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Ausstellung

Großvaters Sägebock in Bronze

Die Kebbelvilla zeigt die Sammlung des Bezirks. Aufsehen erregt Susanne Neumann mit einem transformierten Inventar.
Von Michael Scheiner

Der Sägebock aus Bronze von Susanne Neumann stand bei der Vernissage in der Kebbelvilla im Mittelpunkt des Interesses. Foto: Scheiner
Der Sägebock aus Bronze von Susanne Neumann stand bei der Vernissage in der Kebbelvilla im Mittelpunkt des Interesses. Foto: Scheiner

Schwandorf.Noch dominieren männliche Künstler, wenn man in der aktuellen Ausstellung der Kebbelvilla die Schildchen mit den Namen und Titeln der Arbeiten studiert. Daran ist nichts Ungewöhnliches oder gar Anrüchiges, das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in den meisten Ausstellungshäusern der Fall. Weniger wahrscheinlich ist dagegen, dass bei Neuankäufen – soweit solche überhaupt noch getätigt werden können – Künstlerinnen zahlenmäßig überwiegen.

Bei den neu erworbenen Kunstwerken der Sammlung des Bezirks Oberpfalz scheint es seit wenigen Jahren einen solchen Trend zu geben. Nun tritt der Bezirk keineswegs als Großeinkäufer von Kunst auf, um daraus einen sicheren statistischen Wert ableiten zu können. Doch bereits 2016 standen Arbeiten von Künstlerinnen wie Eveline Kooijman im Fokus der Neuerwerbungen und 2017 stammten zwei der drei Ankäufe von Frauen.

Blick auf die Blütenlese von Maria Maier Foto: Scheiner
Blick auf die Blütenlese von Maria Maier Foto: Scheiner

Von Maria Maier (Köfering) sieht man ein dreiteiliges Wandbild aus der Serie „Farbduft“, das Fotografie mit farbintensiver Malerei kombiniert, Mitten im Oberpfälzer Künstlerhaus ist eine Bronzeplastik von Susanne Neumann (Waldsassen/Wien) prominent platziert. Ebenfalls dreidimensional ragt die gekrümmte, karge Holzskulptur „Rückgrat“ von Vasilij Plotnikov (Schwarzhofen) in den Raum.

„Rückgrat“ heißt das hoch aufragende Werk von Vasilij Plotnikov. Foto Scheiner
„Rückgrat“ heißt das hoch aufragende Werk von Vasilij Plotnikov. Foto Scheiner

Alle drei Neuerwerbungen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die am Wochenende Bürgermeisterin Ulrike Roidl und Bezirkstagspräsident Franz Löffler eröffneten. Kuratorin Andrea Lamest, Leiterin der Kebbelvilla, dem wichtigsten Ort für zeitgenössische und regionale Kunst der Region, gab eine Einführung. „Insgesamt 57 Werke von Oberpfälzer Künstlern wurden in den letzten acht Jahren gekauft“, verwies Löffler stolz auf die ambitionierte Kunstpolitik des Bezirks. Die Auswahl neuer Werke, die einem „Fachgremium aus Kunstexperten, Vertretern des Bezirkstags, der Bezirksheimatpflege, dem Oberpfälzer Künstlerhaus und der Stadt Schwandorf“ traf, sei „ein Highlight im Leben des Bezirkspräsidenten“, genoss Löffler sichtlich die Rolle als Kunstmäzen.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler betonte das Engagement des Bezirks. Foto: Scheiner
Bezirkstagspräsident Franz Löffler betonte das Engagement des Bezirks. Foto: Scheiner

Ihm selbst tat es vor allem Susanne Neumanns „Sägebock“ an. „Für mich ist die handwerklich gestalterische Ausführung eines zusammengeflickten Sägebocks als Bronzeobjekt ein starkes Abbild vom einfachen Leben und beharrlichen Arbeiten der Menschen in der Oberpfalz“, erläuterte Löffler sein Berührtsein. „Die Menschen hier waren immer fleißig – und innovativ“, schlug er einen Bogen zur „kreativen Stärke Oberpfälzer Künstlerinnen und Künstler“.

Die Ausstellung

  • Die Sammlung:

    Das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg gibt in der Ausstellung „Sammlung Bezirk Oberpfalz“ Einblick in die zeitgenössische Kunst der Region. Aktuell umfasst die Sammlung 111 Objekte aus Malerei und Grafik sowie 40 Plastiken und Installationen. 56 Werke sind in der aktuellen Schau zu sehen.

  • Die Ausstellung:

    Im Mittelpunkt stehen Neuerwerbungen von Maria Maier, Susanne Neumann und Vasilij Plotnikov. Zu sehen sind außerdem Arbeiten von Annegret Hoch, Siegfried Karls „Norwegerin“, von Peter Lang, Heribert Losert, Heiner Riepl, Georg Tassev, Richard Vogl und Paul Schinner. Die Ausstellung geht bis 25. März.

Bürgermeisterin Roidl dankte in ihrem Grußwort dem Bezirk für sein kulturelles Engagement und dafür, dass er „jährlich ein fünfstelliger Betrag für Neuankäufe“ zur Verfügung stelle.

„Blühende Farberkundungen“ erkennt Kuratorin Andrea Lamest in den farbenfroh leuchtenden Bildern von Blüten und Blättern von Maria Maier. Die Künstlerin sei bei einen Irlandaufenthalt inspiriert worden, den sie ihm Rahmen eines Künstleraustausches absolvierte. Fragil erscheine die mit Säge gestaltete Holzarbeit von Vasilij Plotnikov, der in der Werkkunstschule in Flensburg Bildhauerei studierte, sich aber auch schon zuvor intensiv mit den Werkstoffen Holz und Metall auseinandergesetzt hatte.

Andrea Lamest gab eine Einführung zur Ausstellung. Foto: Scheiner
Andrea Lamest gab eine Einführung zur Ausstellung. Foto: Scheiner

„Morgengymnastik“ habe es Neumanns Großvater genannt, wenn er am Sonntag vor dem Kirchgang eine Stunde Holz sägte. Die Künstlerin zerlegte für ihre Bronzeplastik den abgenutzten Sägebock in Einzelteile und ließ ihn in einer Mailänder Gießerei exakt nachbilden. Tatsächlich erregte die täuschend echt erscheinende Skulptur eines früher alltäglichen Werkzeugs in der Ausstellung wohl am meisten Aufmerksamkeit. Das Werk löste einerseits Verwunderung und Unsicherheit aus, viele Besucher verbanden aber wohl auch eigene Erlebnisse und Eindrücke mit „Großvaters Sägebock“.

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