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Theater

Ihr geht’s beschissen, aber himmlisch

Holly Golightly frühstückt im Turmtheater bei Tiffany gegen ihr „Rotes Elend“ an.
Von Peter Geiger

Ob der Großgrundbesitzer der richtige Mann für Holly ist? Foto: Alba Falchi
Ob der Großgrundbesitzer der richtige Mann für Holly ist? Foto: Alba Falchi

Regensburg.Niemand kann an den Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ denken, ohne sogleich Audrey Hepburn vor dem geistigen Auge zu sehen: Mit ihrem schwarzen Kleid, der schwarzen Sonnenbrille und der schwarzen Zigarettenspitze, kombiniert mit Hochsteckfrisur und den silbern flunkernden Klunkern, ist sie zur Ikone geworden. Wiltrud Stiegner, die Hauptdarstellerin in der neuen Inszenierung des Truman-Capote-Klassikers im Regensburger Turmtheater (Premiere am Donnerstag um 20 Uhr) war sich von Anfang solcher Klischee-Gefahren bewusst. Und hat sich gerade deswegen den Hollywood-Klassiker von Blake Edwards aus dem Jahr 1961 noch einmal angesehen, um auf der Basis souveräner Kenntnis des Filmidols die Rolle der Holly Golightly ganz eigen interpretieren zu können.

Und so vertraut sie auf jene Mittel, die „Wiltrud halt zur Verfügung hat“. Ganz keck sagt sie das. Und lacht dazu, ohne auch nur ansatzweise arrogant zu wirken. Die Schauspielerin, die in Innsbruck lebt, spricht jenseits der Bühne unverkennbar tirolerisch, wenn sie ihre Strategie verrät: „Naja, wie immer halt: Die Figur ernst nehmen! Und zwar in allem, was sie tut.“

Räuspert sich leise und rückt ihre Ginvenchy-Brille mit den blickdichten Gläsern zurecht. Richtig teuer sei die gewesen! Da stockt ihren drei männlichen Kollegen doch fast der Atem. Wertvolle Bühnenausstattung – wo doch auch eine billige Kopie genügte? Ach, so beruhigt sie, ein Geschenk! Bleibt nur die Frage: Flunkert sie jetzt? Oder meint sie’s tatsächlich ernst?

Völlig egal: Wiltrud Stiegner, die Regensburg-Debütantin, die partout keine Kopie der Audrey Hepburn abliefern will, zeigt so, dass sie sich die Lebensphilosophie der frivol-flirrenden Protagonistin während der vierwöchigen Probenarbeiten erfolgreich anverwandelt hat.

Regisseurin Anne Claussen betont, dass sie der Mischung aus Mädchen-Charme und tragischem Hintergrund erlegen sei: „Mir gefällt der Bühnenstoff, weil es noch viel mehr als im Film um verschiedene Lebensentwürfe junger Menschen geht, die alle suchend sind. Gleichzeitig aber nehmen sie sich das Recht heraus, ihre Jugend zu genießen. Wie sagt Holly? ‚Mir geht’s beschissen, aber himmlisch!‘“

Denn unter der scheinbar glamourösen Oberfläche lauert ein Abgrund. Und das ist nicht nur der Weltkrieg, vor dessen Folie der Erzählbogen aufgespannt ist. Sondern: Das ist auch jene Mischung aus Gewalterfahrung und Prostitution, die Hollys Leben prägen. Ihre daraus resultierenden psychischen Leiden bezeichnet sie selbst als „Rotes Elend“. Weshalb sie sich, als Therapie gewissermaßen, Frühstück vor dem Schaufenster des Nobel-Juweliers Tiffany verordnet.

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