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Kultur
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 8

Konzert

Gesang und Klavier verschmelzen

Bariton André Schuen und Pianist Gerold Huber begeisterten ihr Publikum beim Rathauskonzert in Regensburg.
Von Gerhard Dietel

Die Rathauskonzerte sind eine feste Größe. Foto: Peter Ferstl

Regensburg.Nicht nur höflich anerkennend, sondern geradezu enthusiastisch wirkt am Ende der Beifall des Publikums im Reichssaal. Im Rahmen der „Rathauskonzerte“ haben ihm der Bariton André Schuen und der Pianist Gerold Huber einen Liederabend dargeboten, der begeisterte, und dies obwohl das Programm wenig Bekanntes und inhaltlich oft recht schwere Kost bot. Doch die Qualität der Interpretation wiegt das mehr als auf: Der Eindringlichkeit, mit der die beiden Künstler die Botschaft der erklingenden Lieder und Gesänge formulieren, kann sich niemand entziehen. Der in einem Dolomitental aufgewachsene Bariton André Schuen erweist seiner Heimat musikalische Reverenz. Eine Gruppe ladinischer Volkslieder stellt er in die Mitte seines Vortrags und gibt den Zuhörenden damit inhaltliche Rätsel auf. Gebannt lauscht man den fremdartigen Lauten, in deren sanfte Sprachmelodie sich unversehens eigentümliche Zischlaute einmischen. Schlicht sind die Weisen dazu: in idyllisch verklärtem, Dur-seligem Volkston, aus dem sich nur einmal eine energische Nummer heraushebt. Versteht man richtig, dass da von „Liberta“, von Freiheit die Rede ist?

Weniger bekannte Werke

Robert Schumann ist der Liederabend ansonsten gewidmet, wobei André Schuen und Gerold Huber nicht zu dessen populären Eichendorff- oder Heine-Vertonungen greifen, sondern andere Dichter zu Wort und Ton kommen lassen: den schwäbischen Mystiker Justinus Kerner, den Dänen Hans Christian Andersen und den weltschmerzlichen Nikolaus Lenau.

Berückend ist es, dies alles von André Schuen vorgetragen zu hören. Samtig wirkt seine Stimme im Piano und wartet mit einer vollendeten Legato-Kultur auf. Wunderbar gelingen ihm darum das ruhig gefasste Ende von Schumanns Kerner-Zyklus und die resignative Grundstimmung der Lenau-Gesänge. Doch auch kraftvoll und geradezu schneidend kann sein Bariton sich erheben, ohne dass jemals ein kultiviertes Ideal überschritten würde. Nichts wirkt forciert, auch wenn in Andersens drastischer Dichtung vom „Soldaten“, der seinen Kameraden exekutieren muss, Verzweiflung ausbricht. Ein idealer Partner André Schuens ist Gerold Huber am Flügel. Es ist staunenswert, wie er die Stimme des Sängers gleichsam auf sanften Händen trägt und den Klavierklang zugunsten der Stimme immer wieder abdämpft, und doch im Leisen noch Kontur bewahrt oder Erregung spüren lässt. Mit kleinen musikalischen Motiven antwortet er dem Sänger oder führt das, was die Dichtungen offenließen, zu einem wortlosen, doch beredten Ende.

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