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Regensburg.

In Second Life brauchen Häuser keine Statik

  • DeThomas Dibou, Thomas’ Avatar
  • Der Regensburger Detlef Thomas

Er ist Architekt im realen und virtuellen Raum: der Regensburger Detlef Thomas. 2007 hatte er an einem besonderen Projekt mitgewirkt: Dem Bau eines virtuellen Haidplatzes. Wer sich im Cyberspace mit seinem virtuellen Alter Ego bewegte, konnte zusehen, wie das Double und damit ein „bastard space“ entstand. Die 3-D-Version des Haidplatzes zu erschaffen, um dort mit einem virtuellen Orchester zu musizieren, hatte sich die Medienkunstgruppe „Pomodoro Bolzano“ für das Projekt „Mobility“ ausgedacht.

Bei der Art.xxXtenxion ist Thomas nun einer der Gastkünstler. Er hat im Cyberspace eine Dachterrasse gebaut, von der aus die Avatare rechtzeitig zur Art.xxXtenxion auf ein virtuelles Regensburg blicken können – ein „bastard space“ im Doesingerschen Sinn. In der Medienwerkstatt im Andreasstadel demonstriert Thomas, wie er in Second Life ganz ohne Ziegelsteine und Mörtel, dafür aber mit Mausklicks und einem virtuellen Werkzeugkasten an verschiedensten Formen bastelt. Beim Bauen gibt es Überschneidungen mit der realen Arbeit: „Architekten planen ja heute mit 3-D Zeichen-Software (CAD). Nur spielt beim virtuellen Bauen die Physik keine Rolle und es gibt auch keine Probleme mit Witterung und Statik. In SL kann man ganz anders experimentieren.“

Das zeigt er an einem Beispiel: Als DeThomas Dibou, sein Avatar, auf der virtuellen Insel „Odyssey“ spazieren geht, stößt er auf ein Kunstprojekt mit Halbschalen, eine Tribüne für Veranstaltungen, in die sich Avatare hineinsetzen können. Als sich DeThomas Dibou in einer der Schalen niederlässt, winkelt er automatisch sein Knie an und stellt seinen Fuß auf der Kante des Sitzes ab, ohne zutun seines Erfinders Thomas. So lässt sich in SL eine Bewegung oder ein Bewegungsablauf in die Bauteile hineinprogrammieren.

Thomas plant im echten Leben energieeffiziente Gebäude, entwirft Innenausstattung und Möbel. In der virtuellen Welt hat er schon Aufträge erledigt, die ihm in realen Euros bezahlt wurden. So baute er für die italienische Zeitung „Il Giornale“ ein Verlagshaus in Second Life. Außerdem hat er die „Art.think.box“ gebaut, eine virtuelle Galerie, in der die Künstler von Pomodoro Bolzano ihre Werke ausstellen und ihre „mixed reality events“ veranstalten. Die „Art.think.box“ war ein Wettbewerbsbeitrag für Doesingers SL-Architekturwettbewerb.

Für sein neues Projekt baut DeThomas Dibou mit Hilfe eines Baukastens, der jedem Avatar zur Verfügung steht. Ein Würfel ist das Grundelement aller Bauteile. Der erscheint per Mausklick. Er ist vielfach veränderbar: Der virtuelle Architekt variiert Form und Oberflächenstruktur, Farbe und Transparenz nach Belieben. Thomas arbeitet mit Landschaftsbildern von Google Earth, die er vielfach spiegelt. „Mit Hilfe des virtuellen Globuses mache ich Landschaftsfotos, verändere sie und setze sie dann als Texturen in einer virtuellen Welt neu ein.“ Der Boden seiner virtuellen Terrasse bekommt Platten. Eigentlich ist es nur ein Bild einer unkrautumwucherten Platte, aber die Spiegelung macht einen ganzen Boden daraus. Leicht und spielerisch sieht bei Thomas das Schaffen virtueller Räume aus. Die Zukunft des Internets sieht er rosig: „In zehn Jahren wird es ganz normal sein, dass jedes kleine Kind einen Avatar hat, das Surfen im Internet wird dreidimensional sein.“(kk)

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