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Kultur
Freitag, 23. Februar 2018 2

Kunst

Große Schau zu Neo Rauch in Zwolle

Neo Rauch ist einer der bekanntesten deutschen Maler. Seine Bilder geben Rätsel auf, befremden und verzaubern. Nun zeigt ein Museum in den Niederlanden eine große Schau des Malers aus Leipzig.
Von Annette Birschel, dpa

Neo Rauch im niederländischen Museum De Fundatie in Zwolle vor seinem Gemälde "Gewitterfront" (2016). Foto: Annette Birschel

Zwolle.Neo Rauch ist ein Romantiker – aber einer in schwarzer Jeans und feinem Sakko. Nein, der berühmte Leipziger Maler magisch-realistischer Werke ist sicher kein Illustrator rosaroter Sentimentalitäten.

„Ich fühle mich der deutschen Tradition der Romantik verpflichtet“, erläuterte er am Freitag in Zwolle. In der Hansestadt im Osten der Niederlande präsentiert das Kunstmuseum De Fundatie eine große Übersichtsausstellung zum Werk von Rauch.

65 Gemälde zeigt De Fundatie aus internationalen Sammlungen und dem Privatbesitz des Malers. „Dromos“ ist die bisher größte Ausstellung des Kunstmuseums mit der charakteristischen großen Kuppel – ein Blickfänger in der malerischen Altstadt. De Fundatie will damit einen der „wichtigsten Künstler der Gegenwart“ ehren, wie Direktor Ralph Keuning betonte.

Es ist eine überraschende Übersicht über die künstlerische Entwicklung des Malers in den letzten 25 Jahren. Er scheint so gar nicht in eine Schublade zu passen. Romantiker? Magischer Realist? Rauch gilt als der bekannteste Vertreter der Neuen Leipziger Schule, einer Gruppe figurativer Künstler, die seit den 1990er Jahren erfolgreich war. Doch mit solchen Kategorien, so sagte er jetzt, könne er eigentlich nicht so viel anfangen.

„Ich will die Wieder-Verzauberung der Welt“, sagte Rauch. Große Worte – und doch wirkt der 57 Jahre alte Maler fast schon verlegen, umringt von seiner Kunst: Großformatige farbenfrohe Gemälde mit langen altertümlichen mysteriösen Figuren in surrealistischen Räumen und dramatischen Landschaften.

Rauch begrüßt seine Bilder wie „sehr vertraute Familienangehörige“, die er lange nicht gesehen hat. Für ihn sind es fast schon eigenständige Wesen. Deren Kraft, so sagt er, entfalte sich auch noch Jahre nach seinem letzten Pinselstrich. „Am Anfang“, erzählt er, „ist die Leinwand für mich wie eine Nebelwand.“ Das Kunstwerk, das in der Leinwand verborgen liege, müsse sich ihm erst erschließen.

Der internationale Ruhm hat für den Leipziger Maler auch eine Schattenseite. Immer wieder wird er gebeten, seine Bilder zu deuten. Das mag er gar nicht. Er lehne das rationale Erleben ab, sagt er. „Für mich ist der ideale Betrachter der, der sich ausliefert, der sich verführen lässt.“

Einfach macht Rauch es dem Betrachter dabei nicht. Seine Gemälde sind mit einem Blick nicht zu erfassen. Sie zwingen zum intensiven und wiederholten Hinschauen, sind befremdlich und auch bedrohlich. Zunächst erscheinen die Szenen so realistisch wie Fotos. Elektrizitätsmasten etwa verweisen auf die Gegenwart. Doch dann sieht man wundersame Figuren, die aus längst vergangenen Epochen zu stammen scheinen.

So wie der Trommler auf dem Bild „Gewitterfront“ (2016). Es ist ein altertümlich gekleideter junger Mann, wie diejenigen, die früher das Heer beim Marschieren anführten. Doch dieser Trommler marschiert nicht, sondern kniet, während sich über ihm ein Gewitter drohend zusammenbraut.

Neo Rauch schafft seine eigene magische Welt, die vielleicht am besten mit dem Wort „Dromos“ zu umschreiben ist. Der Titel der Ausstellung verweist auf den alt-griechischen Begriff für den Weg zu einem Heiligtum. Im alten Ägypten war dieser Pfad auch von Sphinxen gesäumt: Magisch, geheimnisvoll, bedrohlich und voller Sehnsucht.

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