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Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Theater

Freundschaft fragt nicht, sondern hilft

Regisseur Harry Fuhrmann inszeniert in Regensburg „Krähe und Bär“. Das Stück am Jungen Theater ist nicht nur für Kinder.
Von Maximiliane Gross

Harry Fuhrmann arbeitet zum ersten Mal am Theater Regensburg. Foto: Gross
Harry Fuhrmann arbeitet zum ersten Mal am Theater Regensburg. Foto: Gross

Regensburg.Eine ungewöhnliche Szene im Budapester Zoo: Eine Krähe strandet im Teich des Bärengeheges. Der Braunbär hätte leichte Beute, verhält sich aber ganz anders, als man es erwarten würde. Anstelle den Vogel zu fressen, fischt er ihn aus dem Wasser und rettet der Krähe damit das Leben.

Die Geschichte begeistert Schriftsteller Martin Baltscheit. Er beschließt, das Thema sowohl in einem Hör- und Kinderbuch als auch in einem Theaterstück aufzugreifen. Der Titel: „Krähe und Bär“. Für das Hörspiel bekommt Baltscheit den Kinderhörspielpreis, für das Stück den Kindertheaterpreis. Bald ist es auch in Regensburg am Jungen Theater zu sehen. Inszeniert wird „Krähe und Bär oder: Die Sonne scheint für uns alle“ von Regisseur Harry Fuhrmann. Premiere ist am 2. Juni. Fuhrmann ist sich sicher, dass das Stück Jung und Alt begeistern wird. Es sei lustig und berührend zugleich und verbinde Leichtigkeit und Tiefe.

Zwei verschiedene Charaktere

Eigentlich ist die Geschichte einfach: Sie handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft. Die Krähe lebt in Freiheit, von der der Bär nur träumen kann. Dafür bekommt er sein Essen quasi auf dem Silbertablett serviert, während die Krähe täglich ums Überleben und um Nahrung kämpfen muss. Und so kommt es, dass die Gefangenschaft im Zoo den Bär depressiv werden lässt. Die Krähe bemerkt das im Laufe der Zeit und versucht, ihn aufzumuntern. Und durch ihre Anwesenheit wird dem Bären immer bewusster, dass er im Alltagstrott gefangen ist. Um dem Bären zu helfen, tauschen die beiden die Rollen. Mittels eines Zaubertranks verwandelt sich der Bär in die Krähe und andersherum.

„Der Bär im Stück und der Mensch im Leben – beide sind in ihrem Hospitalismus gefangen.“

Harald Fuhrmann

Anfangs genießt der Krähenbär seine gewonnene Freiheit. Schnell wird ihm aber bewusst, dass er mit seinen guten Manieren in der freien Wildbahn nicht weit kommt. Die Bärenkrähe frisst sich rund, glücklich ist aber auch sie nicht. Als der Krähenbär in Gefahr schwebt, rettet die Bärkrähe ihrem Freund das Leben. Beide lernen durch den Rollentausch, ihr eigenes Leben wieder wertzuschätzen.

Im Stück werden völlig unterschiedliche Lebensmodelle beleuchtet und kontrastiert. Es gibt Parallelen zum Alltag der Zuschauer, etwa, wenn sich der Bär in den Routinen gefangen sieht. „Der Mensch rotiert zwischen Familie, Job und Freunden. Auch das wiederholt sich“, sagt Fuhrmann. Am Ende aber erkennen die beiden Protagonisten, dass ihr Leben an sich gar nicht so schlecht ist und dass sie ihre Gewohnheiten, ihre Lebensweise eigentlich schätzen. Genau das mache den Reiz des Stücks aus – für Erwachsene ebenso wie für Jugendliche, sagt Fuhrmann.

Eine Premiere für den Regisseur

Fuhrmann legte bei der Inszenierung großen Wert darauf, dass die Schauspieler das Wesen der Tiere verinnerlichen. Choreograph Andreas Müller hat deshalb mit den beiden Hauptdarstellern Felix Breuel (Bär) und Marianna McAven (Krähe) die typischen Tierbewegungen einstudiert. Auch die eigens komponierte Musik ist an das Wesen der Tiere angepasst und wie sie verschmelzen die einzelnen musikalischen Elemente im Laufe des Stücks immer mehr.

Zehn Jahre Junges Theater

  • Geschichte:

    Das Junge Theater gibt es seit Januar 2008. Am Anfang wurden mobile Produktionen an verschiedenen Orten (Turnhallen, Probebühne etc.) aufgeführt, seit 2015 gibt es die eigene Räumlichkeiten am Bismarckplatz.

  • Jubiläum

    Seit der Gründung wurden 55 Stücke inszeniert. Das erste war „Das Herz eines Boxers“. Zum Zehnjährigen veranstaltet das Theater am 3. Juni einen Tag der offenen Tür.

Fuhrmanns Engagement in Regensburg geht auf den Kontakt zur Leiterin des Jungen Theaters, Maria-Elena Hackbarth, zurück. Beide kennen sich von Inszenierungen am Theater in Baden-Baden. „Wir schätzen beide die Arbeit des anderen.“

Für den Regisseur ist es das erste Kinderstück, das er auf die Bühne bringt. Bislang führte er bei Klassikern wie Goethes „Faust“ oder „Warten auf Godot“ Regie. Wobei: Mit Kindern hat er tatsächlich schon einmal gearbeitet – im Kindergarten seiner Tochter, wo er ein Kinderstück inszenierte. Seit vielen Jahren spielt Fuhrmann zudem Straßentheater. Aus diesem Grund ist er sich sicher, einen guten Draht zu den kleinen Zuschauern zu haben.Und noch etwas treibt Fuhrmann an: „Ich möchte den Kindern unvergessliche Momente mitgeben.“

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