MyMz

Musik

Inniger Konzertabend mit Domspatzen

Der Chor beeindruckte im Audimax Regensburg mit einem anspruchsvollen Weihnachtsprogramm – und großartiger Teamleistung.
Von Andreas Meixner, MZ

  • Die Regensburger Domspatzen beim Weihnachtskonzert im Audimax unter Leitung von Roland Büchner: ein berührendes Musikerlebnis. Foto: Tino LexFoto: Tino Lex
  • Die Regensburger Domspatzen beim Weihnachtskonzert im Audimax unter Leitung von Roland Büchner: ein berührendes Musikerlebnis. Foto: Tino LexFoto: Tino Lex
  • Die Regensburger Domspatzen beim Weihnachtskonzert im Audimax unter Leitung von Roland Büchner: ein berührendes Musikerlebnis. Foto: Tino LexFoto: Tino Lex

Regensburg.Die Advents- und Weihnachtswochen sind voll von Gebräuchen, Traditionen und Riten. In Regensburg gehört dazu ganz selbstverständlich der alljährliche Besuch eines Weihnachtskonzerts der Regensburger Domspatzen. Die Erwartungshaltung des Publikums schlägt sich dabei klar im Programm 2015 nieder. Am Dienstagabend war die erste der sechs Aufführungen im Audimax zu erleben.

Vieles erklang, was zum weihnachtlichen, musikalischen Erbgut der Domspatzen gehört. Umso erfreulicher, dass Domkapellmeister Roland Büchner dem Druck des Zeitgeistes widerstand und bis auf wenige Zugeständnisse mit der Auswahl der Werke thematisch im Advent bleibt. Ein großes Gewicht erhielten zudem zeitgenössische Vertonungen, die sich mit ihrer meist gemäßigten Tonalität perfekt an die bekannten Werke anschmiegten und den Stillstand im Althergebrachten erfolgreich vermieden.

Den Menschen Mut zurufen

Die Männerschola, die mit dem Choral „Creator alme siderum“ in einer Bearbeitung von Hans-Stephan Martin das Konzert begann, zeigte ganz klar, dass der Chor sich fest in der Kirchenmusik und in der Gestaltung der Liturgie im Regensburger Dom verankert fühlt. Mit drei folgenden Motetten der Renaissance von Tiburtius Massaino, Jacobus Gallus und Andreas Hammerschmidt wurden die Zuhörer dann mit dem englischen Gruß, der Freude auf die Verheißung und das Kommen des Heilands weiter in das Weihnachtsgeschehen eingeführt.

Das „Ave Maria“ des finnischen Tondichters Jaakko Mäntyjärvi besticht durch die Gegenüberstellung des Chorals und des gesprochen Gebetes, die im scheinbaren Durcheinander der vielen Betenden im gemeinsam gesprochenen „Amen“ endet. Ebenso effektvoll und gerade zu plastisch dann ein Werk des zeitgenössischen Komponisten Otmar Faulstich. Der verzagten Menschheit wird in sich stetig steigernden Harmoniestaffeln Mut und Furchtlosigkeit zugerufen. Ein erster Höhepunkt des Programms.

Zu häufiger Beifall störte

Mit Johannes Eccards „Übers Gebirg Maria geht“ und Max Regers „Unser lieben Frauen Traum“ folgten zwei hochrangige Klassiker, die alle Stärken des jungen Klangkörpers offen darlegen: Die Souveränität in nahezu allen Epochen, eine klare Deklamation und homogene Gestaltung, sowie eine saubere Intonationsführung fast durch den ganzen Abend. Die aktuelle Generation der Knaben und jungen Männern wirkte mit ihrem stets musikalisch befeuernden und motivierenden Leiter über weite Strecken geradezu symbiotisch, reagierte pünktlich und genau auf sein exaktes Dirigat. Eine großartige Teamleistung, die man erleben durfte.

Schade nur, dass die ursprüngliche Vorgabe, nur an bestimmten Stellen um Applaus zu bitten, offensichtlich aufgehoben wurde. Es wurde nach jedem Stück geklatscht. Ein dramaturgischer und konzentrierter Bogen kam dadurch nur schwer zustande. Der erste Teil endete mit dem Gospel „Go, tell it on the mountain“ und der Motette „Fürchtet euch nicht“ von Johann Michael Bach, die erfreulicherweise immer mehr Einzug hält in das Repertoire der Weihnachtszeit.

Beachtliche Sängerleistung

Der zweite Teil gehörte zunächst ganz dem schlichten Zauber des Liedes „Es ist ein Ros entsprungen“. So perfekt und aus einem Guss von Michael Praetorius komponiert, dass sich bis auf Hugo Distler und Johannes Brahms niemand mehr in den folgenden Jahrhunderten an eine Neuvertonung wagte (sieht man von der populären, zweifellos phantastischen Klangcollage von Jan Sandström einmal ab, die den Originalsatz jedoch nicht berührt). Roland Büchner ließ seine Domspatzen die drei Strophen ruhig und innig singen, vertraute ganz auf den natürlichen Puls dieser Musik.

„O magnum mysterium“ aus der Feder des jungen Komponisten Simon Wawer fügte sich mit seiner ruhigen Linienführung und feiner Harmonik nahtlos an. Zwei eher liebliche Duette mit Klavierbegleitung des Reger-Schülers Gottfried Rüdinger, sowie „Ich freue mich in Dir“ aus der gleichnamigen Kantate von J. S. Bach bildeten den kleinen Reigen solistischer Vorträge, die von den fünf Solisten außerordentlich beachtlich vorgetragen wurden.

Zarter Schlusspunkt

Zum Ende des Konzerts musste es dann freilich weihnachtlicher werden. Franz Beyers Vertonung der heiligsten Nacht eröffnete das Finale. Das klanggewaltige und raffiniert aufgebaute „Adeste fideles“ von Carl Thiel durfte in einem Weihnachtskonzert der Domspatzen natürlich nicht fehlen. Mit „Il est né le divin Enfant“ (Kurt Suttner) und „A child is born“ (Thad Jones) wurde es nochmal international, bevor das offizielle Programm mit dem Chorsatz „O du fröhliche“ von Georg Ratzinger endete. Ein Meisterwerk der sich steigernden Strophenvertonung, vollends auf den Klang der Domspatzen zugeschnitten. Eine schöne Idee ist es, die erste Zugabe mit dem Publikum gemeinsam zu singen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Ins Dunkel des Audimax setzt Reichardts Chorsatz von der Heiligen Nacht dann den zarten, traditionellen Schlusspunkt. Mit dem Wunsch nach der unendlichen Liebe im weihnachtlichen Erdengedränge.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht