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Kultur
Mittwoch, 15. August 2018 27° 3

Trilogie

Himmlische Musik rund um Asteroid 7881

Bassist Markus Schieferdecker lässt sich vom gleichnamigen Planeten inspirieren und komponiert feinen, stellaren Jazz.
Von Susanne Wiedamann

Markus Schieferdecker widmet sich musikalisch der Sternenwelt. Foto: Schieferdecker
Markus Schieferdecker widmet sich musikalisch der Sternenwelt. Foto: Schieferdecker

Regensburg.Manchmal haben Zufälle große Wirkung. 1992 wird der Asteroid 7881 entdeckt und erhält den Namen Schieferdecker. Ein gerade mal 20-jähriger Nürnberger Bassist erfährt dies aus dem Radio und fängt an zu forschen. Ja, jener Barock-Komponist und Bach-Zeitgenosse Johann Christian Schieferdecker ist ein Urahn, erfährt Markus Schieferdecker von seinem Vater. Diese Konstellation lässt den jungen Jazzer nicht mehr los – und führt 25 Jahre später zu einem einzigartigen musikalischen Projekt: „Asteroid 7881“, heißt die Trilogie, mit deren erstem Teil Schieferdecker seit 2017 auf Tour ist und nun mit seinem himmlischen Programm auch Regensburg beglückt. „Ich fand die Idee ganz gut, musikalisch im Space zu denken und nicht in starren Strukturen“, erklärt Markus Schieferdecker.

Neue CD beim Weekend?

„Ich wollte zunächst standardeske Musik spielen: Jazz, der von Sonne, Mond und Sternen handelt.“ Gerade wird in New York die erste CD des Asteroid 7881-Projekts mit Schieferdeck’schen Versionen bekannter Standards abgemischt und gemastert – die mit etwas Glück schon beim Weekend präsentiert wird.

Den Video-Trailer zur neuen CD „Standards“ sehen Sie hier:

Das kennt Schieferdecker übrigens schon von einigen früheren Auftritten. Und auch Regensburg selbst ist er seit Jahrzehnten verbunden, hatte er hier doch schon als junger Musiker mit Trompeter Duško Gojkovi´c, dem damaligen Leiter des Landes-Jugendjazzorchesters Bayern, im Keller der Städtischen Musikschule geprobt. Vertrautes Terrain also.

Von „Moon River“ über „Old Devil Moon“, „Moon and Sand“, „Solar“ von Miles Davis und Eric Dolphys „The Red Planet“ bis zu dem komplett neu arrangierten „Blue Skies“ und etlichen Eigenkompositionen reicht die Palette an stellarem Jazz.

Sprechen schon die Standards klar die Sprache des inzwischen in Köln beheimateten Bassisten, so erschaffen seine Eigenkompositionen umso mehr seinen ureigenen Klangkosmos. In Regensburg spielt Schieferdecker mit dem deutschen Trompeter Julian Wasserfuhr, dem Pianisten Victor Gould, Shootingstar der New Yorker Szene, und dem Schlagzeuger Joris Dudli aus Wien.

Eine Weltraumreise

Ob in „Standards“, dem ersten Teil der Trilogie, ob in Teil zwei, in dem Schieferdecker und seine Musiker atmosphärisch im Weltraum kreisen wollen, oder in dem noch bevorstehenden Teil drei, den der Bassist unter dem Titel „Schieferdecker spielt Schieferdecker“ der Begegnung mit seinem Urahn vorbehalten hat – der Barockmusiker ist als Impulsgeber immer dabei.

Markus Schieferdecker hat sich ausführlich über die Kompositionen von Johann Christian Schieferdecker informiert. Allerdings ging ein Großteil von dessen Werken bei einem Archivbrand für immer verloren. „Aber ich bin Musiker und kein Forscher. Ich lasse mich inspirieren und schaue, was sich da für mich bewegt.“ Auch wenn sich Schieferdecker nicht als Wissenschaftler sieht, einen Lehrauftrag hat er trotzdem, am Lehrstuhl für Musikpädagogik an der Uni Bamberg. Dort bietet er am 21. Juli ab 13 Uhr einen Workshop mit Wayne Escoffery, Joris Dudli und Victor Gould an, zu dem jeder kommen kann.

ASTEROID 7881

  • Impuls:

    1992 wurde der Asteroid 7881 nach dem Barockmusiker Johann Christian Schieferdecker (1679 bis 1732) benannt. Der Kleinplanet inspirierte den aus Nürnberg stammenden Bassisten und Komponisten Markus Schieferdecker zu seinem Musikprojekt.

  • Das Projekt:

    „Asteroid 7881“ ist als Trilogie geplant. Der erste Teil, aus dem beim Jazzweekend in Regensburg zu hören ist, widmet sich Standards. Auftrittstermine beim Jazzweekend sind: Do., 19. Juli, 19.30 Uhr, Gewerbepark, und Fr., 20. Juli, 20 Uhr, Thon-Dittmer-Palais (sw)

„Eine spannend unterhaltsame Weltraum-Abenteuerreise von zeitgenössischem Jazz bis zum Klangkosmos barocker Musik“ verspricht das Asteroid 7881-Projekt. „Ich bin ein bisschen weg vom Hardcore-Jazz“, gesteht Schieferdecker. „Mir ist es wichtig, dass ein Jazzsound entsteht, ein Klanghorizont kreiert wird, dass sich etwas Neues entwickelt.“ Dies passiert spannend im Stück um das Riesenteleskop Arecibo, in der Komposition „Aus heiterem Himmel“ oder dem „Planet Mingus“, mit dem er dem von ihm verehrten Bassisten huldigt. Der Mix aus Space, Jazz, Improvisation und Klassik ist aufregend und schön.

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