MyMz

Geistesblitze auf der Leinwand

Aus 4500 eingesandten Filmen haben die Macher der 19. Regensburger Kurzfilmwoche wieder die erstaunlichsten, spannendsten und witzigsten ausgewählt.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Das Kernteam der Regensburger Kurzfilmwoche. V. l. Philipp Weber, Leiterin Insa Wiese, Michael Fleig und Stefan Grunwald-WieseFotos: altrofoto.de

REGENSBURG. Es darf auch gelacht werden: Während sich Hollywood bei der diesjährigen Oscar-Preisverleihung für seine düster-politischen Filme loben ließ, geht es dort, wo neue visuelle Trends entstehen, entspannter zu. Die Macher der 19. Regensburger Kurzfilmwoche wurden jedenfalls bei der Sichtung der 4500 Einsendungen von einer „Brise Optimismus“ umweht, wie es im Vorwort des 120 Seiten starken Katalogs heißt. Viele Autoren haben es offensichtlich satt, ins globale Krisen-Lamento einzustimmen. Und so können sich die Zuschauer ab 13. März auf originelle, spannende bewegte Bilder mit Witz freuen.

Neben dem heiteren Blick auf die Dinge sind Festivalleiterin Insa Wiese und ihrem siebenköpfigen Team beim Sichten der Kandidaten auch das Dauerthema „zwischenmenschliche Beziehungen“ und eine verstärkte Auseinandersetzung der Autoren mit dem eigenen Medium aufgefallen. Inhaltliche Akzente liefern die Liaison von bewegten Bildern mit Musik und der Länderschwerpunkt Griechenland.

Dass die Kurzfilmwoche längst über Ländergrenzen hinaus gewachsen ist, zeigt schon die bunte Adressenliste im Internationalen Wettbewerb. 52 Filme aus 36 Ländern haben die Macher aus der Vielzahl der Einsendungen herausgefiltert und in acht Programme aufgegliedert – von „Unterwegs“ über „Machtverhältnisse“ und „Geschlechterfragen“ bis hin zu „Tierischen Problemen“. Und es werden wie immer alle gestalterischen Register gezogen, von der Abstraktion über die Animation bis zum Realfilm.

Griechenland ganz ohne Larmoyanz

Das Dauerthema „Griechenland“ sorgt für Emotionen in- und außerhalb des Landes. Ein Grund für die Festivalmacher, das krisengeschüttelte Hellas zum diesjährigen Schwerpunktland zu erklären. Auffallend in den drei hochkarätigen Programmen: Die aktuelle Finanzkrise wird nie direkt angesprochen. Sie schimmert allenfalls als Kulisse für die großen Themen Einsamkeit oder Liebe durch. Antonis Papadopoulos, Leiter des griechischen „Short Film Festival in Drama“, bringt preisgekrönte griechische Filmperlen nach Regensburg mit. Ein Extraprogramm ist dem Regisseur Elias Demetriou gewidmet.

Einen Querschnitt durch die Kurzfilmlandschaft hierzulande liefert der deutsche Wettbewerb, aufgeteilt in die Kategorien „Öffentlicher Raum“, „Im besten Alter“, Familienangelegenheiten“ und „Jugend“. In Extra-Fenstern fällt der Blick auf bayerische Kurzfilm-Autoren. Und der Zoom wird noch etwas schärfer, wenn sich 19 Talente aus der Region mit ihren Werken der Jury für den Preis des Mittelbayerischen Verlags und der Volksbank Regensburg stellen.

Musik verleiht besondere Note

Eine besondere Note verleihen die Festivalmacher der Kurzfilmwoche mit einem Sonderprogramm, mit dem die überragende Bedeutung der Musik für den Kurzfilm von vielen Seiten beleuchtet und belauscht wird. In sieben Programmen geht es unter anderem um bayerische Musikvideos, Heavy-Metal-Riffs, Punk, Tanz, Schallplatten und neue Töne aus dem Experimentallabor.

Feste Größen bei der Kurzfilmwoche sind mittlerweile die „Plattenfilme“, bei denen DJs und Musiker Filmen live einen neuen Soundtrack verpassen. Bei „Poetry in Motion“ texten junge Autoren Filme neu. In diesem Jahr dreht sich übrigens alles ums Thema „Wasser“.

Liebhaber der märchenhaften Scherenschnittfilme von Lotte Reiniger sollten sich den 16. März vormerken. Studenten der Hochschule für Kirchenmusik begleiten die liebevoll gestalteten Meisterwerke live.

Auch die Programme „Cinema Mi Amor“ und „Cinema Mi Vida“ gehören seit Jahren zum Programm. Sie zeigen die Liebe von Fachleuten aus der Filmbranche zum Kurzfilm. Im „Cinema Mi Amor“ präsentiert ein ausgewählter Gast seine Lieblingskurzfilme – in diesem Jahr ist es der Filmemacher und Künstler Bjørn Melhus. In seinem Werk hinterfragt er kritisch die Beziehungsmuster zwischen Medium und Zuschauer. Dadurch entsteht in seinen Arbeiten aus klassischem Filmmaterial etwas Neues und Eigenes. Bjørn Melhus ist auch Mitglied der Jury des Deutschen Wettbewerbs.

Im „Cinema Mi Amor sollte die Kulturmanagerin Mariam Mana aus Afghanistan einen Einblick in das Filmschaffen in Afghanistan geben. Das wird nicht gehen, weil ihr die deutsche Botschaft kein Visum ausstellen wollte. Die kleine Werkschau mit Filmen aus Afghanistan wird aber zu sehen sein.

Eine relativ junge, aber bei Feinschmeckern begehrte Einrichtung sind die Mitternachtskurzfilme mit phantastischer Handlung, bizzaren Figuren und surrealer Atmosphäre. In diesem Jahr ist zur Geisterstunde ein Horrorprogramm angesagt.

Hauptspielorte der Kurzfilmwoche sind die Filmgalerie im Leeren Beutel, das Ostentor-Kino und der Theatersaal des Jugendzentrums W1. Das Programm startet am 13. März mit der Eröffnungsfeier im Ostentor-Kino und endet am 21. März.

Viele Autoren kommen persönlich in die Festivalstadt. Die Macher suchen noch Übernachtungsmöglichkeiten, belohnt mit einer Freikarte (E-Mail: guest@kurzfilmwoche.de)

Verschiedene Preise warten auf die Autoren der besten Filme. Im Internationalen Wettbewerb geht es um den mit 5000 Euro dotierten BR-Kurzfilmpreis und den Preis der Stadt Regensburg.

Im Deutschen Wettbewerb wird z. B. der BMW- Kurzfilmpreis ausgelobt. Der Regionalfensterpreis von mittelbayerische.de geht an den besten Kurzfilm aus der Region.

Der Publikums-Preis von Volksbank und mittelbayerische.de ist ebenfalls einem Film aus der Region gewidmet. Die fünf Preiskandidaten stehen bereits zum Online-Voting bereit.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht