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Heimatlicher Blick in die Welt

Die Beiträge im Bayernfenster zeigen heuer internationale Eindrücke. Höhepunkt der im Freistaat produzierten Filme ist ein Porträt aus Montreal.
Von Fred Filkorn, MZ

Der Kurzfilm „Mission Junge“ der HFF München eröffnet das Bayernfenster.

Regensburg. Frankreich, Norwegen, Montreal – von den kurzen Filmen, die im Bayernfenster laufen, spielt nur ein einziger im Freistaat. Und auch der befindet sich knapp an der Grenze, der zu Tschechien. Die Filme des Bayernfensters müssen lediglich dort produziert worden sein.

Der erste Beitrag bleibt in der Heimat, auf der Alm. Ein kleiner, schüchterner Bub liefert einen guten Grund, bessere Filme und Fernsehserien zu machen. Die einminütige Eigenwerbung der Hochschule für Fernsehen und Film in München beweist: so prägnant und witzig können Kurzfilme sein. Der darauffolgende „Kiran“ bleibt zwar beim Thema – einer Jugend auf dem Land – idealisiert dabei aber zu sehr das naturnahe Leben, so dass man nach einer halbe Stunde froh ist, dass der französische Streifen endlich sein pädagogisches Ziel erreicht hat – eher etwas für Freunde der französischen Doku „Sein und Haben“. Aus Kindern werden irgendwann Jugendliche und die gehen gerne auf eine Jugendfreizeit. Als dann Schnellfeuerschüsse durch den Betroffenheitsfilm „Lärmende Stille“ knallen, wird aus Spaß blutiger Ernst.

Weg vom rein narrativen Erzählen, hin zur künstlerischen Collage führt „Fait Accompli“ (Vollendete Tatsachen). Zeichnungen und Fotos anonymer Wohnsilos, geisterhafte Menschen, die sich als Schatten ihrer selbst durch ebendiese bewegen. Eine auf und ab schwellende Dvorak-Symphonie sorgt für Dramatik.

Porträtblick auf eine verschlossene Welt

Das Highlight des Bayernfensters ist „Through The Lenses Of Inkedkenny“. Der Porträtfilm zweier Absolventinnen der Münchner HFF ist im Austausch mit der Montrealer Filmschule L’Insis entstanden. Der Film beeindruckt, weil er einen Blick auf eine Welt wirft, die Außenstehenden normalerweise verschlossen bleibt. Sensibel und frei von Voyeurismus stellt der Film den asiatischstämmigen Inkedkenny vor, der eine Vorliebe für die schwule „Bear Community“ Montreals hat und die muskelbepackten, haarigen Männer in Fotosessions ablichtet. In intimen Bildern erzählen Denize Galiao und Marie Elisa Scheidt, wie Kenny, der seit dreißig Jahren HIV-positiv ist, von der eigenen Mutter diskriminiert wurde und seinen langjährigen Lebenspartner verlor.

Für den abschließenden „Die letzte Grenze“ konnte Filmstudent Daniel Butterworth den bekannten österreichischen Theater- und Filmschauspieler Johannes Silberschneider gewinnen. Eine verhinderte Liebesgeschichte, die mit Krimielementen aufgemöbelt wird, die ins Nichts führen. Dazu ein unplausibel anmutender Subplot: Die deutsch-tschechische Grenze zu Zeiten des Eisernen Vorhangs als Schmuggelroute für Kokain? Eher nicht.

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