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Kultur
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Regensburg.

Gute Aussichten: Regensburgerin wird bayernweit Dritte

Die on3-Lesereihe gab in fünf bayerischen Uni-Städten noch unbekannten jungen Autoren ein Podium.

Katharina Höhendinger war bei der on3-Lesereihe die Regensburger Lokalmatadorin. Foto: Kellner

Von Katharina Kellner, MZ

„Aussichtslos“ war das Motto, das die Macher der Lesereihe von on3radio, des Jugendradios des Bayerischen Rundfunks, an die Nachwuchsliteraten ausgegeben hatten. Was die jungen Autoren zu dieser Vorgabe aufs Papier brachten, ist alles andere als aussichtslos und stimmt zuversichtlich, dass man von dem einen oder der anderen noch hören wird. Die skurrilen, schrägen, nachdenklichen und hintergründigen Geschichten – exklusiv zum Thema „Aussichtslos“ geschrieben – machten Lust auf mehr.

Die Reihe, als Kombination zwischen Lesung und Konzert konzipiert, zog durch fünf bayerische Uni-Städte: Augsburg, Erlangen, Bayreuth, Regensburg und München. In jeder Stadt hatten sich die Organisatoren nach literarischen Jungtalenten umgehört, die bereits auf Poetry-Slams und in Literaturwerkstätten mit ihren (Song-)Texten in Erscheinung getreten sind.

In Regensburg fand sich unter den Dreien, die antraten, nur eine Autorin, die in der Domstadt zu Hause ist: Katharina Höhendinger, 26 Jahre, ist Mitglied der Regensburger Jungautoren-Gruppe „Salamander“ und hat gerade ihr Studium in Regensburg beendet. Dementsprechend groß war ihre Fan-Gemeinde bei der Lesung an der Uni. Dass ihr Text im User-Voting am Freitag den dritten Platz im bayernweiten Wettbewerb machen sollte, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mit ihrem ruhig erzählten Text „Kreuzfahrer“ gelang es Höhendinger, Bilder heraufzubeschwören, die jeder Regensburger kennt: Die Luxusdampfer, die Touristenströme ausspucken, die eng aneinandergereihten farbigen Häuschen der Altstadt. Höhendinger schreibt über das, was sie sieht. Jahrelang joggte sie am Donauufer und fing Eindrücke ein, die sie in ihren Texten verarbeitet. Sie ist eine genaue Beobachterin und gibt ihrer Erzählung durch den Lokalkolorit Farbe. Ihr Held, Kapitän Hans Repko, kann sich mit seinem abgehalfterten Schiff, der MS Veronika, mehr schlecht als recht im Wettbewerb behaupten. Er träumt von längst vergangenen Fahrten im schwarzen Meer. Repkos wirtschaftliche Lage ist zwar aussichtslos, doch er lässt sich nicht unterkriegen, sondern schafft sich ein Ventil.

Thomas Dörschel (Jahrgang 1977) aus Berlin hatte bei der Regensburger Lesung gleich zwei Auftritte: Er las nicht nur seinen Text über drei Sprayer, die eine wichtige Botschaft haben, sondern bestritt zusammen mit seinem Bandkollegen Nino Skrotzki das Konzert im Anschluss. „Virginia Jetzt!“ heißt die Band, ihre Spezialität sind Pop-Hymnen.

Heiner Lange (Jahrgang 1986) aus Landshut, der dritte Autor des Abends, studiert in München und hat bereits rund 100 Auftritte auf Poetry-Slams hinter sich. Er las mit extrovertierter Gestik eine Geschichte, die an den Film „Lola rennt“ erinnert: Ein Thema, mehrere Varianten. „Bevor ich beim Schreiben Tränen vergieße, lasse ich lieber Blut fließen“, hatte er angekündigt. Sein Ich-Erzähler wird von einem alten Klassenkameraden in einem skurrilen Trip durch die Stadt gehetzt. Letzterer betont, wie aussichtslos alles ist und springt in den Tod, um in der zweiten Episode wiederaufzuerstehen. Eine eher kuriose als aussichtslose Geschichte also. Schlechte Aussichten hat Regensburg nur in einer Hinsicht: Katharina Höhendinger bleibt der Stadt nicht erhalten, sie geht für unbestimmte Zeit nach Istanbul. Dort will sie Geschichten finden, beobachten. Aber vielleicht kommt sie eines Tages zurück – mit neuem Lesestoff.

Alle Texte sind im Netz nachzuhören: www.on3radio.de/lesereihe

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