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Revue

Immergrüner Kaktus immer gern besungen

Comedian Harmonists in Concert begeisterten im Velodrom.
Von Michael Scheiner

Die Comedian Harmonists sind ein Evergreen.Foto: Michael Scheiner
Die Comedian Harmonists sind ein Evergreen.Foto: Michael Scheiner

Regensburg.Er sticht und sticht und sticht. Der kleine und immergrüne Kaktus ist weder totzukriegen, noch wächst er sich jemals mannshoch aus. Seit 85 Jahren genießt dieses besungene Gewächs die Zuwendung von Heerscharen begeisterter Zuhörer und Sängern mit geschmeidig schönen Stimmen. Zwischendurch musste „Mein kleiner, grüner Kaktus“ einige Jahrzehnte darben und ein kümmerliches Dasein zwischen modrigen Spinnweben und ideologischem Giftmüll führen – gehörte der spritzige Schlager doch ins Repertoire einer Gruppe, der Comedian Harmonists, welche die Nationalsozialisten 1934 längst im Visier hatten. Drei der sechs Mitglieder der Vokalgruppe waren Juden. Sie erhielten Anfang 1935 von der Reichsmusikkammer ein Berufsverbot. Schon zuvor waren Auftritte des überaus erfolgreichen Ensembles durch organisierte Proteste nationalsozialistischer Gruppierungen gezielt gestört worden. Dem bitteren Ende der Gruppe, dem Urtyp späterer Boygroups, setzten die 2012 gegründeten Comedian Harmonists in Concert bei ihrem Auftritt im Velodrom eine optimistische Hoffnung entgegen. Mit dem Sehnsuchtslied „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück / Und ich träum davon in jedem Augenblick“ sang sich das auch schauspielerisch begabte Ensemble noch etwas tiefer in die Herzen des begeisterten Regensburger Publikums. Haltung und Standorte der fünf Sänger, die weit verteilt und voneinander abgewandt auf der abgedunkelten Bühne standen, allerdings sprachen eine andere, hoffnungslose Sprache. Dabei, zitierte Stephan Clemens, der als Moderator den Comedian-Harmonists-Gründer Harry Frommermann verkörperte, aus dessen Erinnerungen, hätten sie „mit unserer Musik nur Freude und Liebe in die Welt bringen“ wollen.

Etwa sieben Jahre lang, vom ersten erfolgreichen Auftritt 1928 bis zur erzwungenen Auflösung, erlebten die jungen Musiker einen beispiellosen Aufstieg zu einem auch international erfolgreichen Vokalensemble. Sie hätten, zitierte Clemens vor dem komödiantischen Statement „Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen“, den Pianisten Erwin Bootz, aktuell besetzt mit Ralf Schurbohm, und den Bariton Roman Cycowski, dessen Part Klaus Philipp singt, „die politische Situation nicht ernst genommen“. Eine Fehleinschätzung, der nach der Machtergreifung auch andere Menschen – mit oft fatalen Folgen, wie bei der einzigartigen Vokalgruppe – aufgesessen waren.

Die fünf Sänger und der Pianist der Comedian Harmonists in Concert, die sich 2005 bei einer Inszenierung gefunden haben, gastierten bereits früher beim Theater Regensburg. Mit ihrer aktuellen revueartigen Show „In der Bar zum Krokodil“ stellten sie mit szenischen Einlagen, choreografischen Elementen und vor allem viel Witz und Charme die kurze und faszinierende Geschichte ihrer musikalischen Vorbilder nach. Das gelang ihnen durchwegs großartig, wobei sie mit dem Kalauer „Der Onkel Bumba aus Kalumba“ in langen Baströcken einmal hinreißend komisch und zum traurigen Ende niedergeschlagen rüberkamen. Ihrem bewunderten Original, wie man es aus Dokus und dem wunderbaren Film von Joseph Vilsmaier kennt, kommen sie dabei stimmlich und im Ausdruck erstaunlich nahe. Ob es als Zugabe den 70er-Jahre-Hit „Im Wagen vor mir“ von Henry Valentino & Uschi gebraucht hätte, um das hochgestimmte Publikum auch noch zum Mitklatschen zu bewegen, mag dahingestellt bleiben. Ohne Zweifel war es ein unterhaltsamer Abend mit wunderbarem Gesang und einem Eintauchen in eine Welt, in der verdienter Erfolg und gewaltsamer Verlust eng beieinander lagen.

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