mz_logo

Kultur
Montag, 23. April 2018 22° 6

Musik

Harmonisches und ausgefeiltes Klangbild

Cantabile kompensiert beim Dreikönigskonzert im Chorraum des Niedermünsters den Ausfall von Chorleiter Matthias Beckert.
Von Michael Scheiner

Berührende Spiritualität – auch diese kennzeichnete den Auftritt von Cantabile Foto: Scheiner

Regensburg.Warum er das Wort erhebe, leitete der Sprecher von Cantabile nach der Aufstellung des Chors im Chorraum des Niedermünsters das Dreikönigskonzert ein. „Unser Leiter, Professor Matthias Beckert,“ könne den Auftritt nicht dirigieren, kündigte er an. Beim Aufeinandertreffen mit einer Eisplatte in Garmisch-Partenkirchen „hat er sich die Schulter gebrochen“, und ein solches Ereignis führe bei einem Dirigenten „zum Totalausfall“. Sie würden aber dennoch singen, denn der Chor vereine „viele Kompetenzen und Talente in seinen Reihen“. So habe sich „unser Chormitglied Florian Karl aus dem Tenor bereiterklärt“, den Auftritt zu dirigieren.

Wie eine beruhigende Botschaft an die Adresse des darniederliegenden Chorleiters wirkte dann der Einstieg mit dem Lied „Selig seit ihr“ nach dem Matthäus-Evangelium. Darin heißt es: „Selig sind, die da Leid tragen / denn sie sollen getröstet werden.“

In der Version des Allgäuer Komponisten Wolfram Buchenberg entfaltete das sechsstimmig arrangierte Gotteslob eine außerordentliche Dynamik vom innigen pianissimo bis zum fortissimo, das vor allem im Sopran eine umwerfende Kraft verbreitete. Geradezu bildhaft stellte das folgende traditionelle Volkslied „Aber Heidschi Bumbeidschi“, ebenfalls von Buchenberg achtstimmig arrangiert, das Schaukeln der Wiege durch die Mutter nach. Lauter und leiser werdend durchläuft der fein abgezirkelte Gesang die einzelnen Stimmen und endet praktisch nur noch wispernd im tiefen Männerbereich – das Kind ist eingeschlafen!

Eigentlich hätte man das Konzert am Dreikönigstag auch ein Buchenberg-Konzert nennen können, denn zu dem an der Musikhochschule in München tätigen Komponisten hat das Regensburger Vokalensemble eine besondere Beziehung. Nach einem ersten Album mit Liedern Buchenbergs plant Cantabile in diesem Sommer eine weitere CD mit einigen Chorwerken aufzunehmen und noch 2018 herauszubringen. Neben etlichen seiner Werke standen im Niedermünster nur wenige Lieder der ungarischen Komponisten Zoltán und Zsolt Gárdonyi, Vater und Sohn, und des Oberpfälzers Hans Koessler, eines Spätromantikers, auf dem eineinhalbstündigen, anspruchsvollen Programm, das der Chor unter ungewohnter Führung bravourös meisterte.

Vor allem bei dem achtstimmig arrangierten, lateinischen „Dum Medium“ aus dem alttestamentarischen Buch der Weisheit arbeitete Karl mit dem Vokalensemble eine berührende Spiritualität heraus. Aus tiefer Tiefe stiegen die Stimmen im crescendo langsam empor und kulminierten im machtvollen „(…) da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königsthron herab dein allmächtiges Wort“, bevor sie wieder ins „silentium“ hinabsanken und sich in der Stille auflösten.

Nach einem geistlichen Gedicht aus Island aus dem 14. Jahrhundert, von Buchenberg kraftvoll arrangiert, verabschiedete sich Cantabile mit einem sanft-melancholischen „Einsamkeit“ von Koessler und Matthias Claudius’ „Der Mond ist aufgegangen.“ Den nachbarlichen Himmelskörper, bei nachmittäglichem strahlendem Sonnenschein, präsentierte der hervorragend aufgestellte Chor, in einem recht konventionellen Arrangement von Zsolt Gárdonyi.

Nur in sehr hohen Lagen geriet das harmonische und ausgefeilte Klangbild während des ansonsten exzellenten Konzertes hie und da einmal kurz aus dem Fugen. Leiter Matthias Beckert kann sich beruhigt seiner Genesung widmen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht