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Bücher

Gelungene Debüts prägen Liste

Die Vorauswahl für den Buchpreis 2019 setzt auf Gegenwartsliteratur. Eine der Nominierten ist in Regensburg aufgewachsen.
Von Sandra Trauner

Welche Bücher haben Chancen auf den Deutschen Buchpreis? Die Jury hat die Longlist bekanntgegeben. Auf ihr stehen 20 Titel. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Welche Bücher haben Chancen auf den Deutschen Buchpreis? Die Jury hat die Longlist bekanntgegeben. Auf ihr stehen 20 Titel. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt am Main.Reihenweise haben es erste Werke junger Autoren in die Vorauswahl für den Deutschen Buchpreis 2019 geschafft, darunter Lola Randl mit ihrem Debütroman „Der Große Garten“. Lola Randl –Jahrgang 1980 – ist in Regenburg aufgewachsen und lebt heute in der brandenburgischen Uckermark.

Auf der Longlist, die 20 Titel umfasst, stehen ferner bekannte Namen wie Sasa Stanisic, Ulrich Woelk oder Marlene Streeruwitz.

Viele gelungene Debüts

„Um die Zukunft des Lesens und des Schreibens muss uns da nicht bange sein“, sagte der Sprecher der siebenköpfigen Jury, Literaturkritiker Jörg Magenau, am Dienstag in Frankfurt. „Besonders erfreulich“ findet die Jury, „dass es so viele gelungene Debüts zu entdecken gab“.

Wie so oft kommen auch in diesem Jahr viele starke Bücher aus Österreich. Raphaela Edelbauer etwa erzählt in „Das flüssige Land“ vom Dorf Groß-Einland, unter dem ein riesiger Hohlraum liegt, über den zwar niemand spricht, der aber die Gesellschaft in die Tiefe zu reißen droht. Auch Angela Lehner zählt zu den neuen, jungen, österreichischen Autoren. Hauptperson im Psychiatrie-Roman „Vater unser“ ist laut Verlag „eine Geistesgestörte, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ“.

Frauen in Hauptrollen

Ein weiteres Debüt aus dem Nachbarland kommt von Tonio Schachinger. „Nicht wie ihr“ beschreibt den arroganten Fußballprofi Ivo „mit Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern“, so der Verlag über das im September erscheinende Buch. Auch „Gelenke des Lichts“ von Emanuel Maeß ist ein Erstlingswerk, ein Bildungs- und Schelmenroman aus der DDR.

Im Mittelpunkt vieler nominierter Bücher stehen Frauen. Karen Köhlers „Miroloi“ spielt auf einer abgeschotteten Insel, auf der Männer das Sagen und Frauen keinerlei Rechte haben - bis sich ein weibliches Findelkind gegen das Patriarchat auflehnt.

In Nora Bossongs „Schutzzone“ vermittelt eine UN-Mitarbeiterin in einem Luxushotel zwischen verfeindeten Staaten. Andrea Grill erzählt in „Cherubino“ von einer Sängerin, die ihre Schwangerschaft verschweigt.

Paranoia und Phantasie

Einer der bekanntesten Namen auf der Liste ist Sasa Stanisic. „Herkunft“ hat bereits die Bestsellerlisten erobert. Ein ebenso witziges wie hintergründiges Buch über den Zufall, irgendwo geboren zu werden, und was sich daraus entwickeln kann. Für TV-Kritiker Dennis Scheck „eines der intelligentesten, geistsprühendsten und – nicht zuletzt – formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs“.

Die Longlist spiegle „die stoffliche Vielfalt und den stilistischen Reichtum“ der deutschsprachigen Neuerscheinungen wider, sagt Jury-Sprecher Magenau: „Gesellschaftsanalyse und Geschichtsforschung, Paranoia und Phantasie, Wunsch und Welterkundung von Kalifornien über die deutsche Provinz bis in den Kaukasus haben darin Platz.“ Geschichte und Welterkundung: Bei Alexander Osang ist das Russland zu Zeiten der Revolution („Die Leben der Elena Silber“), bei Katerina Poladjan Armenien um 1900 („Hier sind Löwen“). Zwei Bücher greifen genau 50 Jahre zurück, ins Jahr 1969: Ulrich Woelks „Der Sommer meiner Mutter“ und „Wo wir waren“ von Norbert Zähringer.

„Der große Garten“

Liebe, Familie und all das Ungemach, das damit einhergeht: Auf der Longlist sind diese Themen – in völlig unterschiedlicher Form – vertreten mit „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel, „Der große Garten“ von Lola Randl, „Die untalentierte Lügnerin“ von Eva Schmidt, „Der junge Doktorand“ von Jan Peter Bremer, „Brüder“ von Jackie Thomae und „Flammenwand“ von Marlene Streeruwitz.

Die Suche nach Gemeinsamkeiten ist vielleicht ein bisschen müßig. „Gute Bücher denken nur an sich, sie gehorchen keinen Tendenzen und Trends“, sagt Hauke Hückstädt, der Leiter des Frankfurter Literaturhauses.

Die Longlist sei „der Versuch, 20 ganz besonders herausragende Lektüren zu versammeln“, sagt das Jury-Mitglied, „ein Ausrufezeichen für die Gegenwartsliteratur“.

Kino

Der Monte Verità in der Uckermark

Lola Randl war mit ihrem neuen Film „Von Bienen und Blumen“ im Ostentor. Das Werk ist eine satirische Hymne aufs Landleben.

Spannung steigt

  • Preise:

    Der Sieger steht am Vorabend der Frankfurter Buchmesse (14. Oktober) fest. Er erhält 25 000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro.

  • Archipel:

    Im vergangenen Jahr war Inger-Maria Mahlkes Roman „Archipel“ mit dem angesehenen Preis ausgezeichnet worden.

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