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Ausstellung

Große Kunst auf dem Cover

Epochale Plattenhüllen, unveröffentlichte Fotos und Entwürfe von Hipgnosis sind noch bis 28. Oktober in Berlin zu sehen.
Von Alois C. Braun

Aufnahmen wie dieses eindrückliche Porträt von Syd Barrett, der tragischen Figur Pink Floyds, erwarten die Ausstellungsbesucher. Foto: Alois C. Braun
Aufnahmen wie dieses eindrückliche Porträt von Syd Barrett, der tragischen Figur Pink Floyds, erwarten die Ausstellungsbesucher. Foto: Alois C. Braun

Berlin.Hipgnosis – das aus „Hip“, sprich cool, trendy, und „Gnosis“, dem altgriechischen Wort für Wissen, zusammengesetzte Wort zaubert vor allem Fans der Rockmusik Freude ins Gesicht. Die vom 2013 verstorbenen Storm Thorgerson und von Aubrey Powell in London gegründete und später durch Peter Christopherson verstärkte Firma war für die Gestaltung der Albumcover von Bands wie Pink Floyd, Led Zeppelin, Genesis, 10cc und vielen anderen verantwortlich.

Die Besonderheit des „Non-Cover“

Vor allem, aber nicht nur, surrealistische Fotos waren ihr Markenzeichen. Die Ausstellung „Daring to Dream. 50 Jahre Hipgnosis“ in der Berliner Browse Gallery würdigt die Designer und zeigt neben bekannten Motiven auch viele unbekannte Werke und Fotos. „Wir nannten diese Art von Plattendesign ,Non-Cover‘“, lacht Aubrey Powell und zeigt auf das Foto einer Kuh, das einst auf der Vorderseite des Pink Floyd Albums „Atom Heart Mother“ Verwendung fand. „Kein erkennbarer Bezug zu Musik, Songtiteln oder Texten. Auch kein Bandname. Es ist einfach ein Foto!“, so Powell. Klar, dass vor allem Plattenfirmen nicht begeistert waren von solchen Ideen, die keine Rückschlüsse auf den Inhalt einer LP zuließen. Deshalb arbeiteten die kreativen Briten direkt mit den Bands zusammen, wurden auch von ihnen bezahlt. „Die Anzugträger hassten uns“, blickt Powell schmunzelnd zurück.

Abgelehnte Entwürfe

Cover von Plattenklassikern wie „Houses Of The Holy“ (Led Zeppelin), „The Lamb Lies Down On Broadway“ (Genesis) oder „Going For The One“ (Yes) in dieser geballten Form ausgestellt zu sehen, macht bewusst, welch enormen Einfluss Hipgnosis bis heute auf Designs von Tonträgerverpackungen hat. Galeriebetreiber John Colton legte aber einen Schwerpunkt auch darauf, unbekanntere Werke und Fotos zu zeigen. Blickfang ist zum Beispiel ein nahegehendes Porträt von Syd Barrett, der tragischen Figur in Pink Floyds Historie. Mit nacktem Oberkörper sitzt er da, sein Ausdruck ist bereits vollkommen entrückt von dieser Welt. Neben solchen, bisher oft ungezeigten Schwarzweiß-Porträts werden auch abgelehnte Entwürfe für Plattenhüllen ausgestellt. Eindrucksvoll ist das fertige Design für das Foreigner-Album „Silent Partner“. Es wurde als „zu wenig machohaft“ und „nicht dem Image der Band entsprechend“ von der Plattenfirma abgelehnt und mit neuem Cover als „Foreigner 4“ veröffentlicht. Aber auch die Rolling Stones entschieden sich für „Goats Heat Soup“ damals gegen den in der Browse Gallery gezeigten Entwurf von Hipgnosis.

Surreale Motive

Mehrere Cover von Pink Floyd (links) und Peter Gabriel (Hintergrund) sind Teil der Ausstellung. Foto: Alois C. Braun
Mehrere Cover von Pink Floyd (links) und Peter Gabriel (Hintergrund) sind Teil der Ausstellung. Foto: Alois C. Braun

Surreale, auch von Malern wie Dali beeinflusste Fotografien sind das eigentliche Markenzeichen der Hipgnosis-Plattenhüllen. Die Macher legten dabei immer Wert darauf, die Motive aufwendig zu inszenieren und auch real zu fotografieren. So fuhren sie etwa 100 rote Bälle mit einem Van in die Sahara, um das Cover für „Elegy“ von The Nice zu schießen. Auf Barbados hatte Aubrey Powell keine passende Location für „Bloody Tourist“ von 10cc gefunden. Deshalb entstand das epochale Cover bei einer Zwischenlandung in St. Lucia – mit dem Selbstauslöser! Dieses Album ist zugleich auch ein Beispiel dafür, dass Hipgnosis nicht nur in den erwähnten „Non-Cover“-Arbeiten Könner waren. Auch Titel und Inhalt der jeweiligen Werke konnten sie perfekt und einzigartig umsetzen.

Unter den Gästen der Ausstellungseröffnung war auch Paul Raymond (UFO) mit Begleitung. Er steht vor dem Cover des von Hipgnosis gestalteten UFO-Albums „Obsession“. Foto: Alois C. Braun
Unter den Gästen der Ausstellungseröffnung war auch Paul Raymond (UFO) mit Begleitung. Er steht vor dem Cover des von Hipgnosis gestalteten UFO-Albums „Obsession“. Foto: Alois C. Braun

Rappelvoll war die Berliner Browse Gallery bei der Ausstellungseröffnung. Das Interesse an dieser Art Kunst ist gerade in Zeiten eines Vinyl-Revivals sehr groß. Entsprechend viele Publikums-Fragen über die Arbeitsweise der Kreativschmiede musste Aubrey Powell beantworten. Aber der 72-Jährige war in seinem Element, erklärte mit Hingabe.

Abneigung gegen Anzugträger

Auch die ein oder andere Anekdote aus dem Rockbiz erzählte er, etwa über Pink Floyd. Die Musiker waren einst in Los Angeles bei der Plattenfirma Capitol Records eingeladen und wurden ernsthaft mit den Worten begrüßt: „Schön, dass ihr da seid. Wer von euch ist denn nun eigentlich Pink?“ Diese Geschichte macht plausibel, warum Hipgnosis stets eine Abneigung gegen die bereits erwähnten Anzugträger bei den Plattenfirmen verspürten.

Hypgnosis im Blick

  • Ausstellung:

    Die Schau der Designkünstler Hipgnosis ist noch bis 28. Oktober in der Browse Gallery, Bergmannstr. 5, Innenhof rechts, in Berlin zu sehen. Weitere Infos unter https://browse.gallery/ausstellungen-2018/daring-to-dream-50-jahre-hipgnosis/

  • Buch:

    „VINYL . ALBUM . COVER . ART: The Complete Hipgnosis Catalogue" ist erschienen bei Edel Books.

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