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Heimspiel: Dieser Film ist heiß erwartet

Patrick Vollrath war für den Kurzfilm-Oscar nominiert. Beim Heimspiel präsentiert er sein Langfilmdebüt „7500“.
von Fred Filkorn

Sein Oscar-nominierter Kurzfilm „Alles wird gut“ hat Patrick Vollrath Tor und Türen in die amerikanische Filmindustrie geöffnet. Foto: Anna Hawliczek
Sein Oscar-nominierter Kurzfilm „Alles wird gut“ hat Patrick Vollrath Tor und Türen in die amerikanische Filmindustrie geöffnet. Foto: Anna Hawliczek

Regensburg.Das Thema von Patricks Vollraths Langfilmdebüt „7500“ kommt einem vertraut vor: Wie soll man reagieren, wenn Terroristen drohen, ein voll besetztes Flugzeug auf eine Menschenmenge am Boden stürzen zu lassen? Soll man riskieren, dass die Passagiere an Bord ihr Leben verlieren? Oder ist der Blutzoll viel größer, wenn die Maschine auf ein ausverkauftes Fußballstadion oder eine belebte Innenstadt zurast und Menschenleben auslöscht?

Ging es 2016 in Lars Kraumes viel diskutiertem Fernsehfilm „Terror – Ihr Urteil“ noch darum, ob die Staatsmacht das Personenflugzeug prophylaktisch abschießen soll, verlagert Vollrath diese moralisch äußerst schwierige Frage auf eine persönlichere Ebene. In „7500“ muss Ko-Pilot Tobias Ellis entscheiden, ob er die islamistischen Attentäter in sein Cockpit lassen soll, während draußen vor seiner Tür die Passagiere dahingemeuchelt werden. Dramatisch zugespitzt wird die Situation dadurch, dass an Bord Ellis‘ Lebensgefährtin Gökce (Aylin Tezel) ihren Dienst als Stewardess verrichtet.

Heimspiel

  • Eröffnung:

    Am Donnerstag, 14. November, 18.30 Uhr, startet das Heimspiel mit dem französischen Polizeithriller „Les Misérables“, der heuer in Cannes den Jury-Preis gewann. Um 22 Uhr spielt im Ostentorkino Containerhead. Ab 23.30 Uhr steigt in der Kinokneipe die Eröffnungsparty.

  • „7500“:

    Vollrath stellt seinen Film am Samstag, 17 Uhr, im Ostentorkino vor.

  • Verlosung:

    Die MZ verlost Dauerkarten und Karten fürs Jan Bonny-Special. Wer gewinnen will, schreibt heute eine Mail an gewinnspiel@mittelbayerische.de (Stichwort: „Heimspiel“).

Der Wert eines Menschenlebens

„Hätte ich den Film damals im Fernsehen gesehen, hätte ich auch dagegen gestimmt, das Flugzeug abzuschießen. Ein Menschenleben ist so viel wert wie das von 70 000“, erklärt Vollrath, „schließlich kann man ja nie wissen, ob der Absturz im letzten Moment nicht doch noch abgewendet werden kann.“

Vollrath wollte in seinem ersten Langfilm zeigen, dass hinter jedem Terroristen auch ein Mensch steckt, der das Potenzial hat, seine brutalen Taten anzuzweifeln: „Es geht darum, einen Ausweg aus einer immer weiter eskalierenden Gewaltspirale zu zeigen, indem man nicht Rache als Antwort auf Gewalt wählt, auch wenn man diesen nachvollziehbaren Wunsch hegt.“

Aus der rein deutschen Besetzung bei „7500“ sticht der amerikanische Hollywood-Schauspieler Joseph Gordon-Levitt heraus, der den jungen Flugkapitän Tobias Ellis verkörpert.

Patrick Vollraths Kurzfilm „Alles wird gut“ war nach dem Gewinn des Studenten-Oscars 2016 für den Kurzfilm-Oscar nominiert, was ihm Tor und Türen auch in die amerikanische Filmindustrie öffnete: „Ein Kurzfilm ist sowas wie eine Visitenkarte: Die Leute bekommen einen Eindruck davon, welchen Stil und welche Vision von Film man hat.“

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Regisseur Haneke als Mentor

Gordon-Levitt wurde kontaktiert, er sah sich Vollraths Kurzfilm an, las das Drehbuch und lud den Regisseur zu einem Gespräch nach L.A. ein. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte er zu. „Er wollte, nachdem er zweimal Vater geworden war, mal wieder eine Rolle spielen, die ihn emotional herausfordert“, verrät Vollrath.

Der 34-jährige Niedersachse hat an der Filmhochschule in Wien studiert, sein Lehrer und Mentor war der bekannte österreichische Regisseur Michael Haneke („Das weiße Band“). Von Haneke habe er zwei Sachen gelernt: Glaubwürdigkeit und Genauigkeit: „Die Geschichte und die darin agierenden Figuren müssen glaubwürdig sein, damit der Zuschauer sich in ihnen wiedererkennen kann. Und Glaubwürdigkeit erreicht man durch Genauigkeit. Indem man menschliches Verhalten genau beobachtet und dann ebenso genau im Film wiedergibt.“

„7500“ hat Vollrath als eine Art Kammerspiel angelegt, dafür ist der abgegrenzte Raum eines Flugzeug-Cockpits bestens geeignet. Über Funk hält der Kapitän Kontakt zur Außenwelt, per Überwachungskamera verfolgt er das Geschehen unmittelbar vor der Cockpittüre. Was sich im Passagierraum abspielt, überlässt Patrick Vollrath klugerweise der Imagination der Zuschauer.

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