MyMz

Ausstellung

Fundstücke: mal skurril, mal banal

Die engagierte und verdienstvolle Reihe „aspekte“ im Regensburger Donau-Einkaufszentrum stellt die „objets trouvés“ von acht ostbayerischen Künstlern vor
Von Michael Scheiner, MZ

  • Tone Schmids „Flieger“ aus Stein Fotos: Scheiner
  • Seltsames Wesen: Tone Schmidts „Mutant“ aus Sattel, Gebläse und Luftsack
  • Endlich mal Kunst, die auch die Männer interessiert: Markus Eberls „Wallfahrt“
  • Günter Klobouks Sporenmühle
  • Anjalie Chaubal hielt die Einführungsrede.

Regensburg. Endlich eine Ausstellung, bei der auch Männer stehen bleiben: Während Frauen neugierig Tone Schmids assoziationsmächtigen Kieselstein „Flieger“ beäugen, der schwerfällig seine Runden dreht, beugen sich Männer jeden Alters eifrig über Markus Eberls „Wallfahrt“ (Pellegrinaggio Memoria). Vier nebeneinander aufgereihte Ape-Fahrzeuge, dreirädrige motorisierte „Lastesel“, wie sie seit 1947 in Italien gebaut und für vielfältigste Zwecke genutzt werden. Kein Maulen, kein ungeduldiges Drängeln – „scharenweise versammelten sich hier Männer, um einen für sie persönlich vorstellbaren Einsatz des legendären Gefährts zu diskutieren. Ober über die faustgroßen Rostlöcher, abgebrochenen Spiegel und eigenwilligen Aufbauten zu fachsimpeln“. Darüber freut sich Kuratorin Anjalie Chaubal in ihrer Eröffnungsrede im Donau-Einkaufszentrum.

Was die Flut so angespült hat

Die Gefährte haben als Fundstücke Eingang in die Ausstellung „objets trouvés“ gefunden. In der engagierten und ansprechenden Reihe „aspekte“ werden seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Künstler vorwiegend aus der weiteren Region vorgestellt. Heuer sind es acht, darunter mit der Fotografin Maria Maier eine Künstlerin, die mit verschiedenen Materialien arbeitet. Waren es bereits Serien mit Stromleitungen und anderen Momentaufnahmen zivilisatorischer Gegenstände, präsentiert Maier diesmal unter dem ironischen Titel „Sitzweil“ Fotografien von Rohrgestellen von Stühlen, die mit Pinsel übermalt und mit lederüberzogenen Holzplatten kombiniert sind. Dem einfachen Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart frönen auch die ruhigen Fotoarbeiten des Regensburgers Herbert Fahrnholz. In einem alten, verlassenen Haus mit Spuren der einstigen Bewohner hat er Stimmungen eingefangen, schöne Lichteindrücke ästhetisiert. Keine große Kunst – bei diesem Sujet – aber ansprechendes, feines Handwerk, das Blicke auf sich zieht.

Wenig Mühe mit seinen Fundstücken hat sich diesmal Wigg Bäuml aus Kallmünz gemacht. Eine vom diesjährigen Hochwasser angeschwemmte Wohnungstür weist, am Boden liegend, angeblich auf die „zerstörerische Kraft des Wassers“ hin. Das allerdings lässt sich höchstens aus dem Titel „Aus den Angeln – Die Flut“ rückschließen, nicht jedoch über den schlicht präsentierten Gegenstand. Auch die mit Folie umwickelten „Lembretter“ wirken in ihrer reduzierten Bescheidenheit dürftig.

In ihrer künstlerischen Aussage noch dürftiger, fragt man sich beim Betrachten der „New York Polyphony“, netten Urlaubsfotos, die der Mitterteicher Jeff Beer 2009 in New York gemacht hat, was diese möglicherweise von Momentaufnahmen anderer New-York-Reisender unterscheidet, die ebenfalls mit wachen Augen die Stadt durchstreift haben. Vermutlich nichts. Beer ist ein anregender und eigenwilliger Musiker, als bildender Künstler ist er überschätzt.

Anregend und ziemlich durchgeknallt

Eindeutigen Schlussfolgerungen widersetzt sich der in Weiden lebende Tone Schmid. Dessen vielfältiges Werk ist irgendwo zwischen grellem Klamauk, charmantem Kunsthandwerk, Karikatur, Spott und subtilem Witz angesiedelt. Und es zeugt, ähnlich dem verstorbenen genialen Fundstücke-Künstler Max Bresele, von störrischem Eigensinn und skurrilem Humor. Davon legen die aufgeblasenen „Beach Boys“ ebenso beredtes Zeugnis ab wie ein auf Augenhöhe hängender Sattel mit einem Gebläse und Stoffsack, der über Bewegungsmelder überraschend losbläst, wenn Besucher daran vorbeigehen. Herrlich interaktives Spiel, „pfiffig, anregend und durchgeknallt“, wie Bürgermeister Joachim Wolbergs in seiner Eröffnung lobte. Dazu zählen sicher auch viele von Günter Klobouks „bedeutende Persönlichkeiten“, die er auf Kunstdruck mit Pilzsporen wachsen lässt. Frech bis boshaft, geistreich und oft auch voll Poesie, wie in seinen verspielten „Sporenmühlen“.

Nahezu abstrakt wirken „Ameib i & II“, Fotodrucke von Erich Spahn, in denen er mehreren Schwarzweißaufnahmen zu körperartigen Gebilden oder Bodenformationen zusammengefügt hat. Ein serielles Reisetagebuch aus der Sahara weist formal zwar in die Vergangenheit, bezieht aus der Schlüssigkeit und zwingenden Unbedingtheit des Fotografen aber künstlerische Spannung und inhaltliche Tiefe. Eine interessante Ausstellung, die zur Auseinandersetzung einlädt, ermöglicht durch ein bemerkenswertes Engagement der Vereinigung der Kaufleute im Donau-Einkaufszentrum. Keine Selbstverständlichkeit in der selbstreferenziellen Welt des Konsums.

Info: Die Ausstellung „objets trouvés – Fundstücke“ in der Ausstellungsreihe „aspekte“ ist bis zum 28. Oktober auf der großen Ausstellungsfläche im Donau-Einkaufszentrum zu sehen. Beteiligte Künstler: Ludwig Bäuml, Jeff Beer, Markus Eberl, Herbert Fahrnholz, Günter Klobouk, Maria Meier, Tone Schmid, Erich Spahn

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht