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Ausstellung

Ihre gemalten Schmuckstücke bezaubern

Elisabeth Mehrl zeigt ihre Serie „schöner“. Sie führt die Betrachter dabei in einen Kosmos der Möglichkeiten.
von Gabriele Mayer

Elisabeth Mehrl stellt ihre faszinierende Bilderserie im Neuen Kunstverein in Regensburg aus. Foto: Wolfram Schmidt
Elisabeth Mehrl stellt ihre faszinierende Bilderserie im Neuen Kunstverein in Regensburg aus. Foto: Wolfram Schmidt

Regensburg.Elisabeth Mehrl malt wunderschöne Schmuckstücke. Aus der Ferne wirkt alles beinahe fotorealistisch genau, aus der Nähe dagegen erkennt man die einzelnen Striche und Flecken der Malerei, die Abstraktion eben. Und die Künstlerin stellt die oft an das Barock und an kostbar stilisierte Blüten erinnernden Schmuckstücke zwar dar, aber man sieht immer nur einen Teil eines Schmuckstücks am Rand einer ansonsten farbig monochromen Bildfläche.

Diese leere Fläche, diese leere Raumwirkung ist der Gegenspieler des jeweiligen formreich ornamentalen Schmuckstücks, fast als wäre da ein freier Denk-Raum, oder eine sich selbst genügende Fläche, die aber in sich schön ist. Jedes dieser Bilder hängt seinerseits auf einer kleinen rechteckigen Wandfläche, die in einem bonbon- oder popartfarbenen monochromen Ton leuchtet. Es handelt sich um Elisabeth Mehrls Bilderserie mit dem Titel „schöner“. Die Künstlerin sagt, sie sehne sich nach Schönheit, und findet sie, sobald sie sich ins Malen dieser regelmäßigen, harmonischen, symmetrisch geschlossenen Schmuckformen vertieft und die Edelsteine in ihrem Schliff funkeln lässt. Sie erlebt Schönheit und Vollkommenheit, indem sie ihre Fantasien im Malen zum Ausdruck bringt. Das ist das Eine.

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Glitzern – nicht wirklich fassbar

Und wie geht es dem Betrachter? Zwei der Bilder im Neuen Kunstverein sind überdimensional, meterbreit. Auf dem einen ergießt sich eine Halskette aus bunten, runden Steinen über den dunklen Bildraum, das erinnert an Reichtum, Fülle, an Tand, an Spiegelung, an Glitzerei, die aber nicht wirklich fassbar sind. Bei dem zweiten Großformat, dem vielleicht besten Bild, schwebt von unten eine Kette aus großen, grauschimmernden Perlen in den rosafarbenen Bildgrund herein oder möglicherweise hinaus. Diese beiden Bilder weisen in ihrer Übergröße zugleich auf die Dimensionen des Symbolhaften hin, das allem Schmuck beigegeben ist, der auch Statusmerkmal, Fetisch, Zeichen der Persönlichkeit oder ihr Ersatz sein kann, oder auch religiöses Symbol und auf jeden Fall in der Seltenheit und Kostbarkeit der schönen Steine einen imaginären Wert mit sich führt. Gleichzeitig ist der Betrachter hier direkt mit der Ungreifbarkeit und Flüchtigkeit dessen konfrontiert, was da an Symbolartigkeit jedes Schmucks mitschwingen mag.

Die Künstlerin

  • Studium:

    Elisabeth Mehrl, Jahrgang 1955, studierte Kunst und Kunstgeschichte an der Uni München.

  • Arbeit:

    Sie lebt und arbeitet in Rosenheim und ist zudem in mehreren Gremien kunstvermittelnd tätig.

  • Schau:

    Ihre Ausstellung in Regensburg läuft bis zum 8. März im Neuen Kunstverein.

Auch bei den kleinen Werken sind die Schmuckstücke ja nie als Ganzes im Bild, so als wollten sie sich und die Schönheit und die harmonische Vollkommenheit nicht ganz erfüllen oder dementieren. Gibt es Schönheit als absolute Größe überhaupt? Ist sie nicht immer unvollkommen, also nur augenblickshaft oder hält nicht stand oder ist nur materieller Schein oder auf Dauer langweilig oder nur etwas Relatives im Verhältnis zu einer weniger schönen Umgebung? Das Schöne, was immer der Einzelne sich darunter vorstellen mag, – vielleicht das schöne Leben, das schöne Auto -, ist ein Ideal, das nie ganz zur Realität kommt oder sich nicht so anfühlt, wie man es sich vorgestellt hat. Die Bilder der Ausstellung sind wie Fenster, die uns zu unseren Sehnsüchten und zu der Frage nach dem Ort von Schönheit hinlenken.

Die Vision als Schönheit

Schönheit ist eine Vision und führt uns in einen Kosmos der Möglichkeiten, sagt Mehrl. Kann man das noch begehren, was man bereits hat? Der endlose Konsum-Kreislauf des Aneignens und Wegwerfens spricht eine deutliche Sprache. Schönheit ist ein Ideal, das aber in seiner steifen, abgeriegelten Vollkommenheit unlebendig und nichtssagend wäre, es benötigt zusätzlich einen Mehrwert, etwa den des Symbolischen. Auch davon erzählt leichthin diese Schmuck-Malerei.

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