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Kultur
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 4

Ausstellung

Fritz Koenig im Olymp der Künste

Das Werk des Landshuters wird in den Uffizien und Florentiner Boboli-Gärten einem internationalen Publikum präsentiert.
Von Michaela Schabel

Fritz Koenigs „Große Karyatide“ vor dem World Trade Center wurde nicht zerstört, nur beschädigt – und ist jetzt Symbol für Frieden trotz Terror. Das kleine Modell ist in den Uffizien zu sehen. Foto: Schabel
Fritz Koenigs „Große Karyatide“ vor dem World Trade Center wurde nicht zerstört, nur beschädigt – und ist jetzt Symbol für Frieden trotz Terror. Das kleine Modell ist in den Uffizien zu sehen. Foto: Schabel

Regensburg.Großartig erhebt sich Fritz Koenigs große „Flora“ auf dem Hügel der Florentiner Boboligärten neben der Silhouette des Doms in den Himmel. Als Motiv auf der Einladungskarte und dem Ausstellungskatalog hat Stefanje Weinmayr, die langjährige Leiterin des Landshuter Fritz-Koenig-Skulpturenmuseums und Vertraute des Künstlers, damit eine großartige Metapher für den Aufstieg des Künstlers in den internationalen Kunstmarkt geschaffen. Die Ausstellung „Fritz Koenig, 1924-2017, die Retrospektive“ katapultiert diesen auf Augenhöhe mit den großen europäischen Künstler.

Geduld und Langmut bewiesen

Eike Schmidt, Leiter und Direktor der Galerie der Uffizien, und Alexander Rüdiger, Initiator der Ausstellung, strahlen. Zwar ist das Verhältnis zum „offiziellen Landshut“ immer noch gespannt, zu anstrengend waren die Verhandlungen. Doch Eike Schmid, überzeugt und begeistert von Fritz Koenigs Werk, bewies Geduld und Langmut, um mit dieser Retrospektive den Künstler aus dem regionalen Umfeld zu holen, wo ihn der neue Museumsleiter Franz Niehoff mit seiner Ausstellung im Landshuter Skulpturenmuseum derzeit verortet.

Für Eike Schmidt ist Koenig „der bedeutendste deutsche Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ und „einer der ganz großen Künstler des vergangenen Jahrhunderts überhaupt“. Die Retrospektive soll ein Gesamtbild von Koenigs Schaffen und Lebensstil vermitteln. „Endlich ist Koenig trotz schwierigster Umstände da, wo er hingehört“, konstatierte auch Festredner Dieter Wieland, bekannter Denkmalschützer, bei der Eröffnung in den Boboli-Gärten.

Inspiration bekam Koenig durch seine Leidenschaften. Arabische Pferde, weibliche Erotik, die Schönheit der Natur und die Exotik der afrikanischen Kunst prägten sein Schaffen. Doch durch die Schönheit blitzt immer wieder der Tod, mit dem er als Frontsoldat im Zweiten Weltkrieg so oft konfrontiert war. Am Ganslberg nahe Landshut schuf Koenig seine ganz persönliche „Arche Noah“ mit Hund und Katze, Pfauen und Hennen und arabischer Pferdezucht. Dort arbeitete er, lebte und wirkte er. Sein Freund und Filmemacher Percy Adlon konnte ihm dort beim Zeichnen und Gestalten über die Schulter schauen, woraus drei wunderbare Filme rund um den Ganslberg entstanden.

Mit insgesamt 160 Arbeiten im Zusammenspiel von Zeichnungen, kleinen und monumentalen Skulpturen und den Filmen Perry Adlons, kuratiert von Eike Schmid, Alexander Rüdiger und Stefanje Weinmayr, entsteht in den Vasari-Räumen der Uffizien der faszinierende Kosmos Koenigs, im Zentrum zeichnerisch die „Pferde“, skulptural „Das Paar“.

Schaffen wird lebendig

Das Thema weitet sich im „Epitaph für viele“ zum Massengrab des Holocaust und Wettbewerbsmodell zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin“. Über Perry Adlons Dokumentarfilm wird das kleine Ursprungsmodell zur „Großen Karyatide“ und Fritz Koenigs Schaffen auf dem Ganslberg lebendig.

Doch diese Ausstellung wird noch getoppt von der Präsentation der Skulpturen in den Boboli-Gärten hinter dem Palazzo Pitti. Weit ragen die Skulpturen in den Himmel und entfalten je nach Lichteinfall eine wunderbare atmosphärische Aura. Mit Eleganz durchkreuzen sie die Linienstrukturen der Renaissance-Anlagen, bauen energetische Felder auf und ermöglichen durch großzügiges Umwandern immer neue Perspektiven und Blickachsen. Das ist Kunstgenuss auf höchsten Niveau bis 7. Oktober.

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