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Theater

Geschichte der „Macht“ auf kleiner Bühne

29 Jugendliche stampften im Theater Regensburg ein Stück aus dem Boden, das kritisch und abstrakt zugleich ist.
Von Daniel Pfeifer

29 Schauspieler im Alter von 14 bis 22 Jahren zeigtern, wie viele Facetten Macht haben kann.Foto: Theater Regensburg
29 Schauspieler im Alter von 14 bis 22 Jahren zeigtern, wie viele Facetten Macht haben kann.Foto: Theater Regensburg

Regensburg.„Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“, klagt der Zauberlehrling 1798, als er etwas in die Hand bekommt, mit dem er wirklich nicht umgehen kann: große Macht. „Macht“ heißt das jüngste Stück des Jugendclubs des Theater Regensburg, das vom 13. bis 17. April auf der Bühne Junges Theater gelaufen ist. Und „Macht“ hat viele Facetten.

Das war so im Jahr 1798, als Goethe sein Gedicht unter die Leute brachte. Das war so als Adolf Hitler eben diese Macht ergriff. Und das ist auch heute noch so, auch wenn wir uns für viel zu clever halten, um auf so etwas wie die Generationen vor uns hereinzufallen.

Das Stück „Macht“, das die 29 Schauspieler des Jugendclubs im Alter von 14 bis 22 Jahren seit einem halben Jahr komplett selbst aus dem Boden gestampft haben, fragt genau da kritisch nach. In einer dichten szenischen Collage mit raffiniertem Twist am Ende zeigen sie die verschiedenen Arten von Macht: ökonomisch, politisch, zwischenmenschlich. Dabei nehmen sie auch immer wieder Szenen aus Woyzeck und vor allem aus Stanley Kubricks 2001. Fließend gehen sie ineinander über und spannen über eine Laufzeit von einer Stunde einen Riesen-Bogen von der Machthierarchie des prähistorischen Stamms bis zur drohenden Machtübernahme der künstlichen Intelligenz.

Man kann sich denken, schauspielerisch ist das alles sehr abstrakt. Aber es sind auch jederzeit 29 Schauspieler auf der Bühne. So viele Schauspieler bei einem Theaterabend sind ziemlich ungewöhnlich, besonders für ein Amateurtheater auf so kleiner Bühne. Und alle unter einen Hut zu bringen umso schwieriger. Besonders beeindruckend waren da die vielen Synchron-Szenen, in denen alle 29 gleichzeitig mit einer Stimme sprachen und sich wie eins bewegten, aber auch gleichzeitig ein Volk oder eine anonyme Masse darstellten. Am Ende zogen sie alle Register und bezogen sogar das Publikum mit ein.

Gar nicht so leicht, so ein abstraktes Konzept wie „Macht“ in einer Collage zusammenzuschustern und dabei nicht die Zuschauer zu überfordern. Gut, dass der Profischauspieler Ludwig Hohl und Theaterpädagogin Claudia Erl als Experten auf den langen Entstehungsprozess aus Improvisationstheater und Literaturrecherche zum Thema ein Auge hatten.

Das entstandene Werk wird bereits im Juli wiederaufgeführt: Beim 12. Treffen bayerischer Jugendtheaterclubs, das dieses Jahr in Regensburg stattfindet. Alle, die „Macht“ noch nicht gesehen haben, können sich also den 1. Juli schonmal im Kalender anstreichen. Sowas nimmt man sich ja gerne mal vor und bleibt dann trotzdem faul auf der Couch daheim sitzen. Macht der Gewohnheit eben.

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