MyMz

Innovation für Regensburgs Kunstszene

KUNst Die Verleihung des REWAG-Kunstpreises an Stefan Göler und Notburga Karl setzt Zeichen.

  • Notburga Karl bei der Ausstellung „mobility“ im Herbst 2007 Foto: Archiv
  • Stefan Göler in seinem Atelier Foto: Nübler/Archiv

Von Harald Raab, MZ

REGENSBURG. Die bildende Kunst in Regensburg hat nur eine Chance, wenn sie gut sein, ja besser werden will: Sie muss offen nach außen sein und im permanenten Austausch mit den Kunstzentren Deutschlands, möglichst auch Europas und der USA, stehen.

Wenn der eben erst gestiftete Kunstpreis der REWAG – die MZ berichtete bereits – diese Öffnung vorantreibt, dann fördert er die in Regensburg so dringend benötigte Innovation. Aufbrechen von Wohlfühlidyllen mit Mia-san-mia-Wagenburgmentalität ist angesagt – und das beiliebe nicht nur in der Bildenden Kunst. Der REWAG-Kunstpreis wird alle zwei Jahre vergeben und hat alle Sparten künstlerischen Schaffens im Blick, von der Bildenden Kunst über Musik und Theater bis hin zu Video oder Film.

Die erste Preisverleihung darf ruhig als ein Zeichen des Aufbruchs gesehen werden: Stefan Göler und Notburga Karl, die beiden ersten Träger des Kunstpreises, sind zwei Künstlerpersönlichkeiten, bei denen Offenheit und Dialog Charakteristika ihrer so unterschiedlichen Werke sind. Sie werden mit je 5000 Euro bedacht.

Mut zum Risiko

Stefan Göler, Jahrgang 1959, liefert den Beweis, dass Bereitschaft zu Neuem kein ausschließliches Privileg der Jugend ist. Trotz jahrzehntelanger Arbeit in der Region, ist er doch kein selbstgenügsamer Regionalkünstler geworden. Mit einem anderen herausragenden Zeichner, mit Georg Fiederer, leitet er die Regensburger Akademie im Andreasstadel.

Göler bedient nicht Dekorationsbedürfnisse mit Zeichenfeder und Pinsel. Er hat Mut zum Risiko, sowohl ästhetisch-formal wie inhaltlich. Poesie, Witz und kritische Klarheit stehen ihm zu Gebote.

Professor Horst Sauerbruch, dessen Student Göler an der Münchner Akademie war, schreibt über das zeichnerische Werk des Künstlers in den 80er und 90er Jahren: „Seine Bilder sind sprechende Bilder, Menschenbilder, Bilder von Menschen, immer Erzählungen über Menschen, manchmal sind es Kleinigkeiten, die dem Maler wichtig sind, manchmal nimmt er Wichtiges leicht. (...) Ein Spieler ist er, ein Musikant auch, ein Überspieler, Übermaler, Überkleber, lässig wirkend, aber doch am Kern der Sache, dieser Stefan Göler.“

In der Auseinandersetzung mit Elias Canettis „Masse und Macht“ etwa geht es Stefan Göler um Elementares in seinen Bildergeschichten: Leben und Tod, Sex und Habgier, die sich alles einverleibt – der Mensch als Menschen vertilgender Vielfraß. In Gölers Zeichnungen zappeln die Menschen als Lemuren, kahlköpfige, schlanke Schemen, in den Umständen der Zeit, wie gefangene Insekten in einem Spinnennetz. Schriftelemente bilden mehr als nur die Folie, auf der sich das alles abspielt.

Auch begabter Musiker

Szenenwechsel: Rhythmus eines Formenreigens aus Gölers Nachrichten aus dem Klanguniversum. Er ist ja auch ein begabter Musiker und setzt sich auch als Zeichner und in Cutouts mit der Welt der Töne, ihrer Hervorbringung und Wirkung auseinander. Aber was da als Piano-Form, als Geigenkasten, als Notenpapier oder Instrumentensaiten daher kommt, ist ein Spiel mit Hintersinn. Unter der (scheinbaren) Idylle verbirgt sich nicht selten ein Mörderstück. In der Klarheit liegt dabei das Rätselhafte, wie der sprichwörtliche Strand unterm Großstadtpflaster unserer Wahrnehmung.

Was Stefan Göler mit der zweiten Preisträgerin, der 1973 in Regensburg geborenen Notburga Karl, verbindet, sind : Stringenz und Einheit des Werks, Einfachheit der Ausführung, Kraft in der Kontinuität des Schaffens und Bedeutsamkeit, das sich auch im Publikumsinteresse manifestiert.

Zeichensetzungen im Raum

Notburga Karl ist dort zuhause, wo ihr Werk gerade ist. Die Bildhauerin, die an der Akademie der Bildenden Künste in München ihre Ausbildung erfahren hat, beschäftigt sich in ihren Installationen mit Zeichensetzungen im Raum. Was verändert wie unser Raumgefühl?

Dachpappe, Latten, alte Christbäume, ausgehängte Türen, Leitern, Plastikfolien, Klebebänder und vor allem auch Neonröhren: Notburga Karl lotet Formen und Materialien auf ihre ikonographischen Fähigkeiten aus. Optisch und physisch verändert sie damit Raumwahrnehmung, auch unter dem Einsatz des nackten weiblichen Körpers. Bei der Kunstaktion „Hängen“ in einem sonst leeren Raum schwingt er an zwei an der Decke befestigten Seilen. Verlust von Bodenhaftung, Labilität, permanente Veränderung: Masse ist Gewicht in Fallgeschwindigkeit. Die Aktion – dokumentiert in Fotografie – vermag weit mehr, als physikalische Gesetze zu bebildern. Notburga Karl bezieht selbst Videoarbeiten in ihre Installation ein. Auch hier geht es in Unschärfen, Bewegungen und Wechsel der Perspektiven um Raumerfahrung durch Tiefenwirkung. Nicht zuletzt legt sie Wert darauf, dass der Videoeinsatz auf der Projektionsfläche als Teil einer Rauminstallation wahrgenommen wird.

Die Verleihung des REWAG-Kunstpreises an Stefan Göler und Notburga Karl findet mit zwei kleinen Ausstellungen am 15. Februar im Kunstforum Ostdeutsche Galerie statt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht