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Straubing.

Im Mittelpunkt steht die menschliche Figur

Der Bildhauer Hans Rieser wird 75. Die Stadt Straubing ehrt ihn mit einer großen Ausstellung.

Hans Rieser Foto: Kulturamt Straubing

Von Ulrich Kelber, MZ

„Hier hat es für mich die ersten Aufträge gegeben. Und dann bin ich da geblieben.“ So erklärt der aus dem Tiroler Zillertal stammende Bildhauer und Zeichner Hans Rieser, weshalb er 1965 nach Straubing gekommen ist. Am 23. Juni wird der Künstler 75 Jahre alt. Und in seiner ostbayerischen Wahlheimat gibt es heute viele Spuren seines künstlerischen Schaffens. Kirchen und Kapellen hat er ausgestattet, vielerorts Brunnen gestaltet; an der Donau bei Bogen steht eine riesige Brückenplastik aus Bronze, imposant eine Nixe an der Staustufe Straubing, verspielt und heiter eine Kindergruppe vor dem Klinikum St. Elisabeth.

Im Sommer auf der Alm gearbeitet

Aber auch anderswo hatte Rieser Erfolg. In einem Bonner Park steht die drei Meter hohe Bronze „Balance“ mit ihrer tänzerischen Eleganz. Voll Energie und Schwung steckt eine Bronzefigur in einem österreichischen Wintersportort zu Ehren des Skirennläufers Stephan Eberharter. Rieser betont, dass er diese Brotaufträge stets sehr ernst genommen hat: „Ich habe immer mit vollem Ernst, voller Tiefe und voller Hingabe daran gearbeitet.“ Für ihn gilt: „Jede Arbeit muss so sein, dass ich mich nie schämen muss.“

Das Künstlerdasein hat sich Hans Rieser schwer erkämpfen müssen. Er stammt aus einer kinderreichen Familie. Bereits als zehnjähriger Bub musste er in den Sommermonaten auf einer Alm arbeiten.

Doch schon damals zeichnete er gern, meist auf die Rückseiten alter Rechnungsformulare, denn in den Armutsjahren der ersten Nachkriegszeit konnte er kein anderes Papier bekommen. Rieser machte eine Schreinerlehre, dann folgte mehrjährige Fabrikarbeit. Damit konnte er sich das nötige Geld ersparen, um den Traum vom Bildhauerstudium zu verwirklichen. Ab 1958 besuchte er die Kunstgewerbeschule München, von 1960 bis 1964 dann die Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo mit Hans Andre und Herbert Boeckl zwei prominente österreichische Künstler seine Lehrer waren.

Riesers frühe Arbeiten stehen mit ihren vereinfachten Formen und ihrer geradezu archaischen Statuarik in einer Traditionslinie zu Aristide Maillol. Die menschliche Figur – klar und oft ein wenig herb – steht fast immer im Mittelpunkt. Kinder, Mädchen- und Frauenfiguren, dazu beeindruckende Porträt-Büsten verraten die gestalterische Virtuosität des Künstlers. „Form und Inhalt sind mir das Wichtigste“, erklärt Rieser und ergänzt: „Wenn das Werk etwas aussagen soll, braucht man gefühlsmäßig ein Erlebnis.“ Empfindungen will er ausdrücken, etwa in den expressiven Holzobjekten „Orpheus“ und „Kassandra“, in denen er die Umweltzerstörung beklagt, oder in der Bronze „Meditation nach Tschernobyl“, wo er in eine Frauenfigur die ganze Zerrissenheit und Verstörung hineinlegt.

„Man muss einfach durchhalten“

Rieser wechselt gerne die Techniken. Er liebt das Modellieren, um sich dann wieder dem Stein oder dem Holz zu widmen, die ganz andere Herausforderungen verlangen: „Das hält einen frisch und aktiv“, meint der Künstler, verhindere das Abgleiten in einen Manierismus.

Neben dem plastischen Werk steht ganz eigenständig der Bereich der Zeichnung, vor allem der Aktzeichnung. Der Künstler: „Aktzeichnen ist harte Arbeit, es gibt nichts Schwereres.“ Auch hier setzt Rieser ganz auf Vereinfachung, beschränkt sich auf knappe Umrisslinien. Eher ruhig und still sind diese Zeichnungen, als sei ihm Klimt viel näher als der pathetische Schiele.

Hans Rieser ist ein Künstler, dessen Schaffen Anerkennung und hohe Wertschätzung verdient. Dabei hat er es oft schwer gehabt. Und so klingt es wie ein Bekenntnis, wenn er sagt: „Man muss einfach durchhalten. Das hat mich mein Beruf gelehrt. Man muss durchhalten, egal was auf einen zukommt.“

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