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Ausstellung

Invasion von Zelten und Popart-Köpfen

Jürgen Böhm und Peter Nowotny stellen in der Kunstpartner-Galerie Installationskunst und collagierte Bilder aus.
Von Florian Sendtner, MZ

Die Harmonie von Peter Nowotnys collagierten Bildern.
Die Harmonie von Peter Nowotnys collagierten Bildern.

Adlmannstein.Vor einer Woche hatte Jürgen Böhm gerade eine Installation mit 15 Zelten unter der Steinernen Brücke fertiggestellt, da kam das Hochwasser und machte aus der Installation eine Performance. Die Donau stieg so schnell, dass der eine Meter, den der Künstler aus Nabburg bei seiner Stahlseilkonstruktion miteinberechnet hatte, zu wenig war. Die Flut riss die fünfzehn schwimmenden, beleuchteten Zelte mit sich fort. Ein Vierteljahr Arbeit und ein fünfstelliger Betrag war dahin.

Jetzt sind die Zelte wieder da, wohlbehalten auf dem Trockenen – in der Kunstpartner-Galerie in Adlmannstein. Sie haben sich sogar vermehrt: über dreimal so viele sind es. Allerdings nur en miniature. Eine seltsam anmutende Invasion von 50 gleichförmigen Tunnelzelten, alle geschlossen und leblos. Früher assoziierte man mit einem Zelt Jugend und Urlaub. Heute denkt man an Idomeni, die Zeltstadt der gestrandeten Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze, die vor zwei Wochen geräumt wurde.

Und so ist das hier auch gemeint. Die Zelte, die die Donau mitgenommen hat, waren unter anderem mit Flüchtlingsbildern aus den vergangenen 120 Jahren versehen. Das Zelt ist das Zeichen der Zeit. Zwei Quadratmeter Zuflucht.

Gesichter ohne Individualität

Die Leute, die in der Zeltstadt fehlen, finden sich gleich nebenan, auf den Bildern von Peter Nowotny im großen Gewölbe. So viele Gesichter, aber nirgends individuelle Gesichtszüge! Bei Peter Nowotny, der in Bad Abbach lebt und fast ein Vierteljahrhundert älter ist als Jürgen Böhm, sind ikonenhafte Popart-Köpfe verwoben in abstrakt-amorphe, orientalisch anmutende Ornamente.

Die gesichtslosen Figuren sitzen eng beisammen und werden durch ein laubfroschgrünes Lymphgewebe miteinander verbunden. Dadurch, dass die gemalten und collagierten Bilder oft seriell an- und übereinandergefügt sind, entsteht eine gewisse Symmetrie und Harmonie, die gleichzeitig eine Art vegetatives Chaos in sich hat. Teils verschwinden die figurativen Formen, und es bleiben nur noch dekorative, florale Ornamente. Ein Mosaik aus satten Farbkombinationen, Lapislazuli, durchsetzt von Pyrit – ein Hauch von Topkapi.

Am Ende kehrt das Tunnelzelt nochmal wieder, in Gestalt eines für sein Alter beeindruckend hohen und weitgespannten Tonnengewölbes: der Eiskeller, der gerade von einem jüngeren Einbau befreit wird. Jürgen Böhm hat aus der Baustelle – überall liegen noch die Ziegelsteine der abgebrochenen Wände herum – mit Licht- und Soundeffekten im Handumdrehen eine Installation gemacht. Ein roter Laserstrahl tastet den Raum ab, die elektronische Maurerschnur des 21. Jahrhunderts erkundet das Gemäuer aus dem 17. Jahrhundert. Eine Hommage an einen Raum, wie ihn die Gegenwart nicht mehr zustandebringt.

Ausstellungseröffnung So., 12. Juni, um 11 Uhr; geöffnet bis 10. Juli sonntags von 14 bis 17 Uhr und mittwochs von 18 bis 20 Uhr.

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