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Konzert

Graziöse Melodien im heißen Saal

Das Philharmonische Orchester spielte sommerliche Serenaden in Regensburg.
Von Claudia Böckel

Tom Woods dirigierte das Philharmonische Orchester. Foto: Jochen Quast
Tom Woods dirigierte das Philharmonische Orchester. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Serenaden sind eigentlich was für draußen. Wolkenlos soll der Himmel sein, heiter die Stimmung, plätschernd die Brunnen. Auf dem Bismarckplatz hat man das alles. Ein paar Meter weiter, drinnen im Theater, kann man das alles immerhin noch durch die Fenster sehen, allerdings sieht es mit der Frischluft nicht so gut aus. Und so schwitzten denn das Publikum und vor allem die mit vollem Einsatz agierenden Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Regensburg im Neuhaussaal. Man spielte die wichtigsten und schönsten Serenaden, die für Streicher, die für Bläser und auch welche für ganz raffiniert gemischte Besetzungen.

Den Anfang machte Mozarts zauberhafte „Serenata notturna“ KV 239, bei der ein Streichquartett mit Kontrabass statt des Cellos einem Streichorchester ohne Kontrabass gegenübergestellt ist, in der Art eines Concerto grosso. Einprägsame, beschwingte und graziöse Melodien zeichnen alle drei Sätze aus. In der Marcia brilliert das Soloquartett mit pointiertem Figurenwerk, das Orchester sorgt für den Marschrhythmus. Unter der Leitung von Tom Woods geriet besonders das Final-Rondo witzig und inspiriert. Hervorzuheben ist Matthias Nagel am Kontrabass, der Stütze von unten bot, samtig, weich, präsent.

Auch Anton Dvoraks Serenade d-Moll op. 44 für Bläser, Violoncello und Kontrabass beginnt mit dem obligatorischen Marsch, zitiert im Minuetto tschechische Tänze, arbeitet furiose hemiolische Muster ein. Klanglich außerordentlich schön ist die Gegenüberstellung der solistischen tiefen Streicher mit den je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und den drei Hörnern. Woods sorgte für viel Spannung und beste Koordination, die Instrumentalisten für abwechslungsreiche Klangfarben. Ein Sitznachbar bemerkte, dass die beiden tiefen Streicher dem Bläserensemble doch guttäten und den Puppenkisten-Faktor wegnähmen! Er scheint kein Bläserfreund zu sein. Aber es ist gerade diese Kombination, die das Stück so besonders macht.

Zwei reine Bläserstücke von Giovanni Gabrieli, die Sonata pianè forte und eine sehr beeindruckend dargestellte Sonata XIII hörte man von den Emporen, wie sich das für Musik aus San Marco in Venedig gehört. Den krönenden Abschluss des Serenadenabends machte Tschaikowskis Streicherserenade C-Dur op. 48. Schon der Eingangsgedanke kam in sattem Sound daher, es schillerte nur so vor Klangfarben. Die Struktur war flächig angelegt, aber alles gut durchhörbar, klangvoll, nicht dick. Den Walzer tupfte man in silbrigem Gewand hin, die Elegie kostete man in rundem Klang aus. Dirigent Tom Woods koordinierte mit klarer Geste.

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