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Ausstellung

Große Vasen – kleine Bilder

Die Galerie Zink bringt Künstler zusammen: Malerin Rosilene Ludovico und Keramiker Johannes Nagel zeigen „Alabaster“.
Von Claudia Böckel

Blumen würden in den Porzellanvasen von Keramiker Johannes Nagel nur stören.  Foto: Böckel
Blumen würden in den Porzellanvasen von Keramiker Johannes Nagel nur stören. Foto: Böckel

Waldkirchen.„Alabaster“ – der Ausstellungstitel gibt schon das Programm vor. Es geht um etwas Helles, Durchscheinendes in den Farben Weiß, Hellgelb, Rötlich, Braun oder Grau. Manche der Porzellanvasen oder -objekte des Keramikers Johannes Nagel haben auch blaue oder grüne Elemente, auch mal dunkle Akzente oder sind, ganz in fernöstlicher Tradition, an Rissstellen mit Gold ausgebessert. Aber in der Hauptsache zeigen sie ihre Materialität: das Porzellan. Vasen sind diese Objekte nur im weitesten Sinne. Blumen würden nur stören.

Die Oberflächen der Gefäße, Schläuche und Vasen sind schrundig, rissig, stumpf, haben Stacheln oder grobe Ausbuchtungen. Im Inneren beginnen sie zu glänzen durch strahlend helle Glasuren. Nagels Arbeiten sind so etwas wie der Missing Link zwischen gedrehter und gebauter Keramik. Um sie herzustellen, gräbt Nagel mit dem ganzen Arm in Sandkisten hinein, speichert diese Bewegung und Drehung durch Ausgießen der Hohlräume, später durch Abgüsse. Wie negative Sandburgen kann man sich diese Kisten vorstellen. Die Objekte wirken dann wie unterirdische Höhlensysteme, komischerweise sind sie nach oben offen. Um ihnen Standfestigkeit zu verleihen, bekommen manche der Objekte einen Bleifuß.

Aufbauarbeit ist umgekehrt

Die traditionelle Aufbauarbeit des Keramikers ist hier quasi umgekehrt. Nagel sagt: „Das Graben und Abformen von Löchern, Tunneln, Hohlräumen ist als bildhauerischer Prozess ein ganz direkter, aufmerksamer Speicher der Bewegungen der Hand. Eine Art plastische Geste.“ Auch die Objekte, die der Vasenform noch nahekommen, stehen schief, lassen ihre „Köpfe“ hängen und tragen poetische Namen wie „Stegreif“.

Zwei Künstler

  • Rosilene Ludovico:

    Sie wurde 1969 in Espirito Santo in Brasilien geboren, studierte bei Konrad Klapheck und Siegfried Anzinger an der Kunstakademie Düsseldorf. Zarte Melancholie und Poesie prägt ihre geheimnisvollen Arbeiten, die von den Geschichten ihrer Heimat inspiriert sind.

  • Johannes Nagel:

    Er wurde 1979 in Jena geboren und gehört zu den derzeit interessantesten Künstlern, die mit Keramik arbeiten. Er studierte in Kanada und Halle und hatte eine Professur an der Burg Giebichenstein inne.

Galerist Michael Zink zeigte sowohl Johannes Nagel als auch Werke der Malerin Rosilene Ludovivo schon in der Eröffnungsausstellung in Waldkirchen zusammen mit anderen Künstlern der Galerie. Daraus entstand die Idee, die Werke dieser beiden Künstler zu kombinieren. Sie arbeiten mit gegensätzlichen Materialien, die eine malerisch, der andere bildnerisch, aber in ähnlichen Farben und mit ähnlicher Intensität. Gerade die Kombination ihrer Werke öffnet die Augen für die Feinheiten in der Gestaltung.

Für die neue Ausstellung waren mit der Malerin zwölf Arbeiten im selben Format abgesprochen. Es sind zwölf Porträts geworden, von Freunden und Freundinnen, die selber Künstler sind. Alle schlafen oder befinden sich in dem intimen Moment zwischen Wachen und Träumen. In pastelligen Farben, die Gesichter immer in leuchtendem Weiß, zeigt sie nur die Köpfe, oft oben angeschnitten. Umrisshaft klar und flächig sind die Gesichter gefasst, nur ganz wenig farblich modelliert, „nur noch das Licht von dem Menschen ist da, nicht mehr die reale Person“, sagt sie. Abwechslung bringen die Haare als wichtige Gestaltungselemente: eine Frau mit geometrischem Haarschnitt trägt auch geometrisch strukturierte Kleidung, eine andere ist von grünen Blättern umgeben.

Weiße Farbe faszinierte

Rosilene Ludovico stammt aus einer einsamen Berggegend im brasilianischen Urwald. Ein Leben mit der Natur. Ihr Vater kalkte jedes Jahr zu Weihnachten das Haus und diese weiße Farbe faszinierte sie schon als Kind. „Und ich hatte das Gefühl, ich müsste versuchen, alle diese Bilder, die ich in mir hatte, aus diesem Weiß herauszuholen.“ Seit der Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie arbeitet sie mit sorgsam hergestellten Kreidegründen, findet ihre Bildideen durch tägliches Zeichnen und akribische Vorarbeiten. Die spektakuläre Hängung der kleinen Bildformate mit sehr viel weißer Wand drumherum und die gedämpfte Ausleuchtung bringen diese auf den ersten Blick unspektakulären Porträts zum Leuchten, zeigen die innere Ähnlichkeit zum Modell mehr als die äußere.

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