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Weltmusik beim Weekend

Frische Cocktails, kalter Kaffee

Am Samstagabend widmeten sich beim Bayerischen Jazzweekend in Regensburg zwei Ensembles der Weltmusik – mit ganz unterschiedlichem Ergebnis.
Von Fred Filkorn, MZ

  • Groove mit Köpfchen: Justyn Time aus München Foto: altrofoto.de
  • Kobaya Beach findet auf der Reise von Afrika nach Lateinamerika nur eine Postkartenidylle. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Um kurz nach 18 Uhr scheint die Sonne schon etwas schräg auf den Bismarckplatz. Ein angenehm kühler Wind streift durch Bierbänke und Sonnenschirme. Da kommt der Auftritt von Justyn Tyme gerade recht. Die sechsköpfige Band aus München und Umgebung hat sich dem entspannten Funk-Jazz verschrieben, der atmosphärisch in eine Zeit zurückführt, wo die Sonnenbrillen groß und der Hosenschlag weit war.

Schon das Eingangsstück könnte aus einer 70er-Jahre-Folge der amerikanischen Sesame Street stammen. Die hat ja schon vor vierzig Jahren die Inklusion propagiert. Keyboarder Markus Rösch holt aus seinem digitalen Piano spacige Funksounds heraus, die mal nach Science-Fiction-Film, mal nach verspielter Liebesszene im sommerlichen Golden-Gate-Park klingen. Bei „Saxessful Failure“ trifft der angenehm groovende Orgelsound auf eine wunderbare Melodie aus Thomas Maiers Sopransaxophon. Rhythmus- und Tempiwechsel sorgen für Abwechslung und geben dem Kopf etwas zu denken.

Justyn Tyme haben auch eine Vorliebe für Musik der südlichen Hemisphäre. Zusammen mit Drummer Andreas Hauer sorgt Uwe Braun mit Conga, Timbales und weiteren Schüttel- und Schlaginstrumenten für reichlich Latinflavour. Ein Stück, das sich der Landschaft zwischen Andechs und Machtlfing widmet, oszilliert zwischen Bossa-Nova-Lässigkeit und Latin-Jazz-Schärfe. Die fröhliche Grundmelodie der beiden Saxophone versetzt so manchen Zuhörer in Bewegung. „Walkabout“ – ein Stück, das 1995 der ersten Justyn-Tyme-CD ihren Namen gab – leitet Maier mit dem glockenklaren Klang des afrikanischen Daumenklaviers Kalimba ein. Saxophonist Bernd Detzel fügt im weiteren Verlauf eine Prise schrägen Free Jazz‘ hinzu – das erfrischt und hält munter. Justyn Tyme bedienen Herz und Hirn.

Im Vergleich dazu mutete die Musik der zeitgleich auf dem Haidplatz auftretenden Kobaya Beach doch arg schal an. Sehnsuchtsvoll verträumte Melodien, auf und abschwellende Pianowellen, ein Afrofunk-Bass, der kurz einmal hoffen lässt. Die im Programm annoncierte Reise von Afrika nach Lateinamerika ist eine in der wohltemperierten Luxusklasse. Statt frisch aufgebrühten schwarzen Kaffee gibt’s da nur eine lauwarme, überzuckerte Instantlösung. Zu glatt, zu oberflächlich, zu harmlos poppig fügen sich die Stücke aneinander. Keine Breaks, keine extrovertierten Soli – gleichförmig schippert das Kreuzfahrtschiff gen Kobaya Beach. Wie sich die Band musikalisch mit Afrika und Lateinamerika auseinandersetzen möchte, ohne auf eine nennenswerte Perkussionarbeit zu setzen, bleibt ein Rätsel. Da wird doch mehr eine aseptische Postkartenidylle beschworen, als das quirlig-raue Leben auf den Straßen Kinshasas und Sao Paulos. Sepp Blatter würde dieser „Easy Listening“-Sound vermutlich gefallen.

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