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Im Tauchbad melancholischer Klänge

Nico Graz und seine Kollegen begeistern im Leeren Beutel in Regensburg mit Standards und eigenem Material.
Von Peter Geiger

Nico Graz verleiht mit seiner Accordina dem Sound eine markante Note.
Nico Graz verleiht mit seiner Accordina dem Sound eine markante Note. Foto: Alfred Merkel

Regensburg.Gerade mal 25 Jahre alt ist dieser Nico Graz, der aus Abensberg stammende Bandleader. Aber wenn er von seiner Leidenschaft für die Musik erzählt, dann kann er schon auf Dekaden zurückblicken: Denn das Akkordeon begann er bereits als Fünfjähriger zu erlernen. Und im Teenageralter kam dann noch das Saxophon dazu.

Heute, im Hier und Jetzt des Leeren Beutel, brilliert Nico Graz auf einem Instrument, das er zwar erst seit drei Monaten besitzt – das er aber dennoch meisterhaft und aus dem Effeff beherrscht. Denn die Accordina, sie verlangt nichts anderes als ein Zusammenwirken jener Fähigkeiten, die Nico Graz nunmehr schon fast ein ganzes Leben lang am Mundstück und auf den Tasten eingeübt hat.

Und die er bei seinem Studium an der Hochschule für Musik in Würzburg perfektionieren konnte. Es klingt fast ein bisschen, als hätte er einem Geheimclub beitreten wollen, als er sich um den Kauf eines dieser raren Einzelstücke aus der Werkstatt des in Paris ansässigen Marcel Dreux bewarb. Denn der Meister wollte wissen, in welche Finger sein aus Holz gefertigtes Instrument gelangt. Wie gut, dass Nico Graz im Antwortschreiben darauf verweisen konnte, dass er das Akkordeonspiel gelernt hatte, auf einem Modell mit kasachischem Knopfgriffsystem. Damit war ihm seine Accordina mit einer Seriennummer im 1600er Bereich sicher.

Eine gute Stunde lang konzertiert er gemeinsam mit seinen brillant aufgelegten Kollegen von der Hochschule für Musik in Nürnberg, dem Pianisten Jan-Peter Itze, dem Kontrabassisten Moritz Graf und dem Drummer Jonas Sorgenfrei – und führt dabei vor, wie Hingabe, Spaß und Begeisterung zu klingen vermögen, wenn Jazz ohne Punkt und ohne Komma (wie der Leader in einer seiner launigen Ansagen ankündigt) präsentiert wird. Denn egal, ob sie sich vom Speicher der Swing-Klassiker bedienen oder auf der Bossa Nova landen und anschließend mit zwei brillanten Eigenkompositionen (dem balladesken „In my Heart“ folgt auch noch mit „And so are you“ richtiger funky Stuff) auch noch Kreativ-Akzente setzen: Von dieser Accordina geht so etwas wie Magie aus.

Denn die melancholische Klangfarbe des Instruments (mit geschlossenen Augen könnte man auch meinen, eine Melodika oder eine Mundharmonika zu hören), sie hat die Wirkung eines klanglichen Silbertauchbads, das alles mit einem Firnis des Blues überzieht.

Wie gesagt: Erst im März hat er sein neues Spielzeug bekommen. Seither ist es Nico Graz gelungen, seinen Zungenstoß, die Lippen-Feinjustierung und die Luftkontrolle zu perfektionieren. Erfahrung von Dekaden? Ja, sie kann auch ungeheuer beschleunigen!

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