: Ein Fotograf, der Karriere machen will, bietet der Zeitschrift eine Bilderstrecke über das Leben von James Dean an. Wie nähert man sich hier dem Leben? Ein Bildermacher, nämlich der Regisseur des Films „Life“, schaut einem Bildermacher, nämlich dem Fotografen, bei der Arbeit zu, die darin besteht, einem Menschen nahe zu kommen, zu dem ein Zugang eigentlich gar nicht möglich ist, weil er sich aus lauter „Images“ aufbaut.

Faszinierend sind die Bilder, die ein Modefotograf in dem Meisterwerk „Seine Gefangene“ (1968) macht. Regisseur Henri-Georges Clouzot bettet dieses Fotografieren in ästhetisch aufgeladene, verzerrte, verspiegelte Szenen ein, in farbintensive, an abstrakte gitterartige Malerei erinnernde Sequenzen. Es geht einerseits darum, wie der Fotograf Körper und Gesichter inszeniert, und wie er andererseits, mit dieser offerierenden Art der Fotos den Voyeur in uns anlockt und den Besitz-Trieb auslöst. Eine dunkle Geschichte und eine filmische Untersuchung der betörenden Lügen der Fotografie.

Ein ganz anderer Blickwinkel

„Yi Yi – a one and a two“ (2000) von Edward Yang“ erhielt den Regiepreis in Cannes und erzählt von einer Familie auf der Suche nach dem wahren Leben, wobei ein Junge alle fotografiert, und zwar von hinten. Was offenbart der andere Blickwinkel? In „Marseille“ (2004) von Angela Schanelec lässt sich eine Frau mit einem Fotoapparat durch die Stadt treiben. Fotografie und Leben scheinen zu verschmelzen.

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