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Kunst

Göttliche Komödie in neuen Bildern

Der Lappersdorfer Grafiker Krancher illustriert Dantes Werk.
Von Ulrich Kelber

Die Ausstellung zeigt Illustrationen des Regensburger Grafikers Josef Leonhard Krancher. Foto: Ulrich Kelber
Die Ausstellung zeigt Illustrationen des Regensburger Grafikers Josef Leonhard Krancher. Foto: Ulrich Kelber

Regensburg.Man muss immer wieder staunen, was für Schätze die Staatliche Bibliothek Regensburg besitzt. Jetzt sind wieder einige Kostbarkeiten aus dem rund 500 000 Bände umfassenden Bestand zu sehen, denn bei einer Ausstellung wird Dantes „Göttliche Komödie“, dieses frühe Meisterwerk der italienischen Literatur, in den Blickpunkt gerückt.

Sogar Fragmente einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert mit Dante-Versen gelangten nach Regensburg: Ein Buchbinder hatte die Blätter einfach dazu benutzt, andere Bücher damit einzubinden. Und stolz ist Bibliotheksdirektor Dr. Bernhard Lübbers darauf, dass die erste deutsche Dante-Übersetzung von Lebrecht Bachenschwanz aus dem Jahr 1768 zu den frühen Erwerbungen gehörte.

Die „Göttliche Komödie“, die Dante erst kurz vor seinem Tod 1321 vollenden konnte, fasziniert auch heute noch. Es gibt allein über 50 deutsche Übersetzungen, die die richtigen Worte für Dantes Jenseitsreise in 100 Gesängen mit über 14000 Versen zu finden suchen. Das „Inferno“ (und etwas weniger das „Purgatorio“ und das „Paradiso“) haben von jeher die bildenden Künstler stark beschäftigt, angefangen von den illuminierten Handschriften des 14. Jahrhunderts und den Zeichnungen von Sandro Botticelli aus der Zeit um 1480. Im 19. Jahrhundert entstanden die berühmten Illustrationen von William Blake und Gustave Doré. Salvador Dalí hat sich ebenfalls mit Dante auseinandergesetzt, 1960 wurde seine Serie von hundert Farbholzschnitten gedruckt. Bei der Ausstellung ist eine Auswahl illustrierter Bücher zu sehen, per Video werden weitere Gemälde und Grafiken präsentiert.

Von dieser Ahnenliste großer Künstler hat sich der in Lappersdorf lebende Grafiker Josef Leonhard Krancher nicht entmutigen lassen. Zwischen 2012 und 2018 schuf er rund 250 Dante-Illustrationen. Der inzwischen 80-jährige Künstler nutzte dabei die Technik der Monotypie, die in ihrer grafischen Wirkung sehr stark seinen früheren Holzschnitten ähnelt. Krancher hatte erstmals 1980 Aufsehen erregt mit seiner „Baader-Meinhof-Ballade“. Diese Holzschnitte und ebenso die späteren politischen Karikaturen waren geprägt von einer derben und wuchtigen Linienführung. Auch bei seinen Dante-Grafiken verliert sich Krancher nicht in Details, sondern sucht nach Prägnanz und nach Sinnbildhaftigkeit. Und vor allem geht es ihm um eine zeitgemäße Deutung. Dante steckt da in einem Raumfahreranzug, hockt als Easy Rider auf einem Motorrad; auf einem Blatt zum „Paradiso“ wird der Songtext „Knockin‘ on Heaven’s Door“ zitiert. Doch es überwiegt großer Ernst, so taucht in einer Grafik zum Dritten Gesang des „Inferno“ mit dem Satz „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“ mahnend das Auschwitz-Tor auf.

Die Ausstellung dauert bis zum 27. April. Wenn alles klappt, gibt es Kranchers Bilder auch bald gedruckt. Der geplante Bildband „liegt vielleicht nächstes Jahr zur Leipziger Buchmesse vor“. So hofft jedenfalls der Künstler, der sich inzwischen das nächste Werk der Weltliteratur zum Illustrieren vorgenommen hat: den „Ulysses“ von James Joyce.

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